„Wir sind alles Menschen, die auf dem Planeten wohnen“: Essaoudi bezieht Stellung zu Hanau

mlzAnschlag in Hanau

Der Dorstener Boxer Ilias Essaoudi verbrachte den Großteil seiner Jugend in Hanau, wo ein schrecklicher Anschlag das Land in Schockstarre versetzte. Nun hat er Stellung bezogen.

von Niklas Berkel

Dorsten

, 26.02.2020, 14:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Grundsätzlich halte er sich aus der Politik raus, sagt der Dorstener Boxer Ilias Essaoudi. In diesem Fall müsse er aber für die Menschlichkeit was sagen. Essaoudi, geboren in Offenbach, verbrachte den Großteil seiner Jugend in Hanau, wo ein rassistisch motivierter Anschlag in und vor Shishabars Deutschland in Schockstarre versetzte. Dabei wurden insgesamt neun Menschen getötet sowie sechs weitere verletzt, darunter eine Person schwer.

„Egal ob wir Muslim, Christ, Jude (sind) oder sonst einer Religion angehören, wir sollten uns alle respektieren!“
Ilias Essaoudi, Boxer aus Dorsten

„Liebe Mitmenschen, grundsätzlich beteilige ich mich öffentlich an keiner politischen, religiösen oder ethnischen Diskussion. Daher habe ich auch lange überlegen müssen, ob ich mich zu den Morden von Hanau äußern soll.“ So beginnt ein Facebook-Post Essaoudis. In dem bezieht er klar Stellung zu den Morden in Hanau. Noch immer habe er viele Bekannte, gerade im Kampfsportbereich, in Hanau. Seine Sorge war groß, dass auch ihnen etwas zugestoßen sein könnte.

Denn weiter schreibt Essaoudi, der das Dorstener Kampfsportstudio Team Assasin betreibt: „Als gebürtiger Offenbacher habe ich einen Großteil meiner Jugend auch in Hanau verbracht und genieße auch heute noch gute und enge Kontakte nach Hanau. Daher musste ich mich auch erst einmal sammeln und war froh, dass keiner meiner Bekannten unter den Opfern dieses Akts des Hasses sind.“ Der 30-Jährige schränkt aber auch ein. Froh sei „ er falsche Ausdruck, denn mein Mitgefühl und Leid ist bei den Angehörigen die einen geliebten Menschen verloren haben.“

Essaoudi kennt beide Seiten

Aber den Boxer liegt noch mehr am Herzen als allein der Anschlag in seiner früheren Heimat. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Marokkaner. „Ich kenne beide Seiten“, sagt der Boxer. Die deutsche Kultur, aber auch die marokkanische.

Auf der einen Seite kann er die Sorgen Deutscher verstehen. Er kritisiert auch Menschen mit Migrationshintergrund, die „seit Jahrzehnten hier leben, aber keinen vernünftigen Satz sprechen, gar schreiben können.“ Auf der anderen Seite nimmt er aber auch die Deutschen in die Pflicht. „Es kann doch nicht sein, dass man, sobald man die Optik eines Südländers besitzt, gleich als “Nafri“ oder „Kanake“ abgestempelt wird! Oder dass man beim Tragen eines „Kopftuchs“ als unterdrückte Sklavin gilt.“

Sorge über zunehmende Spaltung der Gesellschaft

Essaoudi macht eine „zunehmende Spaltung in der Gesellschaft aus.“ Auf Anfrage der Redaktion zu seinem Post sagt er: „Brandpunkte gibt es überall. Überall ist es extremer geworden. Man muss sich nur mal die Kommentare unter Artikeln zu Flüchtlingen beispielsweise bei Facebook angucken. Das ist unter aller Sau.“

Denn eines sei auch klar, sagt der Boxer: „Wir sind alles Menschen, die auf dem gleichen Planeten wohnen.“ Dieser gehöre allen. In einem der letzten Abschnitte seines Facebook-Posts schreibt er: „Egal ob Ausländer, Deutscher, oder Deutscher mit Migrationshintergrund wie ich es bin, wir sind alles Menschen! Wir sollten uns gegenseitig respektieren und akzeptieren! Egal ob wir Muslim, Christ, Jude (sind) oder sonst einer Religion angehören, wir sollten uns alle respektieren!“

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