Dorstens Läufer fühlen sich stiefmütterlich behandelt

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Seit Montag dürfen Westfalens Leichtathleten wieder leistungssportliche Wettkämpfe austragen. Bei allem Licht sieht Fachwart Leo Monz-Dietz vom Stadtsportverband trotzdem noch viel Schatten.

Dorsten

, 23.06.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kontaktsportarten wie Fußball oder Basketball dürfen wieder trainieren. Unter Auflagen zwar, doch nahe am Normalbetrieb. Und da soll die Leichtathletik als im Grunde kontaktlose Sportarten keine Wettkämpfe austragen dürfen? Geht nicht, sagte die Leichtathletik-Kommission Wettkampforganisation des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) und beschloss deshalb, ab Beginn dieser Woche leistungssportliche Wettkämpfe unter bestimmten Bedingungen wieder zu genehmigen.

Oberste Priorität habe dennoch weiterhin die Gesundheit aller Sportler sowie der hauptamtlich und ehrenamtlich in Wettkämpfe und Wettbewerbe eingebundenen Personen.

Regina Dietz und Leo Monz-Dietz

Leo Monz-Dietz und Ehefrau Regina Dietz organisieren seit Jahrzehnten den Trainingsbetrieb des Leichtathletik-Teams Dorsten und der LG Dorsten. © andreas hofmann//hofmann-foto@we

Die LG Dorsten sieht sich durch das Konzept des FLVW (siehe unten) in ihrer Vorgehensweise bestätigt. Nach genau denselben Grundsätzen hatte die LGD in den vergangenen zwei Wochen bereits Trainingswettkämpfe organisiert, um ihre Athleten auf den Einstieg in die vom Verband geplante „late season“, also die späte Saison, zu erleichtern. Also alles eitel Sonnenschein bei Dorstens Leichtathleten? Nicht ganz.

Denn Leo Monz-Dietz, Vorsitzender des Leichtathletik-Teams Dorsten , Fachwart Leichtathletik im Stadtsportverband und Trainerguru in der Läuferszene, sieht gerade seine Disziplin ein wenig stiefmütterlich behandelt. „Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat sich in der Coronakrise nicht gerade sehr kreativ oder innovativ gezeigt“, kritisierte Monz-Dietz im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Andere Disziplinen wie Stabhochsprung oder selbst Kugelstoßen finden seit geraumer Zeit auf Marktplätzen statt, aber beim Laufen schöpft der DLV die Möglichkeiten anderer Wettkampfformen nicht aus“, meint der Dorstener Trainerguru.

Als Beispiele nennt Monz-Dietz Verfolgungsrennen, wie sie etwa im Radsport oder beim Skilanglauf üblich sind: „Die Läufer würden dann zeitversetzt starten, die Abstände je nach Länge der Strecke. Die heutige Chip-Technik lässt das problemlos zu.“

Vom DLV, aber auch vom Leichtathletik-Kreis habe er mehr erwartet, sagt der Dorstener – und wurde selbst aktiv. „Ich kann meine Athleten nicht neun bis elf Mal die Woche trainieren lassen und ihnen sagen ,Euer nächster Wettkampf findet irgendwann im Winter statt‘. Da muss man sich halt die Bedingungen suchen, die man braucht.“

Erst mal geht‘s ins Ausland

Und die findet Leo Monz-Dietz aktuell im Ausland. Mit Mittelstrecklerin Majtie Kolberg, die er bei der LG Kreis Ahrweiler in der Pfalz betreut, reist er kommendes Wochenende zu einem Meeting in die Schweiz. „Die sind dort etwas weiter als wir in Deutschland“, sagt der Trainer.

Dasselbe gelte für die Niederlande. Dort wird Monz-Dietz Anfang Juli mit einer ganzen Reihe seiner Dorstener Schützlinge bei einem Wettkampf in Utrecht antreten.

Es sind aber nicht nur die Wettkämpfe, die in „Nachbars Garten“ derzeit die Aufmerksamkeit des Dorstener Leichtathletik-Vorkämpfers wecken. In einem Zeitungsbericht hat Leo Monz-Dietz von einem Bauprojekt erfahren, das demnächst am Gymnasium Maria Veen umgesetzt wird.

Mit Hilfe von NRW-Fördermitteln entsteht dort für 2,8 Mio Euro und entworfen vom Dorstener Planungsbüro Kemper der Integrationspark Maria Veen mit neuem Kunstrasen-Fußballplatz sowie behindertengerechter und wettkampftauglicher Tartanbahn.

„Die können dort überregionale Wettkämpfe ausrichten und bekommen eine Stabhochsprunganlage und einen Wassergraben für Hindernisläufe. Dabei haben die nicht mal Leichtathleten in Reken“, staunt Leo Monz Dietz und spricht von einer „1a-Lösung“.

In Dorsten hoffen die Leichtathleten unterdessen weiter auf die Realisierung einer Tartanbahn auf dem Jahnsportplatz des FC Rot-Weiss Dorsten. Hier hatte Bürgermeister Tobias Stockhoff im Sportausschuss zuletzt positive Signale gesendet und mögliche Entscheidungen für den Spätsommer angekündigt.

Vorher setzt die LG Dorsten aber erst einmal die neuen Wettkampf-Lockerungen auch auf der heimischen Anlage an der Marler Straße um. Am 1. Juli (Mittwoch) richtet sie dort ab 16.30 Uhr das „Corona-Sportfest 3.1“ aus. Auf dem Programm stehen wegen der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen nur zwei Disziplinen, nämlich Weitsprung und 800-m-Lauf.

Die ersten namhaften Meldungen liegen den Dorstenern bereits vor – nicht nur Dorstens Leichtathleten sehnen sich nach ganz normalen Wettkämpfen. Meldungen bei Leo Monz-Dietz unter l.monz-dietz@online.de

Das sieht das Konzept des FLVW vor

Nach intensiver Diskussion der aktuellen CoronaSchVO des Landes NRW und auf Basis aller vorliegenden Informationen genehmigt der FLVW deshalb leistungssportliche Wettkämpfe im Freien ab sofort unter folgenden Voraussetzungen:

Es handelt sich um kleinere Wettkämpfe oder Wettbewerbe einzelner Disziplinen (Disziplingruppen), da Sportfeste und ähnliche Sportveranstaltungen bis zum 31. August weiterhin untersagt sind.

Verpflichtung des Veranstalters zur gesicherten Einhaltung geeigneter Vorkehrungen zur Hygiene und zum Infektionsschutz.

Schriftliche Genehmigung der Veranstaltung durch die zuständige Kommune/Behörde auf Grundlage eines dort vom Veranstalter vorzulegenden Hygienekonzeptes.

Information und Aufklärung durch den Veranstalter über Verhaltenspflichten im öffentlichen Raum, Abstandsgebot, Mund-Nase-Bedeckung und Hygienemaßnahmen durch Aushänge auf der Anlage.

Sicherstellung der „einfachen Rückverfolgbarkeit“, d.h. Registrierung von Name, Adresse und Telefonnummer der Teilnehmer.

Zulassung von maximal 100 Zuschauern inkl. Trainer/Betreuer außerhalb des Innenraumes unter Sicherstellung deren „einfacher Rückverfolgbarkeit“.

Begrenzung der anwesenden Personenzahl pro Wettbewerb/Wettkampfanlage auf maximal 30 Personen (Teilnehmer und Kampfrichter/Helfer).

Kein Zutritt von Trainern/Betreuern zum Innenraum und zur Wettkampfanlage.

Wettkämpfe im Bereich Sprint/Hürde ausschließlich mit frei gehaltenen Bahnen (z.B. Bahn 2/4/6/8).

Wettkämpfe im Block Lauf mit maximal 8 Teilnehmern je Lauf.

Es finden keine Staffelläufe statt.

Durchführung von Wettkämpfen in mehreren technischen Disziplinen unter Einhaltung der Kontaktbeschränkungen und der weiteren Sicherheitsmaßnahmen (räumlicher Verteilung auf oder außerhalb der Anlage und/oder zeitversetzter Austragung).

Die Verantwortung für die Einhaltung und Umsetzung der Voraussetzungen liegt ausschließlich beim Veranstalter/Anmelder. Die Genehmigung durch den FLVW bezieht sich, unter dem Vorbehalt der schriftlichen Genehmigung durch die zuständige Kommune/Behörde, ausschließlich auf die sportliche Situation und auf den Termin.

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