Mit 18 Jahren wechselte der Geschäftsführer Sport des SV Schermbeck in die Türkei. Dort spielte er gegen namhafte Gegner wie Galatasaray und Fenerbahçe Istanbul.

von Niklas Berkel

Schermbeck

, 26.03.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er spielte gegen Galatasaray und Fenerbahçe Istanbul. Der ehemalige Klub des Dorsteners Cem Kara, Istanbul Başakşehir FK, ist in dieser Saison punktgleich mit dem Tabellenführer der Süper Lig, der ersten Fußballliga in der Türkei. Mit 18 Jahren machte er sich auf in ein Abenteuer, das er nie wieder vergessen sollte – das aber ebenso abrupt endete, wie es begann.

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Cem Kara begann seine fußballerische Laufbahn als er ganz klein war. An der Jahnstraße beim FC RW Dorsten fand er sein erstes Zuhause. Bereits in jungen Jahren deutete sich das Talent des Dorsteners an. In der D-Jugend wechselte er das erste Mal, es ging zum SV Hardt – bei dem er in einer Mannschaft landete, die landesweit Aufsehen erregen sollte.

Viele schafften es bis in die Oberliga – und noch höher

Trainer Thorsten Beckmann versammelte in der Hardter Jugend eine Mannschaft, aus der der eine oder andere heute prominente Name in Dorsten hervorkommen sollte. Cedric Vennemann, mittlerweile beim TuS Haltern in der Regionalliga, war Teil dieser Mannschaft, bevor es für ihn nach Schalke und Wattenscheid ging.

Diese Jugend-Mannschaft des SV Hardt war eine der talentiertesten in der Umgebung.

Diese Jugend-Mannschaft des SV Hardt war eine der talentiertesten in der Umgebung. © Privat

Ebenso spielten Evans Ankomah-Kissi und Kevin Mule-Ewald mit Vennemann und Kara zusammen. Beide halten heute in der Verteidigung der Oberliga-Mannschaft des SV Schermbeck den Laden dicht. Jannis Scheuch, im vergangenen Jahr mit dem TuS Haltern in die Regionalliga aufgestiegen, war ebenfalls Teil der Mannschaft. Auch Pascal Vasic und Leon Einhaus waren dabei.

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Noch heute schwärmt Cem Kara von dieser Mannschaft. „Wir waren eine Riesentruppe.“ Und die Mannschaft erreichte Erfolge, die eine Dorstener Jugendmannschaft so nicht mehr erreichen sollte. „In der D-Jugend schafften wir es ins Endspiel des Kreispokals. In der C-Jugend ging es für uns in die Bezirksliga.“ Es folgten Spiele gegen Jugendmannschaften des FC Schalke 04, des MSV Duisburg, RW Ahlen und der SG Wattenscheid.

Eine große Tür ging offen

Diese Erfolge blieben natürlich nicht unbemerkt. Nach und nach wechselten die Talentiertesten. Und auch für Cem Kara ging eine Tür offen, die ihn in ein großes Abenteuer führen sollte. Der türkische Fußballclub Istanbul Başakşehir FK bot dem jungen Dorstener ein vierwöchiges Probetraining an, in dem er sich für einen Wechsel empfehlen konnte.

„Ich ging dann zurück nach Dorsten, regelte alles.“ Sein Abitur legte der Dorstener auf Eis. Im Anschluss daran wechselte Kara in die Jugend des Erstligisten. „Das war eine interessante Zeit“, erinnert er sich. Ein Jahr lang lebte und trainierte Kara wie ein Profifußballer. Fünfmal die Woche ging es zum Training, an manchen Tagen standen zwei Einheiten auf dem Programm.

Zu Auswärtsspielen ist das Team geflogen

Zu Auswärtsspielen flog das Team mit den Profis. „Die türkische Junioren-Liga ist nicht wie hier wie die Bundesliga aufgeteilt in Süd, Nord, Ost und West“, erzählt Kara. Da kam es auch schon mal vor, dass eine Auswärtsfahrt einen Flug von fast zwei Stunden dauerte.

Doch so schön die Zeit auch war, so enttäuscht war Kara auch vom Verein. „Da wurden leere Versprechungen gemacht, ich habe kein Geld bekommen.“ Und ständig die Eltern wegen Geld anpumpen, wollte der junge Fußballer nun auch nicht. Also entschied er für sich nach einem Jahr, zurück nach Deutschland zu gehen.

Nach einem Jahr in der Türkei ging es für Cem Kara zurück nach Deutschland zu seinem Jugendverein.

Nach einem Jahr in der Türkei ging es für Cem Kara zurück nach Deutschland zu seinem Jugendverein. © Archiv

Es war Mitte August – und bei den meisten Vereinen war kein Platz mehr im Kader zu vergeben. Kara, der sein Abitur zu Ende machen wollte, schloss sich also erneut seinem Jugendverein SV Hardt an. Dort war er zunächst für sechs Monate gesperrt. Und auf ihn kamen weitere Probleme zu.

„Das war nicht leicht für den Körper“

„Ich war oft verletzt in den Jahren danach.“ Muskelfaserriss folgte auf Muskelfaserriss. „Zweimal hatte ich einen Muskelbündelriss.“ Die Intensität schraubte sich stark runter. Das Training auf Asche tat sein Übriges. „Das war nicht leicht für den Köper, sich um zu gewöhnen, wenn er Kunstrasen und tägliches Training gewohnt ist.“

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Trotz einer sportlich erfolgreichen Zeit – das Team stieg unter Trainer Martin Schmidt bis in die Westfalenliga auf – hatte Kara nach drei Jahren genug. Sein alter Jugendtrainer, Thorsten Beckmann, holte ihn in die Kreisliga A zum SV Schermbeck II im Winter 2013. Dort wollte er gemütlich noch ein bisschen kicken, seinen Körper schonen.

Doch bereits nach zwei, drei Trainingseinheiten merkte er dann doch, dass er noch nicht genug hatte vom höherklassigen Fußball. Also fragte er den damaligen Trainer der Oberliga-Mannschaft des SVS, Holger Aden, ob er mal mittrainieren könne.

Ehemalige Mitspieler nach Schermbeck gelotst

Die nächsten zweieinhalb Jahre spielte Cem Kara dann in der ersten Mannschaft. Doch die Verletzungen nahmen nicht groß ab. Und so begann die Unterstützung Karas für den Sportlichen Leiter, Michael Bennighoff. Ehemalige Mitspieler von ihm, Jannis Scheuch und Kevin Mule-Ewald konnte er begeistern, nach Schermbeck zu wechseln.

Nach einer kurzen Zwischenstation beim BVH Dorsten, wo er mit seinen Cousins Ilkay, Volkan, Oktay und Kaan-Barkin Kara zusammenspielte, rief Bennighoff erneut bei Cem Kara an. Diesmal ging es nicht um Mithilfe bei Transfers, sondern darum, den Posten von Benninghoff ganz zu übernehmen.

Viel Zeit nachzudenken, brauchte Kara nicht. Mit 27 Jahren – fast ein Jahrzehnt nach seinem großen Abenteuer in der Türkei – übernahm er vor knapp zwei Jahren die Sportliche Leitung beim SV Schermbeck. Zusammen mit Michael Steinrötter und Thorsten Schröder „sind wir ein richtig gutes Team“, sagt Kara. „Wir sind wie eine Familie. Das macht einen Riesenspaß.“

Viele Projekte haben sie in den vergangenen Monaten beim SVS bereits im Team angestoßen. Das Abrahamhaus und der neue Kunstrasen stehen und liegen bereits. „Doch wir haben noch ganz viele andere Projekte, die wir angreifen wollen.“ Und so stürzt sich Cem Kara in das nächste Abenteuer.

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