Frank Frye war Dorstens erfolgreichster Trainer der letzten zehn Jahre

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Frank Frye feierte mit dem TuS Gahlen und RW Deuten im vergangenen Jahrzehnt Aufstiege und Titel. Ein Rückblick auf ein Jahrzehnt voller Erfolge – mit einem weiteren Happy End.

Deuten, Gahlen

, 20.06.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Er ist der wohl erfolgreichste Fußballtrainer in Dorsten des vergangenen Jahrzehnts. Nun endet für Frank Frye die Zeit in der Stadt am Rande des Ruhrgebiets. Ihn zieht es zur neuen Saison zum VfL Rhede in die Landesliga Niederrhein – nach mehreren Aufstiegen und Stadtmeistertiteln mit dem TuS Gahlen und RW Deuten.

Fryes Ende in Dorsten? „Ein scheiß Ende“, gab er vor einigen Wochen unverfroren zu. Das war vor den jüngsten Entwicklungen um seine Mannschaft in der Landesliga. Der Trainer ist ein Mann der klaren Worte. Das war schon immer so. „Er ist manchmal ein bisschen knorrig“, sagt die Abteilungsleiterin Fußball des TuS Gahlen, Conny Eckold – und lacht.

Sie holte ihn damals – 2011 war das – zum TuS Gahlen. Empfohlen hatte Frye Andreas Kotter, der in Gahlen bereits Seniorentrainer der Herren und Damen war. So kamen sie in Gahlen auf den Trainer aus Gelsenkirchen, der zuvor den BV Rentfort trainierte und mit ihm in die Bezirksliga aufstieg.

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Doch auch wenn Eckold lachend sagt, dass Frye ein bisschen knorrig sei, so ist das ein liebgemeintes Kompliment. „Wir können über ihn nur positives sagen. Er hat über die Jahre hervorragende Arbeit bei uns geleistet.“ Eckold lobt die Umgänglichkeit des Trainers, die Zuverlässigkeit – und vor allem die fachliche Kompetenz. „Egal wo Frank Trainer war: Ich habe immer gehört, dass er jeden Spieler nach vorne gebracht hat. Rhede kann sich glücklich schätzen“, sagt die Abteilungsleiterin.

Mit dem TuS Gahlen stieg Frye – wie zuvor mit Rentfort – in die Bezirksliga auf. Im ersten Jahr erreichte er noch den zweiten Platz in der Kreisliga A hinter dem VfL Reken. Bereits ein Jahr später erreichten Frye und die Gahlener den Aufstieg in die Bezirksliga.

Frye wird gefeiert haben – und getanzt. Wer ihn 2016 nach dem ersten Aufstieg in die Landesliga mit seinem zweiten Verein in Dorsten, RW Deuten, gesehen hat, weiß: Der Mann kann feiern. RW Deutens Sportlicher Leiter Mathias Deckers nennt Frye nicht nur einen „Freund und Kumpel“, sondern auch „Feier-Tanz-Biest“. Seine Aufstiegstänze in Deuten sind legendär. Wenn die Rot-Weißen wieder richtig feiern dürfen, so hoffen sie, noch einmal in den Genuss einer der legendären Tänze Fryes zu kommen.

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RW Deuten feiert den Landesliga-Aufstieg

Die Fußballer des SV Rot-Weiß Deuten sind zum zweiten Mal in die Landesliga aufgestiegen - und wieder als Vizemeister.
26.05.2019
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SV Gescher - RW Deuten 1:2 (0:0)© Andreas Leistner
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SV Gescher - RW Deuten 1:2 (0:0)© Andreas Leistner
SV Gescher - RW Deuten 1:2 (0:0)© Andreas Leistner

Zurück zum ersten Jahr in der Bezirksliga mit dem TuS Gahlen. Dort hielt das Team souverän die Klasse. Spielerisch machte es die höhere Klasse für den Trainer und das Team nicht einfacher. Frye, der es bevorzugt, wenn seine Mannschaft das Spiel selbst gestaltet, musste umdenken. Im ersten Bezirksliga-Jahr hielt das Team dennoch mit sieben Punkten Vorsprung vor einem Abstiegsplatz die Klasse. Und auch im zweiten Jahr waren die Gahlener auf einem guten Weg.

Da war bereits klar, dass sich die Wege des Vereins und des Trainers trennen würde. Mit seinem alten Freund Andreas Kotter nahm der Trainer ein Angebot des Ligakonkurrenten RW Deuten an. Zusammen wollten die beiden Freunde ein kongeniales Trainerduo bilden – das am Ende so nicht zustande kam.

In Gahlen jedenfalls war der Trainer wieder auf dem Weg Richtung Klassenerhalt. Doch dann gab es einen Knacks. Irgendwas war vorgefallen. Oder vielleicht war es einfach auch nur Pech. Vier Partien in Serie verlor das Team mit 2:3. Frye hatte das Gefühl, das Team nicht mehr zu erreichen – und reichte fünf Spieltage vor Saisonende seinen Rücktritt ein. Er überraschte damit ganz Gahlen. So richtig glücklich waren sie beim TuS mit der Entscheidung nicht.

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Doch Fryes Bauchgefühl bestätigte sich in den kommenden Wochen. Aus den letzten fünf Spielen holten die Interimstrainer Sascha Schröer und Dennis Rarek genügend Punkte – und sicherten den Klassenerhalt. Und Frye? Er bewies wieder einmal ein goldenes Händchen.

Das sollte ihm auch bei RW Deuten nicht abhandenkommen. Dabei hatte der Trainer mit einer kleinen großen Startschwierigkeit zu kämpfen. Aus dem Trainerduo der Freunde Frye und Kotter wurde eine One-Man-Show an der Seitenlinie. Kotter konnte aus privaten Gründen die Stelle nicht antreten. Doch Frye, der die Verantwortung übernahm, ließ sich davon nicht beirren.

Noch heute ist Deutens Sportlicher Leiter Mathias Deckers dem Trainer dafür dankbar. „Frank hat, ohne zu zucken, direkt die Gesamtverantwortung alleine geschultert und uns aus der Patsche geholfen.“ Und allein in der Verantwortung konnte er den Fußball in Deuten trainieren lassen, der ihm vorschwebt.

Seine Mannschaft sollte den Ball haben. Aber nicht bloß langweiliges Ballgeschiebe sollten die Zuschauer, die sich an den Bahndamm verirren, sehen. Es sollte Kombinationsfußball sein. Ein Fußball, der begeistert. In unzähligen Spielformen ließ Frye im Training auf engstem Raum trainieren. Und die Arbeit trug Früchte.

Bereits im ersten Jahr stieg der Verein zusammen mit Frye in die Landesliga auf. Während Deuten nach 30 Spieltagen als Zweiter dem Meister TSG Dülmen gratulieren musste, ging es in die am Bahndamm „ungeliebte Relegation“. Ungeliebt deshalb, da die Rot-Weißen drei Jahre zuvor tragisch Vestia Disteln im Finale der Relegation unterlagen. Nun ja, wie es das Schicksal wollte, musste RW Deuten wieder in die Extrarunde.

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Und dort präsentierten sich die Deutener von ihrer besten Seite. Auf jeden Gegner, und kam er von noch so weit weg, waren die Rot-Weißen bestens vorbereitet. Den TuS Germania Lohauserholz-Daberg bezwang der kleine Dorfverein mit 5:1. Gegen den SV Wilmsberg setzte sich Deuten mit 4:2 durch. Im Halbfinale der Relegation gab es dann gegen den VfR Wellensiek wieder ein 5:1. Ehe im letzten Entscheidungsspiel gegen den TuS Eichlinghofen mit einem 3:1 alles klar gemacht wurde.

Ganz Deuten stand Kopf – und Frye tanzte mittendrin.

Doch so gerne steht der Trainer nicht im Mittelpunkt. Für ihn ist es die Mannschaft. „Das Team ist für ihn das Wichtigste“, sagt nicht nur Deckers, sondern auch Eckold. Und auch Frye selber war dieser Zeitung immer sehr zurückhaltend, wenn es um die Erfolge seiner Teams ging. Die Entwicklung seiner Mannschaft stand für ihn immer im Vordergrund. Und wenn es sein musste, so nahm der Trainer auch mal einen Abstieg in Kauf, wenn es der Entwicklung seiner Spieler zuträglich war.

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Naja, ganz so freiwillig war der Abstieg aus der Landesliga – ein Jahr nach dem Aufstieg mit Deuten – nun auch nicht. Doch viele erfahrene Spieler – auch Aufstiegshelden – verließen den Verein, der nun auf viele Talente setzte. Die Landesliga war für die junge Mannschaft noch eine Nummer zu groß. Das war bei der zweiten Chance in der Landesliga in der nun mittlerweile abgebrochenen Saison mitnichten der Fall.

Zwei Jahre kickte Deuten wieder in der Bezirksliga nach dem Abstieg. Meister wurden die Rot-Weißen unter Frye wieder nicht. Doch weil die DJK Eintracht Cosfeld den Aufstieg aufgrund finanzieller Probleme nicht antreten konnte, waren es Frye und seine Spieler, die als Tabellenzweiter feiern durften. Und dass Frye mit diesem Team in die Landesliga gehörte, bewies er nun.

In einer starken Landesliga behauptete sich Deuten Woche um Woche. Der Lohn war Platz zwei – bis zur Unterbrechung durch das Coronavirus.

Was dann folgte, überraschte allerdings jeden. Weil zwei Teams aus der Westfalenliga zurückzogen, durften fünf weitere Landesligisten mit hoch. Einer dieser Landesligisten: RW Deuten. Frye schaffte mit seiner Mannschaft damit den direkten Durchmarsch in die − Achtung Pause − Westfalenliga! Für RW Deuten ist das ein Erfolg, mit dem sie nie gerechnet hätten.

Junges Team spielte attraktiven Fußball

In seinen fünf Jahren am Deutener Bahndamm baute Frye eine junge Mannschaft auf, ein talentiertes Team, das spielerisch sogar höherklassige Gegner beherrschen kann. Er ließ in den vergangenen fünf Jahren vielleicht den attraktivsten Fußball in Dorsten spielen, war nicht nur erfolgreich in Gahlen, auch in Deuten. Vier Aufstiege und zwei Hallenstadtmeistertitel fallen in seine Zeit im Dorstener Fußball. Damit ist Frye der wohl erfolgreichste Trainer in Dorsten des vergangenen Jahrzehnts.

Conny Eckold ist sich sicher: „Rhede wird ganz viel Spaß an Frank haben.“ Er selbst wird die Zeit am Rande des Ruhrgebiets vermissen. „Unter dem Strich muss ich sagen, war das eine sehr gute Zeit. Na klar, der Abstieg aus der Landesliga war nicht so dolle, aber den haben wir gut aufgefangen“, so Frye. „In beiden Vereinen bleiben mir großartige Anlagen in Erinnerung – und viel wichtiger noch, ein tolles Umfeld. Die Leute in Gahlen und Deuten stecken so viel Herzblut in den Verein, das hat mir immer riesig Spaß gemacht. Ich hatte eine gute Zeit, die ich nicht missen möchte.“

Und auch wenn Fryes Abschied in Deuten aufgrund der Coronavirus-Pandemie ein „scheiß Ende“ war, so ist es wenigstens ein „scheiß Ende − aber mit Happy End!“

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