Rot-Weiß Deuten bleibt der Hecht im Karpfenteich

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Geld schießt Tore? In der Oberliga scheint‘s zu stimmen. In der Landesliga gibt der SV RW Deuten unterdessen weiter den Hecht im Karpfenteich und der SV Hardt kämpft weiter um den Anschluss.

von Andreas Leistner, Niklas Berkel

Dorsten, Schermbeck

, 27.10.2019, 20:11 Uhr / Lesedauer: 4 min

Oberliga Westfalen

RSV Meinerzhagen - SV Schermbeck

2:0 (1:0)

Im Winter hatte der SV Schermbeck großes Interesse an einer Verpflichtung von Stürmer Ron Berlinski. Ausgerechnet im Spiel seines RSV Meinerzhagen gegen den SVS zeigte der am Sonntag, warum.

Elf Minuten waren gespielt, da nutzte Berlinski ein Missverständnis zwischen Benedikt Helling und SVS-Keeper Cedric Drobe aus und traf zum 1:0 für die Gastgeber. In der zweiten Halbzeit stellte der Angreifer, der vom TuS Hordel nicht nach Schermbeck, sondern nach Meinerzhagen ging, seinen Torriecher ein zweites Mal unter Beweis. Diesmal leisteten Drobe und Nikolaj Zugcic mit einem Verständigungsproblem unfreiwillig Beihilfe. Berlinski war der lachende Dritte, der den Ball zum 2:0 ins Tor spitzelte (52.).

Kevin Rudolph musste früh raus

Schermbecks Trainer Thomas Falkowski konnte mit dem Auftritt seiner Mannschaft trotzdem gut leben. Denn die hatte schon im Vorfeld große Personalprobleme gehabt, die sich dann kurz nach Spielbeginn sogar noch einmal verschärften. Kevin Rudolph musste schon nach zwei Minuten mit einem Muskelfaserriss vom Platz.

„Dass wir unter diesen Umständen die Partie überhaupt noch so ausgeglichen gestaltet haben, war schon aller Ehren wert“, meinte Thomas Falkowski. Nach dem Führungstreffer der Gastgeber habe sein Team zwar eine knappe Viertelstunde gebraucht, um sich zu finden. Doch dann kam auch der SVS zu Chancen. Henning-Paul Jacoby, gerade erst aus der zweiten Mannschaft in den Oberliga-Kader aufgerückt, war dabei einer der Aktivposten im Schermbecker Kader. Doch mit einem eigenen Kopfball hatte er in der ersten Halbzeit Pech, und seine Vorlagen konnte Dominik Milaszewski nach der Pause nicht verwerten.

SVS: Drobe; Helling (46. Niewerth), Klimczok, Zugcic, K. Rudolph (2. Ankomah-Kissi), Milaszewski, Jacoby, Hodzic (82. Gerner), Poch, Steinrötter, P. Rudolph (85. Grumann).

Tore: 1:0, 2:0 Berlinski (11., 52.).

Landesliga 4

RW Deuten - SV Mesum

1:0 (0:0)

Friede, Freude, Eierkuchen? Mitnichten. Trotz des dritten Siegs in Serie gegen ein Top-Drei-Team ist die Stimmung nicht bei allen Spielern des Fußball-Landesligisten RW Deuten gut.

Als RW Deutens Trainer Frank Frye die ersten Male gewechselt hatte, stampfte Ersatzspieler Kujtim Arifaj wütend in die Kabine. Er schimpfte vor sich hin und ging duschen. Deuten hatte noch kein viertes Mal gewechselt, ein Einsatz Arifajs war also immer noch im Bereich des Möglichen. Was war das los? „Er war wohl sauer“, sagte Trainer Frye nach dem Abpfiff. „Aber ganz ehrlich: Es interessiert mich nicht.“

Wieder einen der „Großen Drei“ geschlagen

Was den Trainer dagegen sehr wohl interessierte – und auch freute – war der dritte Sieg in Serie gegen ein Top-Drei-Team. „Auch wenn wir heute glücklich gewonnen haben, haben wir die erste Schallmauer durchbrochen.“ Der Aufsteiger sammelte die Punkte 19, 20 und 21. Deutens Ziel war es, bis zur Winterpause bei Möglichkeit 20 Punkte zu sammeln. Das Ziel haben die Rot-Weißen bereits drei Spieltage zuvor erreicht.

Auch wenn der Sieg gegen den SV Mesum mehr als glücklich war. Spielerisch hatten die Gastgeber diesmal weniger Glanzpunkte. Dafür überzeugten sie mit Einsatzwille und einer geordneten Arbeit gegen den Ball. Mesum spielte wie die vergangenen Gegner im 3-4-3-System. „Das scheint Mode zu sein“, sagte Frye. Und Deuten hatte zum wiederholten Male eine gute Antwort auf das System.

In der ersten Halbzeit bewahrte aber gerade Deutens Keeper Marvin Radüchel die Rot-Weißen vor einem Rückstand. Ein Schuss, oder besser gesagt ein Heber, wäre erst im Winkel des Deutener Tores runter gekommen. Doch Radüchel parierte glänzend.

Erste echte Chance gleich genutzt

Nach der Pause reichte den Deutener ihre erste richtige Chance, um in Führung zu gehen. Über Jonas Goeke und Thomas Swiatkowski gelang der Ball zu Arthur Fell, der im Eins-gegen-Eins gegen Mesums Torwart Philipp Parlow cool blieb (51.). Im Gegensatz zum eingewechselten Nils Falkenstein. Der hätte in einer ähnlichen Situation den Sack zu machen können kurz vor Schluss. Statt selber zu schießen, wollte er aber auf Lukas Nolte querlegen, der den ungenauen Ball verfehlte. So zitterten die Deutener die letzten Minuten, denn der SV Mesum warf alles nach vorne und viel Entlastung kam von Deuten nicht mehr. Doch am Ende reichte es zum nächsten Sieg.

RWD: Radüchel; E. Fell, Hubert, T. Goeke, Werner, Swiatkowski (65. Falkenstein), A. Fell (73. Samy Mertens), Fabisiak (73. Nolte), Noetzel (85. Lachs), Frasheri, J. Goeke

Tore: 1:0 Arthur Fell (51.).

Landesliga 4

SV Hardt - SC Altenrheine

1:3 (1:2)

Dem SV Dorsten-Hardt steht wohl in dieser Saison ein Abstiegskampf bis zum letzten Saisonspiel bevor. Die Partie gegen Aufsteiger SC Altenrheine lässt zumindest kaum etwas anderes erhoffen.

Druckvolles Pressing, gutes Stellungsspiel und Raumaufteilung sowie Ballstafetten mit klarem Ziel und Adressaten – alles, was sich die Hardter Fans am Sonntag von ihrer Mannschaft gewünscht hätten, sahen sie über weite Strecken nur bei den Gästen.

Altenrheine entwickelte von Anfang an Druck auf jeden ballführenden Hardter. Die Folge waren ungenaue Pässe, die wiederum zu Fehlern bei der Ballannahme und so zu Ballgewinnen der Gäste führten. Planvolles Kombinationsspiel war auf Seiten der Gastgeber die Ausnahme, nicht die Regel.

0:1 fiel nach einer Ecke

Altenrheine bestimmte das Spiel und erarbeitete sich eine Anzahl an Eckbällen. Einer davon führte auch zum 0:1. Ein zu kurz abgewehrter Ball landete bei Kevin Vollrath, dessen 20-m-Schuss ins rechte untere Eck Hardts Keeper Stefan Schröder angesichts der vielen vor ihm postierten Spieler wohl zu spät sah. Er bekam die Hände zwar noch an den Ball, konnte ihn aber nicht mehr um den Pfosten herum bugsieren (21.).

Die einzige sehenswerte Hardter Ballstafette führte zwölf Minuten später zum Ausgleich. Mit einem weiten Abwurf leitete Stefan Schröder den Angriff über die rechte Seite ein, Alex Brefort leitete weiter auf Benedikt Jansen, und dessen Flanke fand in der Mitte Jannis Scheuch. Dessen Schuss konnte Altenrheines Keeper Andre Wiesch nur abklatschen, das Leder landete wieder vor Scheuchs Füßen, und der schob zum 1:1 ein (33.).

Pleiten, Pech und Pannen

Damit hatten die Gastgeber ihr Pulver und ihr Glück allerdings aufgebraucht. Ein umstrittener Foulelfmeter führte noch vor der Pause zum erneuten Rückstand (38.), und das 1:3 spiegelte schließlich den gesamten, unglücklich bisherigen Saisonverlauf wider. Dustin Wolters, der schon das 1:2 erzielt hatte, wollte den Ball aus spitzem Winkel volley ins Hardter Tor jagen. Das misslang gründlich, der Ball rutschte Wolters über den Fuß, doch er gab ihm dabei so viel Drall, dass er quasi im Zeitlupentempo an Freund und Feind vorbei doch noch ins lange Eck trudelte (76.).

„So ist das im Moment einfach: Wir hauen uns die Dinger selber rein“, ärgerte sich Cotrainer Tunahan Terzi. Und so bleiben die Hardter Tabellenletzter und haben weiter das schlechteste Torverhältnis der Liga.

Hardt: Schröder; Lensing, Wellers, Buda (84. Braun), Haarmann, Scheuch, Attris, Brefort, Beisenbusch, Jansen, Bromkamp.

Tore: 0:1 Vollrath (21.); 1:1 Scheuch (33.); 1:2 Wolters (38., Foulelfmeter); 1:3 Wolters (76.).

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