Warum Talina Lorei mit Pickelhaube und Säbel um einen DM-Titel kämpfte

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Säbelprüfung und Lanzenrennen, Exerzieren und Karabinerschießen - bei den Deutschen Kavallerie-Meisterschaften musste die Schermbeckerin Talina Lorei Ungewöhnliches leisten.

Schermbeck

, 22.10.2019, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tentpegging, jener Sport aus dem Commonwealth, bei dem Reiter mit Lanzen und Säbeln Holzpflöcke aufspießen, mag für den gewöhnlichen deutschen Reiter exotisch anmuten. Für die Schermbeckerin Talina Lorei ist es Alltagsgeschäft. Gold mit der Mannschaft und Silber im Einzel bewiesen Mitte September bei den Deutschen Meisterschaften im thüringischen Crawinkel, dass die 25-Jährige beim Tentpegging schon zu den alten Hasen gehört. Trotzdem betrat sie in Crawinkel auch Neuland.

Warum Talina Lorei mit Pickelhaube und Säbel um einen DM-Titel kämpfte

Mit dem Säbel mussten die Reiter bei den Deutschen Kavallerie-Meisterschaften Holzpflöcke am Boden aufspießen. © Horst Lehr

Denn parallel zur Tentpegging-DM fanden dort auch die 5. Internationalen Deutschen Kavallerie-Meisterschaften statt. Und deren Prüfungen führten die Teilnehmer ins 19. Jahrhundert und weiter zurück: Dressur, Springen, Säbelprüfung, Karabinerschiesen, Geländeritt, Lanzenrennen und Exerzieren deckten die gesamte Bandbreite des militärischen Reitens jener Zeiten ab. Herausforderungen, denen sich Talina Lorei „unbedingt einmal stellen“ wollte.

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Gleich die erste wurde für sie zu einem echten Highlight. Die 10 Kilometer lange Strecke führte die 70 Teilnehmer in wilder Jagd über offenes Hügelgelände mit Sprüngen, Wassergräben und Kletterpassagen und Lorei war ganz in ihrem Element.

Endgültig verdiente sie sich den Respekt der übrigen Reiter aber beim „Preisreiten auf Kandare“. Die eingeschworene Truppe zumeist älterer Herrschaften hatte den Sieg in dieser Disziplin im Vorfeld eigentlich schon unter sich ausgemacht. Umso überraschter waren sie, als die Schermbeckerin die Prüfung mit deutlichem Vorsprung für sich entschied. „Nach diesem Auftritt kannte uns auf der Anlage jeder, und uns wurde gleich eine Uniform ausgeliehen“, erzählt die 25-Jährige.

„Wenn ich damit vom Pferd falle, bleib‘ ich senkrecht im Boden stecken.“
Talina Lorei

Fortan ritt sie im schmucken weiß-blauen Kavalleriedress und mit Pickelhaube. „Die war ganz schön schwer“, sagt Talina Lorei, und irgendwie ging ihr der Gedanke nicht aus dem Kopf: „Wenn ich damit vom Pferd falle, bleib‘ ich senkrecht im Boden stecken.“

Noch nie mit einem Karabiner geschossen

Tat sie natürlich nicht. Auch im Springen zeigten Lorei und ihr „Akuna“ eine Klasseleistung und flogen nur so über die Hindernisse. Zwischenzeitlich lag die Schermbeckerin auf Platz eins, doch dann folgten die Prüfungen mit Gewehr und Säbel. Lorei hatte in ihrem Leben noch nie mit einem Karabiner geschossen, und der Säbel, den sie benutzte, war deutlich breiter und stumpfer als die Waffen ihrer Kollegen. Den dünnen Weidenruten, die die Reiter damit spalten sollten, war damit nichts anzuhaben.

So verlor die Schermbeckerin viele Punkte und rutschte im Gesamtklassement ab. Doch das war ihr nicht so wichtig, denn das Lanzenrennen machte alles wieder wett. Ihre Augen strahlen, wenn sie erzählt: „Mit meinem Obelix war ich in einer Abteilung unterwegs, in der alle gemeinsam agieren mussten, um die Ziele zu bekämpfen. Dabei wurde volles Rohr geritten, und es war alles so authentisch, dass man sich fast in historische Schlachten zurückversetzt fühlte.“ Doch selbst das sollte noch einmal getoppt werden.

Warum Talina Lorei mit Pickelhaube und Säbel um einen DM-Titel kämpfte

Mit ihren Pferden Obelix und Akuna (v.l.) war Talina Lorei sowohl bei der Tentpegging-DM als auch bei den Deutschen Kavallerie-Meisterschaften erfolgreich. © Horst Lehr

Das abschließende Staple-Chase war den englischen Hindernisrennen nachempfunden und führte die Reiter im dichten Pulk zu den Sprüngen. „Schulter an Schulter zu springen, ist nicht ganz ungefährlich“, sagt Talina Lorei. Doch natürlich gab sie mit „Akuna“ alles und jagte im gestreckten Jagdgalopp von Hindernis zu Hindernis.

Training mit dem Chefausbilder

Am Ende war die Schermbeckerin in allen Kavallerie-Disziplinen im Einzel platziert, erreichte im Springen Platz zwei und in der Dressur sogar Platz eins. Doch diese Ergebnisse waren für sie Nebensache. „Die Erfolge freuen mich, aber dabei zu sein, war die eigentliche Challenge.“ Nächstes Jahr will sie bei der 6. Deutschen Kavallerie-Meisterschaft wieder am Start sein. Und dann dürfte sie noch erfolgreicher sein. Denn der Deutsche Kavallerieverband hat der Schermbeckerin nicht nur zu ihren Leistungen gratuliert, er hat ihr auch einige Trainingseinheiten bei seinem Chefausbilder, dem Lüner Wolfgang Klepzig, vermittelt.

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