Schermbeck und Deuten atmen auf

Fußball

Aufatmen bei den Fußballern des SV Schermbeck und des SV Rot-Weiß Deuten. Zum Auftakt der Rückrunde feierte der SVS einen 3:1-Sieg über Viktoria Heiden, während die Rot-Weißen aus Deuten den VfL Senden mit 2:1 bezwangen. Einen Rückschlag erlitten dagegen die Landesliga-Damen des SSV Rhade.

DORSTEN / SCHERMBECK

von Von Klaus Rosenkranz, Ralf Weihrauch, Armin Dille

, 04.12.2016, 20:20 Uhr / Lesedauer: 4 min

Westfalenliga 1 SVS - Viktoria Heiden 3:1 (0:1)

Das Orakel des frühen Samstagabends hieß Dino Venezia. Der frühere SVS-Spieler wiederholte quasi gebetsmühlenartig immer wieder den gleichen Spruch. „Wer so viele Chancen liegen lässt, kann ein Spiel nicht gewinnen.“ Nach Venezias Logik hätte Schermbeck also noch viel, viel höher gewinnen müssen, denn Heiden verbaselte verdammt viele Möglichkeiten.

Dass es zum Seitenwechsel überhaupt nur 0:1 stand, lag an mehreren Aspekten. Beispielsweise am Schermbecker Torgebälk, an Heidens Angreifer Bernd Oenning, bei dem das Spannendste das Trikot über dem Bauch war, vor allem aber an SVS-Keeper Tim Krückemeier, der bei diesem milchig-vernebelten Flutlicht-Kick den absoluten Durchblick hatte und einen Sahnetag erwischte. Zig großartige Paraden und einen gehaltenen Handelfmeter hatte er nach dem Spiel auf seiner Habenseite. Nach 32 Minuten war aber auch er mit seinem Latein am Ende. Benedikt Hussmann brachte das Kellerkind zunächst mal an die Sonne.

Schlebach als Greenkeeper

In der Halbzeitpause war SVS-Coach Christoph Schlebach als Erster wieder auf der Wiese und betätigte sich als Greenkeeper. Er schloss genau da die Grasnarbe, wo der Schermbecker Schwachpunkt lag, nämlich zwischen Mittelfeld und Sturm. Und wenn dann mal ein Ball in den Strafraum flog, stand da die baumlange Viktoria-Abwehr, was Fred Szczepaniak, in grauen Vorzeiten Trainer beider Teams, zu der Aussage verleitete: „In Heiden kaufen sie die Abwehrspieler nach Größe ein.“

Schlebach kam zwar schnell aus der Kabine, aber da muss er auch in der Kürze den richtigen Ton getroffen haben, denn der erste Angriff brachte den Ausgleich durch Raphael Niehoff. Nach 45 Heiden-Minuten war das Spiel nun offener, auch wenn die Viktoria immer noch die klareren Chancen hatte – sie aber nicht nutzte. Anders als Marc Schröter, der lange in der Luft hing, aber nach 74 Minuten präzise zur Stelle war. Vier Minuten dann der große Krückemeier-Auftritt beim gehaltenen Handelfmeter, der ein erneutes Kippen des Spiels verhinderte. Wie man Handelfmeter richtig schießt, demonstrierte Tuncay Turgut in der Nachspielzeit, als er zum 3:1 traf. Egal - auch glückliche Punkte zählen auf dem Weg ins Mittelfeld. Und Schlebach verkündete seinem Team unter lautem Befall: „Jungs, bei der Weihnachtsfeier heute Abend dürft ihr eine Cola trinken.“ Frohe Weihnachten.

SVS: Krückemeier; Bönighausen, Niedzicki, Kissi, Akyildiz (63. Mule-Ewald), Niehoff (82. Helling), Turgut, Scheuch, Klimczok, Vreven, Schröter (90. Ihnen).

Tore: 0:1 Hussmann (32.); 1:1 Niehoff (46.); 2:1 Schröter (74.); 3:1 Turgut (90.+1, Handelfmeter).

Landesliga 4 SpVg. Emsdetten - SV Hardt 1:1 (0:0)

Die Zuschauer sahen eine Begegnung, die über 90 Minuten auf einem schwachen fußballerischen Niveau stand. Die Hardter hatten nie den richtigen Zugriff zum Spiel. Auf der anderen Seite wandte Emsdetten die Tugenden an, die man von einem Tabellenletzten erwartet. Die Gastgeber zeigten viel Engagement und ein sehr bissiges Zweikampfverhalten. So beinhaltete die Partie ein gewisses Aggressionspotenzial, das auch noch von den Zuschauern angeheizt wurde.

Emsdetten hatte in der ersten Halbzeit gute Möglichkeiten. Eine parierte Stefan Schröder (31.) und bei einer weiteren schoss ein Emsdettener frei stehend über das Tor (45.). Die Hardter fanden offensiv nur sporadisch statt. Die wenigen Schussversuchen hatten aber mit dem Tor recht wenig zu tun.

Die Gäste investierten in der zweiten Halbzeit deutlich mehr und wurden schnell belohnt. Benedikt Jansen brachte den Ball nach vorne, zwei Emsdettener Innenverteidiger behinderten sich gegenseitig. Pascal Pfeifer nutzte das, umkurvte den Torhüter und schoss zum 1:0 ein. Die Freude darüber währte aber nur acht Minuten, denn dann traf Montasar Hammami für Stefan Schröder unhaltbar ins lange Eck.

In den Schlussminuten hätten beide Mannschaften das Spiel auch noch gewinnen können. Pascal Pfeifer hatte in der 75. Minute das 2:1 auf dem Fuß, vergab aber aus bester Position. Kurz vor dem Ende jagte ein Emsdettener Angreifer den Ball aus acht Metern weit über das Tor.

Hardt: Schröder Hennebach, Wellers, Siegle, Haarmann (46. Liesenklas), Brefort (76. Pelaj), Mertens (46. Einhaus), Adolf, Jansen, Pfeifer, Mitrentsis.

Tore:  0:1 Pfeifer (50.), 1:1 Hammami (57.).

RW Deuten - VfL Senden 2:1 (1:1)

RW-Trainer Frank Frye nach dem fünften Deutener Saisonerfolg: „Wir haben Fußball gearbeitet und mussten den Kampf annehmen. Meine jungen Spieler haben das Vertrauen in sie gerechtfertigt.“

Eine fußballerische Offenbarung war auf dem halb gefrorenen und halb matschigen Deutener Ascheplatz nicht zu erwarten. Was aber wohl den Deutenern in die Karten spielte, die sich vom Start weg in die Zweikämpfe warfen. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld setzte der lauffreudige Dean Peters Mitspieler Tobias Urban in Szene – und der überlupfte den gegnerischen Torsteher zur Deutener 1:0-Führung (20.).

Und die Platzherren erspielten sich weitere Chancen. Peters rutschte nach Vorarbeit von Luca Tomicki aber weg (21.), Lukas Nolte verpasse eine Hereingabe knapp (25.) und Peters spielte quer, statt aus spitzem Winkel selbst den Abschluss zu suchen (35.). Und nachdem Peters eine Flanke um Zentimeter verpasst hatte, liefen die Deutener in einen Konter der Gäste über links. Maßgenau bedient erzielte Sendens Rabah Abed den Treffer zum 1:1-Halbzeitstand – Deutens Keeper Niclas Schmidt war chancenlos (45.). Simon Wilkes und erneut Peters prüften den gegnerischen Torwart nach dem Wiederanpfiff, ohne ihre Möglichkeiten verwerten zu können. Mit zwei Glanzparaden rettete dann Schmidt seine Elf vor einem Rückstand (60.).

Deuten kam nun unter Druck, hielt aber stand und befreite sich langsam wieder. Urban verfehlte das gegnerische Gehäuse nur knapp (72.). Aber nur drei Minuten später war der eingewechselte Steffen Rekers zur Stelle. Nach Vorarbeit von Dennis Uhlenbrock auf rechts beförderte Nolte eine Maßflanke in den Sendener Strafraum – und „Joker“ Rekers markierte per Kopfball-Aufsetzer aus kurzer Distanz die Deutener 2:1-Führung (75.). Senden blies nun zur Schlussoffensive, doch die RW-Abwehr machte ihre Arbeit gut und effektiv. Nolte hätte für die vorzeitige Entscheidung sorgen können, sein Schuss wurde aber aus kurzer Distanz geblockt (85.). Und nach dem erlösenden Schlusspfiff feierte Deuten einen hochverdienten Sieg.

RWD: Schmidt; Goeke, Werner (65. Uhlenbrock), Tomicki, Botthof, Pohlmann, Lachs, Urban (88. Höing), Peters, Nolte, Wilkes (72. Rekers).

Tore: 1:0 (20.) Urban, 1:1 (45.) Abed, 2:1 (75.) Rekers.

Frauen-Landesliga 3 SSV Rhade - Fortuna Gronau 1:2 (0:2)

Rhade kam nur schleppend in die Partie. Die Warnung von Trainer Dirk Bessler, die Einstellung müsse stimmen, sonst würde es nicht klappen, blieb wohl ungehört. Ohne kämpferischen Einsatz ließen sich die Gastgeberinnen den Schneid abkaufen. Vor dem 0:1 schlief die gesamte Hintermannschaft des SSV. Ein Freistoß segelte einfach so über Torhüterin Lara Wigger hinweg, ohne, dass jemand eingriff (19.). Ein wenig Hoffnung keimte kurz darauf auf. Luisa Strauch trat zum Elfmeter an, vergab diesen jedoch kläglich. Das 0:2 fiel nach einem individuellen Fehler in der Abwehr nur wenig später (28.).

Dementsprechend unzufrieden fiel Besslers Halbzeitansprache aus. Sie schien ein Weckruf für Rhade zu sein. Zwar gewann Besslers Mannschaft nur wenige Zweikämpfe, doch ließ sie nun den Ball besser laufen und kam so zu vielen Torchancen. „Wir haben 80 Prozent Ballbesitz, viele hundertprozentige Chancen, machen aber nur ein Tor in der zweiten Hälfte“, monierte Bessler. Es fehlte Rhade wohl einfach der letzte Wille, um die Partie doch noch zu drehen. Der Anschlusstreffer fiel durch Annika Peek (57.) nach einer der vielen Rhader Ecken − zu wenig für den SSV.

SSV: Wigger; Schonebeck, Lechtenberg, Ricken, Heisterklaus, Emming (85. Meister), Schulte-Bocholt, Strauch, Peek, Terstegen, Pagels.

Tore:  0:1 Jansen (19.), 0:2 Bajorath (28.), 1:2 Peek (57.).

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