Eintracht Erle steht vor entscheidenden Wochen. Der Kader für die kommende Saison ist zu klein. Momentan fehle der Zusammenhalt im Verein. Trainer und Abteilungsleiter denken an Rückzug.

von Niklas Berkel

Erle

, 11.03.2020, 07:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Ob in Erle in zwei oder drei Jahren noch Senioren-Fußball gespielt wird, weiß ich nicht.“ Dirk Meierwisch, Eintracht Erles Abteilungsleiter-Fußball, wählt drastische Worte. Er und Trainer Jürgen Bülte stehen auf der Kippe. Der Kader für die kommende Saison ist derzeit nicht groß genug, um in den Liga-Wettbewerb zu gehen. Auch die Teilnahme an der Stadtmeisterschaft in Dorsten ist in Gefahr.

Erles Kapitän Philipp Krauß (l.) wechselt nach der Saison nach RW Deuten II.

Erles Kapitän Philipp Krauß (l.) wechselt nach der Saison nach RW Deuten II. © Joachim Lücke

Gründe für die Miserie gibt es viele – und einige davon liegen auch schon länger zurück. Erste Probleme bei der Eintracht kamen im vergangenen Jahr auf. Da sagten zwar mehrere Spieler für die laufende Saison zu, entschieden sich aber kurzfristig dazu, eine dritte Mannschaft zu gründen. „Das war schon alles hinterücks“, so Meierwisch.

Erste Probleme zwischen Trainer und einigen Spielern

Unter den Spielern waren viele Spieler, die lange Jahre das Gesicht der ersten Mannschaft der Eintracht geprägt haben. „Mit denen sind wir souverän in die Kreisliga A aufgestiegen vor drei, vier Jahren“, sagt Eintracht-Trainer Jürgen Bülten. Doch erste Probleme zwischen Spielern und Trainer wurden da bereits sichtbar. Wenig später verließ Bülten den Verein, nachdem der Klub aus der Kreisliga A knapp, aber direkt wieder abstieg.

Dirk Meierwisch, Abteilungsleiter der Eintracht, versucht, den Bock in vielen Einzelgesprächen doch noch umzustoßen.

Dirk Meierwisch, Abteilungsleiter der Eintracht, versucht, den Bock in vielen Einzelgesprächen doch noch umzustoßen. © Andreas Leistner

„Ich war der erste Trainer von außerhalb seit einigen Jahren. Dass ich da nicht bis vier Uhr nachts alles mitmache, ist doch normal. Ich habe halt ein bisschen was anders gemacht, als die Spieler es gewohnt waren“, erklärt er. Als Bülten wiederkam, dachte er, dass die Differenzen mit einigen Spielern aber ausgeräumt seien. „Und schließlich war ich mit dem Aufstieg ja auch nicht unerfolgreich“, so Bülten.

„Mir fehlt der Zusammenhalt im Verein. Wenn das so weitergeht, mache ich im Sommer Schluss.“
Dirk Meierwisch, Abteilungsleiter-Fußball

Trotzdem brachen vor dem zweiten Engagement des Trainers in Erle sechs, sieben wichtige Eckpfeiler trotz vorheriger Zusage weg und gründeten die Dritte. „Die Dritte macht in dieser Saison so ein bisschen ihr eigenes Ding“, kritisieren sowohl Bülten, als auch Meierwisch. Abteilungsleiter Meierwisch ergänzt: „Mir fehlt der Zusammenhalt im Verein. Wenn das so weitergeht, mache ich im Sommer Schluss. Dann reicht es mir. Ich stecke zu viel Herzblut in die Sache, um mich damit rumzuärgern.“

Eintracht Erle III führt derzeit die Tabelle der Kreisliga C punktgleich mit Westfalia Gemen IV an. Allerdings haben die Erler, die 13 ihrer 14 Spiele gewonnen haben, noch ein Spiel weniger absolviert.

Trotz der Gründung der dritten Mannschaft bekam Bülten aber eine schlagkräftige Truppe zusammen. Mit Spielern, die aus der Jugend kamen, und welchen, die vorher in der Reserve gespielt haben, hat er bis zur Winterpause eine gute Rolle in der Kreisliga B gespielt. Die Mannschaft stand auf Platz drei, ist immer noch vierter. Doch nun kommen andere Probleme zum Tragen.

Denn gelitten hat in dieser Saison vor allem die Reserve. „Die sind mit nur 14 Spielern in die Saison gegangen“, erklärt Bülten. „Die Dritte meinte, sie hätte 28 Leute und könnte immer aushelfen. Doch das hat sich nicht bestätigt.“ Nachdem die Reserve zum dritten Mal in dieser Saison nicht antreten konnte, ist sie nun vom Spielbetrieb ausgeschlossen.

Einige gehen studieren, andere wechseln den Verein

Dazu ziehen viele der jungen Spieler aus der ersten Mannschaft weg, gehen studieren. „Das sind die ersten, die für die kommende Saison fehlen“, so Bülten. Dazu kommen zwei Abgängen: Kapitän Philipp Krauß wechselt nach RW Deuten II zu seinem Ex-Trainer Robert Glombik, Stürmer Bünyamin Orhan geht in die Kreisliga A zum BVH Dorsten.

Viele Langzeitverletzte spielen außerdem seit Monaten kein Fußball. Weil außerdem in den kommenden zwei, drei Jahren keine A-Jugendlichen den Kader auffüllen können, weil Erle keine A-Jugend hat, wird es knapp.

Bislang haben Bülten und Meierwisch mit Wohlwollen 14 Spieler für die kommende Saison auf dem Zettel. Neuzugänge sind nicht in Sicht. „Wir führen jetzt viele Einzelgespräche“, so Meierwisch. Der Abteilungsleiter versucht, den Bock noch einmal umzustoßen. „Doch ich habe ein sehr schlechtes Bauchgefühl in der Sache. Und das hat mich noch nie gettäuscht.“

Auch die Teilnahme an der Stadtmeisterschaft im kommenden Sommer steht auf der Kippe. „Das werde ich bei der nächstne Sitzung der Fachschaft Fußball einbringen“, so Meierwisch. „Es kann sein, dass wir da nicht genügend Spieler für haben.“

Erle steht vor einem großen Scherbenhaufen

Die Hofnung beruht vor allem auf der dritten Mannschaft. Sie wird in der kommenden Saison den Unterbau bilden müssen – „und damit die erste Mannschaft unterstützen müssen“, sagt Meierwisch. „Alle müssen in Erle wieder an einem Strang ziehen.“

Wenn das in Erle nicht gegeben ist, ziehen sich Bülten und Meierwisch zurück. Das sagen beide. „Ich muss mir das mit meinen 61 Jahren nicht mehr antun“, so Bülten. Dann würde die Eintracht vor einem noch viel größeren Scherbenhaufen stehen.

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