Drastische Strafe für den SC Blau-Weiß Wulfen

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Mit drastischen Strafen endete am Mittwochabend die Spruchkammersitzung zum Abbruch des A-Liga-Spiels zwischen BW Wulfen und Fenerbahce Istanbul Marl.

Wulfen

, 01.10.2020, 12:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit diesem Strafmaß hatten offenbar beide Seiten nicht gerechnet. Gegen das Urteil zu den Vorfällen rund um den Abbruch des A-Liga-Meisterschaftsspiels zwischen dem 1. SC Blau-Weiß Wulfen und Fenerbahce Istanbul Marl behielten sich am Ende auf jeden Fall beide Vereine das Recht auf eine mögliche Berufung vor.

Dass es am 6. September am Wulfener Wittenbrink möglicherweise ohne Spielabbruch abgegangen wäre, hätte nicht der Bruder eines Wulfener Spielers den Platz gestürmt und dort Handgreiflichkeiten begonnen, darin waren sich eigentlich alle einig. Die Spruchkammer um ihren Vorsitzenden Thomas Michalczak (VfB Hüls) sah es aber als erwiesen an, dass jener Zuschauer zwar Auslöser, in der Folge aber nicht der einzige Übeltäter war.

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Stützen konnte sich die Kammer dabei auf Videoaufnahmen des Geschehens, die auch bei der Verhandlung am Mittwoch in Recklinghausen gezeigt wurden. „Ohne die wäre es schwierig geworden“, sagte Kammermitglied Kai Moczyk, „da hätte hier Aussage gegen Aussage gestanden.“

So aber stand für das Sportgericht, nachdem es immerhin auch noch neun Zeugen gehört hatte, fest, dass es Tätlichkeiten gegeben hatte, die es zu ahnden galt.

Allen voran die des Wulfener Spielers Harun A.. Er hatte in dem Getümmel Marls Trainer Ilker Ciloglu geschlagen. Ob mit der Faust oder der flachen Hand, daran konnte A. sich nicht erinnern. Ein Marler Zeuge beteuerte aber, es sei die Faust gewesen: „Definitiv!“ Und auch Ciloglus geschwollenes Auge und sein zweiwöchiger Krankenschein brachten das Gericht zu dieser Annahme. A. wurde deshalb mit einer neunmonatigen Sperre ab dem 30. September belegt, die letzten drei davon werden zur Bewährung ausgesetzt. Er darf also frühestens am 1. April 2021 wieder spielen.

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Sperren sprach das Kreissportgericht zudem gegen die Marler Spieler Emre Ö. (4 Meisterschaftsspiele) und Oghuzan I. (2 Monate ab dem 30. September) aus. Ein dreimonatiges Platzverbot fürs Kreisgebiet erhielt Sinan D., der als Zuschauer auf den Platz gestürmt war. „Zuschauer“, so Thomas Michalczak in seiner Urteilsbegründung zu ihm, „heißen Zuschauer, weil sie zuschauen.“

Finanziell kam der Spielabbruch die Marler sogar teurer zu stehen als die Wulfener. Die sollen 50 Euro für fehlende Ordnerbinden oder -westen sowie je 100 Euro für die Tätlichkeiten von Zuschauern ihres Lagers und für den verschuldeten Spielabbruch zahlen. Fenerbahce ist mit 250 Euro für Tätlichkeiten seiner Fans und 100 Euro für den Spielabbruch dabei.

Schmerzhaft ist für beide Vereine auch die Wertung des Spiels. Wulfen hatte auf Neuansetzung plädiert, Fenerbahce wollte die drei Punkte haben – das Gericht entschied auf 0 Punkte und 0:2 Tore für beide.

“Müssen hier hart durchgreifen“

„Wir mussten hier hart durchgreifen“, erklärte Thomas Michalczak in seiner Urteilbegründung: „Für Tätlichkeiten liegt das Mindeststrafmaß bei sechs Spielen Sperre, und das konnte hier nicht der Maßstab sein. Wir wollten und konnten nicht am unteren Rand bleiben.“ Für den Wiederholungsfall drohte das Gericht sogar beiden Clubs mit zeitweiligem oder dauerhaftem Ausschluss vom Spielbetrieb.

Den Marler Beklagten, die in ihren Zeugenaussagen von „Notwehr für ihren Verein“ und davon gesprochen hatten, dass sie ihre Kontrahenten in dem Getümmel „außer Gefecht setzen“, wollten, gab Michalczak mit auf den Weg: „Ein Faustschlag ist keine Notwehr. Es gab andere Mittel zur Deeskalation wie Festhalten, was viele Beteiligte auch getan haben. Sie haben geschlagen und getreten.“

Michalczak schloss mit einem Versprechen und einem Appell: „Wir werden auch künftig hart durchgreifen. Werden Sie bitte nicht zu Totengräbern des Amateurfußballs.“

Der SC Blau-Weiß Wulfen nahm zu der Verhandlung und dem Urteil auf seiner Facebookseite Stellung.

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