Tierschützer fordern nach Balougrafs Tod Ende des Pferdesports

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Der Aortenabriss von Martin Sterzenbachs Balougraf ESC hat in Reiterkreisen für Bestürzung gesorgt. Tierschützer sorgen aber auch für Diskussionen.

Dorsten

, 21.08.2019, 16:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) hat den Unfall des Dorstener Reiters und den Tod seines Pferdes beim Turnier in Bergisch Gladbach zum Anlass genommen, ein generelles Ende des „so genannten Pferdesports“ zu fordern. Aortenabrisse seien eine der häufigsten Todesursachen bei Hochleistungsturnieren. Daher könne nicht mehr von Unfällen gesprochen werden, erklärt PETA-Fachreferentin Jana Hoger in der Presseerklärung der Organisation.

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Die Tierschützer verweisen auf den Tod des Wallachs Liberal 2014 bei einem Vielseitigkeitsturnier in Luhmühlen sowie zwei Aortenabrisse im Jahr 2013 bei Turnieren in Wiesbaden und Rastede. Springreiten entspreche nicht dem natürlichen Bewegungsablauf von Pferden. Diese werden, so PETA, „im Springsport systembedingt überlastet“.

Eine Ansicht, die Reiter und auch Tiermediziner nicht teilen. „Hanebüchen“, nennt etwa Dr. David Lichtenberg von der Tierklinik Hochmoor die PETA-Forderungen. „Ein Aortenabriss ist ein schicksalhaftes Geschehen, das in keinem Zusammenhang zu einer etwaigen Belastung der Pferde bei Turnieren steht“, erklärte Lichtenberg, der als Facharzt für Pferde in Hochmoor tätig und seit 2017 einer von zwei Geschäftsführern der Pferdeklinik ist.

“Das passiert auch ohne Reiter“

Aortenabrisse seien bei Pferden „sogar ein relativ häufiges Geschehnis. Aber das ist völlig unabhängig davon, ob da einer drauf sitzt oder nicht. Das passiert auch ohne Reiter“. Die Aorta, so der Fachmann, sei „hochelastisch. Sie hat einen Durchmesser von 2,5 bis 4 Zentimetern. Wenn die Elastizität verloren geht, kann es bei mittelalten bis alten Pferden, also etwa ab sieben Jahren, zum Abriss kommen. Seltener auch bei jüngeren Pferden“.

Tierschützer fordern nach Balougrafs Tod Ende des Pferdesports

Dr. David Lichtenberg ist Geschäftsführer der Pferdeklinik in der Tierklinik Hochmoor. Er nennt die PETA-Forderung hanebüchen. © Leistner, Andreas

Eine gezielte Untersuchung auf eine Schädigung der Aorta sei nicht ohne weiteres möglich: „Dazu sind Pferde einfach zu voluminös. Ein Pferd ist halt kein Mensch. Nicht alle Teile der Aorta sind da für bildgebende Verfahren zugänglich.“ Die Pferde wirken also topfit, und den Reitern könne keinerlei Vorwurf gemacht werden: „So ein Vorfall ist ja auch höchst gefährlich, und kein Reiter der Welt riskiert freiwillig sein Leben.“

Unverständnis bei heimischen Reitern

Mit Unverständnis reagieren auch heimische Reiter auf die Forderungen von PETA. Christiane Rittmann, Vorsitzende des RV Lippe-Bruch Gahlen, erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Organisation PETA ist in ihren Ansichten immer sehr extrem, egal um welche Tierart es geht. Ob ein Aortenabriss bei Hochleistungspferden häufiger vorkommt als bei anderen Pferden, kann ich nicht beurteilen. Ich habe aber von Fällen in allen Sparten des Reitsports gehört und finde es nicht schön, dass ein solch tragischer Unglücksfall benutzt wird, um den Reitsport an sich so ins Negative zu ziehen.“

Sie selbst habe einen ähnlichen Vorfall noch nicht erlebt: „Einer Freundin von mir ist das aber schon passiert. Das ist alles andere als schön. Wir wünschen Martin Sterzenbach, dass er das alles physisch und psychisch möglichst schnell verarbeitet und sich erholt.“

“In 30 Jahren noch nie erlebt“

Ähnlich äußerte sich am Dienstag auch Werner Lochthowe, Reitlehrer des ZRFV Dorsten: „Ich bin nun seit 30 Jahren in Dorsten tätig und habe so etwas zum Glück noch nie erlebt, bestenfalls mal bei großen Turnieren davon gehört. Die Forderungen von PETA kann ich nicht nachvollziehen. So etwas ist einfach Schicksal.“

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