Wohin will der SV Schermbeck?

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Das Interview unserer Redaktion mit Trainer und Vorstand des SV Schermbeck zum Saisonstart hat schon Tradition. Thomas Falkowski und Thorsten Schröder sprachen offen und ehrlich wie immer.

Schermbeck

, 13.07.2019, 05:15 Uhr / Lesedauer: 4 min

Thomas Falkowski, gibt es das berüchtigte „schwerste zweite Jahr“ überhaupt?

Falkowski: Da ist schon was dran. Im ersten Jahr wird man als Aufsteiger gerade von den etablierten Mannschaften oft ein wenig auf die leichte Schulter genommen. Da fehlt dann oft der ein oder andere Prozentpunkt.

Nachdem wir jetzt so eine gute Saison gespielt haben, werden uns die Gegner aber nun sicher mit größerem Respekt begegnen und uns ganz anders wahrnehmen. Das gibt es überall, von der Bundesliga bis zur Bezirksliga.

Was kann der SV Schermbeck dagegen tun?

Falkowski: Hart arbeiten und unsere Fehler aus der Vorsaison abstellen.

Welche waren das?

Falkowski: Da muss man sich nur unser Torverhältnis anschauen. Wir haben viele Spiele 1:0 gewonnen, weil wir unsere Konterchancen einfach zu schlecht genutzt haben und so eine Vorentscheidung verpasst haben. Dadurch haben wir uns das Leben selber schwer gemacht.

Wohin will der SV Schermbeck?

Thomas Falkowski will einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. © Andreas Leistner

Nun, da gibt‘s Schlimmeres, oder?

Falkowski: Sicher, aber das war ja auch nicht unsere einzige Schwäche. Wir müssen konstanter werden. Letzte Saison haben wir 1:0 gegen Haltern gewonnen und eine Woche später fünf Stück in Ennepetal kassiert. Dann haben wir fünf Spiele in Folge gewonnen, und in Herne fehlten prompt wieder einige Prozentpunkte. Wir sind zu schnell zu selbstzufrieden gewesen. Das kann man sich aber in der Oberliga nicht erlauben. So haben wir jeden geschlagen, haben aber auch gegen jeden verloren.

Wie wollen Sie das verbessern?

Falkokwski: Es ist eine Qualitätsfrage. Man braucht auch das richtige Spielermaterial, um eben bei knappen Führungen wechseln zu können. Da braucht es Entscheidungsspieler, die beim Konter den tödlichen Pass spielen. Letzte Saison hatten wir da schon rein zahlenmäßig ein Problem, weil Marc Schröter und Gökhan Turan sehr lange verletzt waren. Jetzt ist Turan fit, aber ich bewerte ihn wegen seiner langen Pause fast als weiteren Neuzugang. Außerdem haben wir mit Dominik Hannemann, Dominik Göbel oder Bilal-Can Özkara starke Offensivspieler dazu bekommen.

Jetzt haben wir viel über die Offensive gesprochen. Heißt das, dass der SV Schermbeck hinten nichts verbessern muss?

Falkowski: Doch, doch. Auf jeden Fall. Wir dürfen uns nicht mehr solche Ausreißer wie das 0:4 beim ASC Dortmund oder das 0:5 in Ennepetal erlauben. Die Defensivarbeit fängt für mich dabei vorne an. Deswegen heißt es für uns, kompakter zu stehen und die Abstände einzuhalten. Natürlich kann man immer mal einen schlechten Tag erwischen, aber auch da brauchen wir eben mehr Konstanz.

Sie haben schon einige der Neuzugänge erwähnt. Was sagen Sie nach den ersten Trainingseinheiten? Stimmt die Chemie im Team?

Falkowslki: Unbedingt. Wir sind schon ein guter Haufen. Ich glaube, es ist schwer, nicht gut mit uns auszukommen. Ob es nun Mannschaft, Trainer oder Vorstand ist. Den Rest machen wir jetzt im Training. Ich bin da auch der Trainertyp, der schnell das Teamgefüge formt. Da muss der Verlierer einer Übung zur Strafe auch schon mal singen.

Oh, was singt man denn da?

Falkowski: Ach, das reicht von Helene Fischer und „Atemlos“ bis zu den Malle-Liedern über „Mama Lauda“ oder bis zum „Holzmichel“. 30 Sekunden sind Pflicht.

Okay, kommen wir zu den Zielen. Was will der SV Schermbeck in der neuen Saison erreichen?

Falkowski: Ich setzte da gerne Etappenziele. Die Liga ist brutal ausgeglichen. Es gibt keinen Favoriten mehr a la Schalke 04. Aber Kaan-Marienborn und Wiedenbrück werden sicher einiges dafür tun, direkt wieder in die Regionalliga zu kommen. Preußen Münster ist ein Team mit vielen gut ausgebildeten Spielern und kann von oben immer mal Hilfe bekommen, und Meinerzhagen ist mit Nuri Sahin im Hintergrund kein normaler Aufsteiger.

Wohin will der SV Schermbeck?

Thorsten Schröder, 2. Vorsitzender des SVS, freut sich über die Entwicklung der Infrastruktur des Vereins. Doch Luftschlösser baut er deshalb keine. © Andreas Leistner

Schröder: Man hat ja schon in der vergangenen Saison gesehen, dass die Punktabstände sehr klein waren. Ein, zwei Spiele weniger gewonnen, und man steht ganz woanders. Deshalb haben wir als Vorstand den Spielern beim Trainingsauftakt auch ganz klar gesagt, dass unser Trainerteam ohne jeden Druck arbeiten kann.

Falkowski: Wie gesagt: Wir setzen uns Etappenziele. Zuerst einmal geht es darum, die 40 Punkte für den Klassenerhalt so schnell wie möglich einzusammeln. Wenn das dann zehn Spieltage vor Saisonende erreicht sein sollte, bin ich der Letzte, der nicht ein neues Ziel formuliert.

Aber den sechsten Platz aus dem Vorjahr zu toppen, wird sehr, sehr schwer. In Hamm haben sie letzte Saison vom Wunder des Klassenerhalts gesprochen. Aber für mich war unser sechster Platz eher ein Wunder als das. Ein einstelliger Platz ist mein Ziel.

Wenn man sich die Volksbank-Arena anschaut, darf es aber mittelfristig auch mal ein wenig mehr sein, oder?

Schröder: Der Bau liegt in den letzten Zügen, das stimmt. Und vor kurzem hat ein Gast von einem höherklassigen Verein auch gesagt: „Ihr seid damit reif für eine Klasse höher.“ Das mag von der Infrastruktur her auch stimmen, und ich würde bei einem sportlichen Aufstieg nie sagen, dass wir den nicht wahrnehmen wollen. Aber man muss auch überlegen, was man dann macht.

Ein Modell Haltern käme für mich persönlich nicht infrage. 17 Heimspiele in Schermbeck wären für mich ein Muss. Ich will den Leuten nicht sagen müssen „Wir spielen Sonntag in Erkenschwick“. Das wäre auch für die Region Dorsten/Schermbeck nicht gut.

Außerdem muss man auch sehen, was man mit der Mannschaft macht. 17 neue Spieler holen? Dann trotzdem absteigen, und nach einem Jahr sind alle wieder weg? Das wäre mit mir und meinen Vorstandskollegen nicht machbar.

Aber zugegeben: Mit unserer Infrstruktur sind wir weiter als viele andere, und es hätte seinen Reiz, mal gegen Alemannia Aachen oder Rot-Weiß Essen zu spielen.

Also wird die kommende Saison für den SVS eine Aufbausaison?

Falkowski: Ja, klar. Das sieht man ja auch an unseren Transfers. Wir haben wieder junge Leute geholt. Da muss ich mir realistische Ziele setzen. Wenn ich einen Toptorjäger aus der Oberliga hole, kann ich sagen, ich muss Platz sechs toppen. Aber so nicht.

Wir haben uns auch um andere Spieler bemüht, aber die gehen halt nach Haltern oder nach Meinerzhagen. Da müssen wir einfach kleinere Brötchen backen. Das ist aber okay.

Die Neuzugänge mögen jung sein. Aber insgesamt hat der Kader ein Alter, bei dem man auch schon mal über die Saison hinaus planen muss, oder?

Falkowski: Klar. Poch, Zugcic, Milaszewski oder Klimczok sind alle über 30. Letztes Jahr hatten wir den ältesten Oberliga-Kader. Marek allein zieht den Schnitt da ja schon hoch. Aber ich halte es mit Otto Rehagel: Es gibt für mich nur gute und schlechte Spieler, keine alten und jungen.

Schröder: Für mich spielt die 30 gar keine Rolle. Wir haben letzte Saison gegen Paderborn gespielt, eine ganz junge Mannschaft. Und die haben wirklich sprichwörtliches Lehrgeld gezahlt in den Zweikämpfen gegen einen Nikolaj Zugcic oder einen Marek Klimczok.

Falkowski: Aber natürlich machen wir uns auch Gedanken über die Saison hinaus.

Dann wünschen wir dabei ein genauso glückliches Händchen wie bisher und für die neue Spielzeit viel Erfolg!

Falkowski und Schröder: Danke!

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