Amateurfußball-Verband versinkt immer mehr im Chaos - Bosse wollen nicht zurücktreten

Amateurfußball

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist für all die Millionen Amateurfußballer verantwortlich. Aktuell versinkt der Fußballverband im Chaos. Die Führungsriege hat Probleme.

Westfalen

10.05.2021, 13:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Amateurfußball-Verband versinkt immer mehr im Chaos - Bosse wollen nicht zurücktreten

© Timo Janisch

Die immer lauter werdenden Rufe nach einer Auswechslung der kompletten Führungsriege des Deutschen Fußball-Bundes prallen an Präsident Fritz Keller und Vizepräsident Rainer Koch vorerst weiter ab. Der wegen eines Nazi-Vergleichs schwer unter Druck geratene DFB-Boss will seinen Posten ebenso wenig räumen wie sein Stellvertreter Koch, den Keller vor gut zwei Wochen im kleinen Kreis mit dem früheren Nazi-Richter Roland Freisler verglichen hatte.

Machtkampf tobt weiter

Der Machtkampf im größten Sportfachverband der Welt zwischen dem Amateur- und Profilager tobt damit munter weiter – und lähmt den DFB bei der Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie und möglicherweise auch bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer. Denn vielen stellt sich die Frage: Wer soll mitten in der Führungskrise die Verhandlungen mit Wunschkandidat Hansi Flick zu einem erfolgreichen Abschluss bringen?

„Dieses Theater gibt es seit der Aufarbeitung des Sommermärchens, also seit rund sechs Jahren. Seitdem haben drei Präsidenten die Rote Karte gesehen und mussten gehen“, polterte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge am Samstag über die „katastrophale“ Außendarstellung des Verbandes. „Die Herrschaften, die nicht DFB-Präsident waren, die dort im Hintergrund ihr Unwesen getrieben haben, müssen sich langsam fragen, ob es noch dem Fußball gerecht wird, was da passiert.“ Der DFB müsse jetzt überlegen, wie er zu Harmonie, Loyalität und Qualität zurückfinden könne. „Das wird eine Schicksalsfrage sein, denn wir haben in vier Wochen eine EM, die auch in München gespielt wird.“

Stehen unter Druck: DFB-Präsident Fritz Keller (M.) und sein Vize Rainer Koch.

Stehen unter Druck: DFB-Präsident Fritz Keller (M.) und sein Vize Rainer Koch. © dpa

Auch die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk kritisierte in einem FAS-Interview den Zustand im DFB: „Es ist eine Katastrophe für den Fußball in Deutschland und weltweit. Wir machen uns lächerlich.“ Zugleich erneuerte die 68-Jährige ihr Interesse an einer zeitweisen Rolle als Aufräumerin. „Ich kann mir vorstellen, dass man ein Übergangsteam die Rollen übernehmen lässt. Dann wäre anderthalb Jahre Zeit, bis zum ordentlichen Bundestag im Herbst 2022, die Dinge aufzuklären, die aufzuklären sind, und Ruhe in den Laden zu bringen“, sagte Schenk.

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Seit Jahren stehen sich Profis und Amateure unversöhnlich gegenüber. Nachdem die Chefs der Regional- und Landesverbände am Freitag ein Amtsenthebungsverfahren gegen Keller gefordert hatten, ergriff Rummenigge am Samstag prompt Partei für den angeschlagenen DFB-Präsidenten. „Ich glaube, Fritz Keller ist ein ehrbarer Mensch. Und wenn man auch mal eine Entgleisung gemacht hat, heißt das noch lange nicht, dass man ihn in dieser Art und Weise behandeln sollte“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Koch lehnt Entschuldigung ab

Er sei überrascht, dass sich die Amateurvertreter dafür ausgesprochen hätten, dass Keller mehr oder weniger aus dem Amt gejagt werden müsste oder sollte. „Ich muss offen und ehrlich sagen, ich verstehe das nicht“, so Rummenigge. Zugleich forderte er Koch auf, Kellers Entschuldigung für die verbale Entgleisung bei der Präsidiumssitzung am 23. April anzunehmen.

Das lehnt Koch jedoch ab. Als Berufsrichter empfinde er „den Vergleich mit Freisler persönlich als unglaublich verletzend“, betonte der Vizepräsident. Er habe Keller daher mitgeteilt, dass er dessen Entschuldigung „nicht akzeptieren kann“. Persönliche Konsequenzen aus den jahrelangen Querelen in der DFB-Führung schloss der 62-Jährige aus.

Geld für die Amateure gefordert

Der zerrissene DFB müsse nun schnell in eine geordnete Form gebracht werden. „Da müssen jetzt Themen behandelt werden. Wir sind gefordert, schnell zu Lösungen zu kommen“, forderte Koch. Dazu gehöre die finanzielle Unterstützung der Amateure durch den Profifußball. „Wir brauchen endlich Geld. Die 25 000 Amateurvereine erwarten, dass Solidarität geübt wird. Wir haben ein Jahr lang unterstützt, dass der Profifußball weiterspielen konnte. Jetzt haben wir noch zwei Spieltage, und noch immer ist kein einziger Cent an Solidarabgaben von der Bundesliga an den Amateurbereich gezahlt worden“, so Koch.

Anders als der DFB-Vize („Es geht nicht darum, die Köpfe des Amateurfußballs zu fordern“) gibt es für Schenk keine Alternative zu einem radikalen Umbbruch. „Der Verband braucht einen Schlussstrich“, betonte sie. Ähnlich sieht es Lothar Matthäus: „Da muss ausgemistet werden“, sagte der Rekord-Nationalspieler mit Blick auf die Verbandsführung. „Sie haben den Fußball beschmutzt.“

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