Annika Busch ist noch lange nicht am Ziel aller Wünsche

Dortmunds Sterne

Dortmunds Sterne - so heißt unsere neue RN-Serie. Wir zeigen Ihnen in zehn Folgen, dass es glänzend bestellt ist um den Nachwuchssport in unserer Stadt. Im fünften Teil stellen wir Ihnen die Handballerin Annika Busch vor.

DORTMUND

von Von Gerd Strohmann

, 10.03.2011, 10:27 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einsatzfreudig, ehrgeizig und energisch: Annika Busch (l.), hier noch im BVB-Dress, will in die Nationalmannschaft,

Einsatzfreudig, ehrgeizig und energisch: Annika Busch (l.), hier noch im BVB-Dress, will in die Nationalmannschaft,

Zarte 15 Jahre war sie, da hatte sie schon einen Platz in der Jugendnationalmannschaft der 16- bis 18-Jährigen, die junge Dortmunderin war eine „Frühberufene“. Sie war begehrt, auch weil sie mit links wirft, obwohl sie den Rest mit rechts macht, auch mit rechts schreibt. „Ein kleiner Vorteil ist das schon“, meint Annika Busch und sie grinst, als habe sie der Natur ein nettes Schnippchen geschlagen. Aber sie hat noch andere Referenzen. Natürlich ziert sie sich, wenn sie ihre Stärken nennen soll, aber soviel lässt sie sich doch entlocken: „Mein Wurf“, sie habe einen langen Arm, wenn sie von unten nach oben ziehe. Und um das Lob komplett zu machen, sei noch ein Satz von Clara Woltering, der Nationaltorhüterin, erwähnt: „Annikas Würfe bereiten mir immer großes Kopfzerbrechen.“

All` dies, und auch ihre Kampfkraft und ihre Defensivstärke, ist der Lohn harten, intensiven Training. „Ich habe nicht viel Freizeit in der Jugend gehabt“, sagt die 20-Jährige, aber damit jetzt keiner auf die Idee kommt, sie habe da etwas wirklich vermisst oder versäumt, fügt sie ganz schnell hinzu: „Man kann nicht alles haben, wenn man ein Ziel hat, muss man dran glauben und eben auch Opfer bringen.“ Das klingt schon reichlich erwachsen, aber Annika Busch, die Namensgleichheit mit Jochen Busch, dem Sportlichen Leiter der BVB-Frauen, ist übrigens nicht zufällig, er ist ihr Vater, hat eben auch schon erleben müssen, dass so ein sportlicher Werdegang nicht immer schnurgerade verläuft. Vor knapp zwei Jahren, Ostern 2009, stürzte sie ungebremst, fiel auf den Kopf. Die verheerende Folge: Einblutungen im Gehirn, epileptische Anfälle und die Erkenntnis: „Ich weiß von nichts mehr.“ Und nun, mit dem Abstand von fast 24 Monaten, sagt sie: „Ich hätte rigoroser Pause machen müssen.“

Hat sie nicht, weil sie zu ehrgeizig ist, weil sie es gewohnt ist, eigentlich täglich einen Ball in der Hand zu haben. Schon mit 15 Jahren wechselte sie zu Bayer Leverkusen, zwei Jahre später kehrte sie zum BVB zurück, vielleicht kam der Schritt auch zu früh. Aber sie nimmt das Gute mit, „so wurde ich früh selbständig“, und sie freute sich auf die familiäre Atmosphäre bei den Schwarzgelben, ihrem Heimatverein. „Das kriegt man nicht so leicht aus dem Herzen.“ Dennoch wechselte sie nach dem Abstieg, läuft jetzt für Bad Wildungen auf. Das ist „nur“ 2. Liga, aber ein kleiner Schritt zurück kann auch ein Satz nach vorn sein. Dort hat sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau begonnen, „ein Glücksgriff“, dort will sie sich die nötigen Spielanteile holen.

Denn sie hat in der letzten Saison in der 1. Liga beim BVB auch gespürt, „dass ich noch eine Menge lernen muss, dass ich vor allem in Eins-zu-Eins-Situationen mich noch richtig verbessern muss“. Aber sie ist ja noch jung, sie ist ja lernwillig, und mit aller gebotenen Zurückhaltung nennt sie auch „das Ziel, an dem ich arbeite: den Sprung in die A-Nationalelf.“ Vielleicht dann ja schon wieder im schwarzgelben Dress.

  • Im nächsten Teil: Stefanie Pähler (Leichtathletik)
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