Ansgar Heunemann muss seine Karriere wegen einer Verletzung frühzeitig beenden. Bei Handball-Verbandsligist Westfalia Hombruch leidet man mit dem 31-Jährigen - der dem Klub aber treu bleibt.

Dortmund

, 12.02.2019, 16:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Hüfte hat sich gemeldet. Wieder einmal. Aber eigentlich hat sie das ja ohnehin schon immer getan. Ein unangenehmer Begleiter, den niemand braucht, der aber trotzdem nicht verschwindet. „Ich habe schon seit Längerem Schwierigkeiten mit der Hüfte“, sagt Ansgar Heunemann, 31 Jahre alt und seit dieser Saison eigentlich Kreisläufer beim Verbandsligisten Westfalia Hombruch.

Eigentlich, weil der Handballer Heunemann zuletzt wenig oder gar nicht mehr zum Einsatz kam. Die Schmerzen sind zu groß geworden. In jedem Spiel. In jedem Training. „Es ging einfach nicht mehr“, sagt er. Und auch sein Trainer, Marc Lauritsch, meint, man hätte es ihm angemerkt, „dass er ohne Schmerzen kaum noch spielen kann“.

Heunemann wechselt aus der dritthöchsten Spielklasse nach Dortmund

Heunemann war vor der Saison gemeinsam mit seinem Freund Marcel Vogler von der SG Menden Sauerland nach Dortmund gewechselt. Aus der dritthöchsten Spielklasse Deutschlands in die Verbandsliga. Weg vom reinen Leistungssport, hin zu einem Verein, „bei dem wir gemeinsam Spaß haben konnten, der dabei aber trotzdem ambitioniert ist“, wie Heunemann sagt. Nun kam es anders.

Auch Trainer Marc Lauritsch bemerkte die Schmerzen seines Schützlings.

Auch Trainer Marc Lauritsch bemerkte die Schmerzen seines Schützlings. © Foltynowicz

„Das ist in erster Linie bitter für ihn selbst“, sagt Vogler. „Aber auch für die Mannschaft und für mich.“ Acht Jahre lang haben beide Seite an Seite beim Drittligisten zusammengespielt. Zwischenzeitlich sogar gemeinsam in einer WG in Dortmund gewohnt. „Er ist ein absolut positiver Typ, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat“, sagt Vogler. Selbst in solchen Momenten, in denen es vielleicht nicht immer ganz so leicht ist.

Vergangene Woche war Heunemann wieder mal beim Arzt. Er kennt das alles schon, die Untersuchung, die Diagnose, die Gespräche. Drei Ärzte hatte er zuvor aufgesucht. Sie alle hatten ihm geraten, mit dem Handball aufzuhören. Die Hüfte... Sie wissen ja.

„Er ist ein absolut positiver Typ, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat.“
Marcel Vogler

Doch dieses eine Gespräch, dieser letzte Versuch, das musste einfach sein. Dieser eine Termin noch mit diesem einem Orthopäden, der auch schon als Teamarzt der DFB-Frauen gearbeitet hat. Der letzte Strohhalm. Die Hoffnung, das Unvermeidbare doch noch vermeidbar zu machen.

Es gab sie nicht.

„Dieses Gespräch hat endgültig den Ausschlag gegeben, mit dem Handball aufzuhören“, sagt Heunemann. Weil ihm auch dieser Arzt, den er schon länger kennt, das gleiche riet, was ihm all die anderen schon geraten hatten. Aufzuhören. „Eigentlich habe ich ohnehin schon gewusst, was kommt“, sagt Heunemann.

Positives Denken fällt schwer

Aber sollte man sich den Zeitpunkt, wann es vorbei ist, nicht selbst aussuchen können? „Das sollte man“, sagt Heunemann. „Aber ich kann es eben auch nicht mehr ändern, so enttäuschend das auch ist.“

Nun ist es vorbei. Der 31-Jährige wird kein Spiel mehr auf der Platte absolvieren. Weder für Hombruch noch für eine andere Mannschaft. Da wird es selbst für einen Menschen, der fast durchweg positiv denkt, schwierig, nur noch positiv zu denken.

Er habe mit vielen Menschen über seine Situation gesprochen, sagt Heunemann. „Und natürlich hilft einem das. Aber die letzten Wochen, in denen ich nur zugucken konnte, waren schon frustrierend.“

„Die letzten Wochen, in denen ich nur zugucken konnte, waren schon frustrierend.“
Ansgar Heunemann

Das letzte eigene Spiel, das ihm, dem „Riesen am Kreis“ nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, ist das Derby gegen den OSC. Anfang Dezember. Hombruch gewann 29:27, Vogler war mit neun Toren Topscorer. Heunemann selbst traf fünfmal „Auf der Platte ist er immer sehr abgezockt gewesen und ist als Leader vorweg gegangen“, sagt Vogler.

Und so richtig glauben kann man es immer noch nicht, dass dies tatsächlich der Abschluss seiner Karriere gewesen sein soll. „Es ist sportlich wie menschlich ein herber Verlust“, betont Lauritsch.

Heunemann will weiter aktiv bleiben

Aber was macht einer, der „körperlich immer fit war“ (Vogler), nun ohne seine Leidenschaft, die er die vergangenen 25 Jahre ausgeübt hat? Er werde sich „dieser Situation stellen und versuchen, auch damit positiv umzugehen“, sagt Heunemann. Nur rumsitzen, das könne er ohnehin nicht. Er werde auch weiterhin die Spiele und das Training der Mannschaft besuchen.

Zurzeit geht er einmal die Woche Fahrradfahren und Schwimmen - beides nicht unbedingt Lieblingsaktivitäten Heunemanns. „Vielleicht mache ich Wasserball“, sagt der 31-Jährige und lacht. „Oder ich werde Sieben-Meter-Schütze.“

Im Training habe er sich schon daran versucht. Kevin Humberg, sagt Heunemann, „ist da ein leichtes Opfer für mich.“ Ein lockerer Spruch in einer schwierigen Situation. Auch das ist eben Ansgar Heunemann.

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