Autorität statt Mini Milk: Anne Ewert trainiert künftig den OSC Dortmund

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Mit Anne Ewert steht beim Handball-Verbandsligisten OSC Dortmund bald erstmals eine Frau an der Seitenlinie eines Männer-Teams. Der Wunsch dafür kam aus der Mannschaft.

Dortmund

, 28.03.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anne Ewert hat klare Vorstellungen. „Es muss niemand denken, dass ich die Mutti am Rand bin, die Mini Milk verteilt und für gute Stimmung sorgt“, sagt sie angesprochen auf ihren neuen Trainer-Job. Die 39-jährige Gymnasial-Lehrerin übernimmt in der kommenden Spielzeit zusammen mit Thorsten Stoschek den Trainerjob beim Handball-Verbandsligisten OSC Dortmund. „Thorsten und Anne sind gleichgestellt und mit denselben Kompetenzen ausgestattet“, erklärt Thomas Thurau, Sportlicher Leiter des OSC.

Eine Frau im Herrenbereich, und dann auf diesem Niveau, das kommt selten vor. In Dortmund gab es das bisher – da sind sich alle, die man fragt, sehr sicher – noch gar nicht. Wer Anne Ewert fragt, der bekommt schnell ein Gefühl dafür, dass sie prädestiniert ist für den Job. „Als Spielerin hatte ich schon immer das Ziel, das höchste Niveau zu erreichen. Als Trainerin ist das nicht anders.“

268-mal lief sie in der ersten oder zweiten Bundesliga auf. Für den BVB war sie ein Jahr lang in der höchsten Eliteliga aktiv. Das war in der Spielzeit 2009/10. Die restlichen Partien lieferte sie für ihren Heimatklub PSV Recklinghausen ab, zumeist auf der Linksaußen-Position.

Ewert nach achtjähriger Handballpause zurück

Nach ihrer BVB-Zeit legte sie eine achtjährige Handballpause ein. In der Zeit wurde sie dreifache Mutter, zog mit ihrem Mann nach Dortmund, übernahm im vergangenen Sommer die Verantwortung für die A-Jugend der JSG Ewaldi/OSC und steht zwei Spieltage vor Ende der Saison mit ihr an der Tabellenspitze der Oberliga.

„Es ist schon eine Umstellung für alle Seiten, wenn du als Frau eine männliche Mannschaft trainierst“, sagt sie, „da schauen schon die Zuschauer genau hin, wenn ich kleine Person mit den Jungs in die Halle komme.“ 1,64 Meter misst sie.

Die Körpergröße steht aber in keinem Zusammenhang zu ihren Leistungen. „Anne ist kompetent, eine Autorität und extrem eloquent“, sagt Thurau.

„Mit erwachsenen Männern zusammen zu arbeiten, ist noch einmal eine ganz andere Nummer.“
Anne Ewert

Er glaubt fest daran, dass die Zusammenarbeit mit Stoschek funktionieren wird. „Es sind zwar beides Alphatiere, sie ergänzen sich aber gut.“ Das kann Stoschek nur bestätigen: „Ich kannte Anne bis vor kurzem noch gar nicht persönlich. In den gemeinsamen Gesprächen hat sich aber gezeigt, dass die Chemie zwischen uns stimmt“, sagt Stoschek.

Er hatte das Team 2016 in die Oberliga geführt. Nach dem direkten Abstieg hörte er berufsbedingt auf. „Meine berufliche Situation hat sich seitdem nicht geändert. Deshalb würde ich den Trainerjob beim OSC auch nie alleine machen.“

Aus Spielerkreisen kam schnell der Wunsch, Anne Ewert mit ins Trainerteam zu nehmen.

Ansagen müssen „klarer und deutlicher“ sein

Sie trainiert die Mannschaft aktuell montags, zusammen mit ihrer A-Jugend. „Mit erwachsenen Männern zusammen zu arbeiten, ist noch einmal eine ganz andere Nummer. Da müssen die Ansagen noch klarer und deutlicher sein als bei meinen Jugendlichen.“ Das scheint sie gut hinzubekommen, ansonsten wäre der Wunsch der Spieler nicht aufgekommen.

Mit Stoschek zusammen plant sie, der Mannschaft eine neue Identität zu geben, modernen, attraktiven Handball spielen zu lassen. Dafür setzt das Duo vermehrt auf talentierte Dortmunder Spieler. Sechs ihrer A-Jugendlichen steigen mit in den Verbandsliga-Kader auf. Von der DJK Oespel-Kley kommt Kai Ferber, der in seinem ersten Seniorenjahr Leistungsträger bei der DJK ist. Er ist in erster Linie für den Rückraum Mitte eingeplant, aber auch für den linken Rückraum. „Kai kann gleich eine richtige Stütze für uns werden“, sagt Ewert.

Sie hat richtig Bock auf ihre neue Aufgabe. Das spiegelt sich in jedem ihrer Worte wider. Und wer sie aufgrund ihrer Größe unterschätzt, macht einen Fehler, wie ihre Wegbegleiter bestätigen. Anne Ewert misst man nicht in Zentimeter, sondern in Kompetenz und Autorität.

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