Bär: "Wenn es läuft, schwebt das Boot"

Rudern

Carina Bär gewann 2015 bei der Ruder-Weltmeisterschaft Silber im Doppelvierer und bei der EM die Goldmedaille. Bei den Olympischen Spielen in Rio zählt die 26-jährige Studentin mit ihren Teamkolleginnen im Doppelvierer zu den Medaillenkandidaten. Über Erwartungen, Doppelbelastung und Leistungsdruck sprach sie im Interview.

DORTMUND

, 03.07.2016, 10:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Carina Bär schafft es vorbildlich, Leistungssport und Medizin-Studium unter einen Hut zu bekommen.

Carina Bär schafft es vorbildlich, Leistungssport und Medizin-Studium unter einen Hut zu bekommen.

Aktuell bereitet Ihr Euch in einem dreiwöchigen Trainingslager in Kärnten auf Olympia vor. Wie sieht der Feinschliff für Rio aus?

Für einen guten Vierer macht das Zusammenspiel sehr viel aus, der Rhythmus ist mit das Entscheidendste. Daran arbeiten wir aktuell sehr intensiv. Wenn es läuft, nehmen wir im Boot es als Flow wahr, dann hat man das Gefühl, das Boot schwebt regelrecht über das Wasser. Als Zuschauer erkennt man es daran, dass es leicht aussieht. Ich kann aber allen versichern: Spaß macht es allenfalls am Anfang, das letzte Drittel ist extrem anstrengend, da schmerzt jeder einzelne Muskel.

Ihr habt das Weltcupfinale in Polen gewonnen und seid einer der großen Medaillenfavoriten für Rio. Ist eine Medaille planbar?

Wir können hart daran arbeiten, bei den Spielen unsere stärkste Leistung zu bringen, aber wie stark die anderen sind, das können wir nicht beeinflussen. Planen kann man deshalb eine Medaille nicht. Wir haben die letzten drei Jahre versucht, das Beste rauszuholen. Im zurückliegenden Winter war die interne Qualifikation sehr hart. Bis April hat einen das stark beschäftigt, eigentlich denkt man den kompletten Winter daran. Aber letzten Endes macht uns der Leistungsdruck als Team stärker.

Haben Sie deshalb vor Rio zwei Urlaubssemester eingelegt, um sich auf den Sport konzentrieren zu können?

Im Juli 2015 habe ich den theoretischen Teil erfolgreich abgeschlossen. Darauf folgt bei uns Medizinern das „Praktische Jahr“, sprich jeden Tag von 8 Uhr morgens mindestens acht Stunden Arbeit im Krankenhaus am Patienten. Da ist es unmöglich, auch noch täglich zwei bis drei Trainingseinheiten einzuschieben – die ja dann auch noch effizient sein sollen. Deshalb habe ich das „PJ“ auf die Zeit nach den Spielen verschoben. Lehrbücher nehme ich trotzdem ab und zu zur Hand, auch mache ich mir Gedanken zu einem möglichen Promotionsthema.

Ist es nicht komisch, sich nur auf den Sport konzentrieren zu können?

Ja. Anfänglich hat mich das unruhig gemacht, weil ich gewohnt war, immer etwas zu tun zu haben. Und was macht man dann? Ich habe angefangen, mein Französisch aufzufrischen und Spanisch zu lernen. Ablenkung ist unerlässlich, denn wenn man alle Konzentration auf das Training legt, ist es eine große Herausforderung, dabei locker zu bleiben.

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Wie hat sich denn zuvor der Leistungssport mit dem Medizinstudium vereinbaren lassen?

Eigentlich lief es sehr gut. Unsere Uni hat einen Vertrag mit dem Olympiastützpunkt. Das heißt nicht, dass mir etwas geschenkt wird, das will ich ja auch gar nicht. Aber es werden mir keine Steine in den Weg gelegt, weil ich größere Fehlzeiten aufgrund von Trainingslagern oder Wettkämpfen habe. Aber man muss sich selbst darum kümmern, frühzeitig klären, wenn sich Klausurtermine mit Wettkämpfen überschneiden.

Wie sehen die Trainer die Doppelbelastung?

Es kann nur funktionieren, wenn auch der Trainer dahinter steht. Nachdem ich im ersten Jahr bewiesen hatte, dass die sportliche Leistung darunter nicht leidet, war es für meinen Trainer Thomas Affeldt in Ordnung. Ich habe mich mit ihm immer zusammengesetzt, sobald die Semesterpläne feststanden. Gemeinsam haben wir dann geschaut, wie sich Studiums- und Trainingspläne vereinbaren lassen. Das geht nur mit sehr viel Disziplin.

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