Berghofen vor Duell gegen Deutschen Meister: „Die kommen alle, nur um uns spielen zu sehen“

mlz2. Runde DFB-Pokal

Am Samstag um 14 Uhr steigt für die Damen-Regionalliga-Mannschaft des SV Berghofen das Spiel des Jahres. In der zweiten DFB-Pokal-Runde kommt der Deutsche Meister ins Aplerbecker Waldstadion.

Dortmund

, 04.09.2019, 18:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

72 Stunden vor dem Anpfiff gewähren Berghofens Rechtsaußen Anna Spitthoff und Trainer Thomas Sulewski im Interview einen Einblick in die Gemütslage der Mannschaft.

Wie ist die Stimmung im Team? Nervös?

Spitthoff: Wenn ich sagen würde nein, dann müsste ich lügen. Seit letzten Sonntag ist das das einzige Thema im Training. Da werden auch schonmal die Gegner bei Facebook gestalkt - immerhin sind das ja richtige Stars, die wir sonst nur im Fernsehen oder sogar bei der Nationalmannschaft zu sehen bekommen. Wir haben ja alle mit Fußball angefangen, vielleicht nicht um Stars zu werden, aber doch auch nicht umsonst. Und dann spielst du einmal im Leben gegen die, die es wirklich geschafft haben und versuchst ihnen im Einszueins den Ball abzunehmen. Da ist schon eine gewisse Grundanspannung in der Mannschaft spürbar.

Aber ganz ehrlich, der SV Berghofen spielt immerhin Regionalliga - und zwar richtig gut. Ihr Team versteht also auch sein Handwerk.

Spitthoff: Das stimmt wohl. Aber ich glaube, der Leistungsunterschied ist schon gewaltig. Wir sind zwar Drittligist, aber für uns ist das ein Hobby. Wir machen das nebenbei, gehen dreimal die Woche zum Training, und für die Wolfsburgerinnen ist das ein Hauptberuf. Das macht schon einen Unterschied aus.

Der Vorfreude tut dieser mutmaßliche Unterschied aber keinen Abbruch?

Spitthoff: Nee, überhaupt nicht. Alle freuen sich total auf den Samstag. Jeder will spielen. Und wir freuen uns riesig auf dieses Event. Denn nicht anderes ist es ja, wenn wir auf einmal vor über 1500 Leuten spielen. Und die kommen alle für uns, die wollen nur uns sehen. Das macht uns alle schon jetzt ein bisschen stolz.

Und die große Kulisse lässt nicht die Nerven flattern?

Spitthoff: Warum? Die sind ja alle für uns. Eltern, Freunde, Verwandte, Bekannte von der Arbeit, die kommen nur, um uns spielen zu sehen. Und das ist das, was einfach jede von uns mega motiviert. Klar weiß jeder auf dem Platz, dass wir nicht gerade die größten Chancen haben, gegen den amtierenden Deutschen Meister zu gewinnen. Aber alle wollen zeigen, was sie können.

Gespielt wird im Waldstadion Aplerbeck. Eine gute Wahl?

Sulewski: Auf jeden Fall. Wir spielen zwar auf Rasen. Das ist ungewohnt. Aber wir hatten genug Zeit und Trainingseinheiten, um uns darauf einzustellen. Und ob wir an so einem Tag auf Rasen, Kunstrasen oder Asche spielen, macht an letztlich nicht den großen Unterschied. Wir sind einfach gerne Gast beim ASC. Die organisieren das sensationell. Was das Waldstadion selbst aber auszeichnet, ist dass es ein echter kleiner Hexenkessel sein kann. Es kommen viele Leute, es ist eng, es ist muckelig. Genau das wollen wir am Samstag erleben.

Wolfsburg ist ja nun das Kracherlos schlechthin. Hätten Sie sich nicht lieber einen anderen Gegner gewünscht?

Spitthoff: Darüber haben wir auch schon nachgedacht. Aber dann haben wir einfach mal ganz realistisch betrachtet, wieviele Teams in diesem Lostopf gewesen sind, die wir mit hoher Wahrscheinlichkeit hätten schlagen können. Und da war keiner. Auch gegen andere Regionalligisten ist für uns ja kein Sieg sicher. Also wollen wir doch lieber gegen die Besten spielen. Und im Zweifel verlier ich doch lieber gegen ne Alexandra Popp als gegen jemanden, den niemand kennt.

Und der Trainer kann am Samstag personell aus dem Vollen schöpfen?

Sulewski: Kann er. Bis auf zwei Verletzte und eine Urlauberin hab ich über 20 Spielerinnen zur Verfügung. Und im Wettkampfmodus sind wir obendrein. Wir hatten ja schon ein DFB-Pokalspiel, ein Westfalenpokalspiel und zwei Meisterschaftsspiele - sind also schon auf Betriebstemperatur.

Gibts eine besondere Vorbereitung?

Sulewski: Wir geben uns zwei Trainings, um uns speziell auf Wolfsburg vorzubereiten. Aber letztlich wird bei diesem Spiel die Taktik nicht so eine große Rolle spielen. Wir wollen uns einfach bestmöglich präsentieren, Wolfsburg so lang wie möglich die Stirn bieten und das Ganze genießen.

Spitthoff: Wir werden uns wohl sehr stark aufs Verteidigen konzentrieren müssen. Für mich als Offensivkraft ist das zwar eine kleine Umstellung. Aber wir müssen uns diesmal einfach drauf einstellen, dass wir wohl zu 90 Prozent damit beschäftigt sein werden, die Gegner zu stoppen. Das wird nicht leicht, weil die Wolfsburgerinnen sich schon granantenmäßig vors gegnerische Tor kombinieren. Da müssen wir uns als Mannschaft schon was einfallen lassen.

Gesetzt den Fall, Sie verlieren am Samstag gegen Wolfsburg: Wird es trotzdem eine dritte Halbzeit geben?

Spitthoff: Auf jeden Fall. Das Coole an diesem Spiel ist doch, dass wir uns alle wie verrückt darauf freuen. Und an diesem Spaß wird sich auch nichts ändern, wenn wir ne Packung kriegen. Gefeiert wird hinterher auf jeden Fall. Außerdem hatte ich gerade Geburtstag. Das heißt, es gibt auf jeden Fall einen guten Grund.

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