Bövinghausen-Coach Nikola Karcev: „Als Trainer sitzt man auf gepackten Koffern“

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Nikola Karcev ist an der Seitenlinie des TuS Bövinghausen der Boss. Wir haben uns mit dem 39-Jährigen zum Interview getroffen. Dabei spricht er auch darüber, wer beim TuS die Aufstellung macht.

Dortmund

, 04.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nikola Karcev (39) ist Trainer beim TuS Bövinghausen. Der Uefa-Trainer-A-Lizenz-Inhaber arbeitet seit Ende Juli für den Westfalenligisten TuS Bövinghausen. Zunächst unterstützte er den mittlerweile entlassenen Dimitrios Kalpakidis, jetzt kümmert sich Karcev - gemeinsam mit Sven Thormann - um die Mannschaft. Wir haben ihn zum ersten Mal zum Interview getroffen. Im Gespräch verrät er uns, wie seine ersten drei Monate in Deutschland liefen, wie er die Corona-Pause jetzt findet und ob wirklich TuS-Boss Ajan Dzaferoski die Aufstellung in Bövinghausen macht.

Wir haben das Gespräch mit Nikola Karcev auf deutsch geführt. Ajan Dzaferoski, der sowohl Deutsch als auch Mazedonisch (Karcevs Muttersprache) spricht, fungierte als Übersetzer.

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Herr Karcev, Sie sind seit Ende Juli beim TuS Bövinghausen beschäftigt. Erklären Sie mal: Warum haben Sie sich dem TuS angeschlossen und wie lautet Ihr bisheriges Fazit nach etwa drei Monaten?

Der Plan war zunächst einmal, dass ich nur als Fitnesstrainer komme und erst einmal die Geschichte machen sollte. Ich bin aber auch ein geschulter Trainer, habe die Uefa-A-Lizenz und bin auch für die Pro-Lizenz angemeldet. In Nordmazedonien ist die Situation wegen Corona momentan so, dass es mehr Trainer als Spieler gibt. Der Reiz war da, hier den deutschen Fußball kennenzulernen.

Ende August musste Ihr Vorgänger Dimitrios Kalpakidis gehen. Sie wurden zum Cheftrainer befördert. Beschreiben Sie mal die Zeit...

Der Trainerjob ist damit verbunden, dass man immer auf gepackten Koffern sitzt. Es kann sein, dass man am nächsten Tag schon nicht mehr Trainer ist. Man muss das sportlich nehmen. Natürlich war mir die Situation nicht angenehm, aber so eine Entlassung kann auch mir selbst passieren. Das ist ein normaler Werdegang.

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Hat es Sie gewundert, dass der Abgang von Kalpakidis medial so hohe Wellen geschlagen hat - gerade auch im Bezug auf den Amateurfußball?

Jedes gute Pferd wirbelt Staub auf. Die Leute wollen doch Informationen über ihren Verein haben. Dimi ist ja in Dortmund auch ein bisschen bekannt. Deswegen kochte das hoch.

Haben Sie sich in Dortmund mittlerweile schon eingelebt?

Ja, ich bin so langsam reingekommen, habe auch den Amateursport kennengelernt. Im Vergleich zu Mazedonien ist das hier professionell aufgebaut. Diese Strukturen bin ich nicht gewöhnt - zum Beispiel wie der Verband und der Kreis das ganze System managen.

Wo leben Sie aktuell eigentlich, und wie fühlt sich der Ruhrpott für Sie an?

Ich wohne momentan bei Alex Gjorgjievski. Ihn kenne ich - genauso wie Denis Ramadan - von früher. Wir haben auch schon mal in der zweiten mazedonischen Liga zusammengespielt. Eigentlich wäre ich gerne zu einem BVB-Spiel gegangen, aber Corona hat alles ein bisschen eingegrenzt. Deswegen kann ich momentan nicht so viel unternehmen.

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Bleiben Sie denn längerfristig?

Ich kann mir das gut vorstellen, ja. Als Trainer kann man aber nicht sagen, wie lange man in einem Verein bleibt. Vielleicht läuft es nicht gut.

Falls Sie in Bövinghausen scheitern, geht es für Sie dann zurück nach Nordmazedonien?

Ich habe noch nicht so weit gedacht. Wir verlieren aber nicht so viele Spiele (lacht).

Zurück zum Sportlichen: Beschreiben Sie mal den Dortmunder Amateurfußball aus Ihrer Sicht…

Hier wird sehr zweikampfbetont und sehr körperlich gespielt. Ich bin positiv überrascht. Die Westfalenliga, in der wir spielen, ist in etwa mit der zweiten Liga in Mazedonien zu vergleichen. In Mazedonien gibt es insgesamt ja nur vier Ligen.

Sie haben eine bewegte Karriere hinter sich, haben Länderspiele gespielt und waren auch schon in der Champions-League-Qualifikation. Wie hoch ist das Niveau beim TuS Bövinghausen?

Die Verein ist sehr gut organisiert und hat eine gute Infrastruktur. Auch die Mannschaft hat Qualität. Hier kann man etwas aufbauen, auch für höhere Ziele.

Sie kommen aus Nordmazedonien, sprechen also Mazedonisch. Wie kommunizieren Sie mit den Spielern?

Alle Spieler verstehen Englisch. Außerdem haben wir mit Dino Dzaferoski, Alex Gjorgjievski, Denis Ramadan, Zivco und Pjer Radojcic Spieler, die die Sprache auch verstehen und sprechen können. Sie können übersetzen. Viele Ansprachen übernimmt auch Sven Thormann. Es gibt keine Probleme bei uns.

Im Dortmunder Amateurfußball hört man immer wieder, dass Ajan Dzaferoski die Aufstellung beim TuS Bövinghausen machen möchte. Stimmt das? Und wenn ja, lassen Sie ihn machen?

Ich mache die Aufstellung und entscheide auch, wie gespielt wird. Es wird aber debattiert. Die Entscheidung und Verantwortung liegt aber beim Trainer. Ich habe ja auch den Überblick, ob die Spieler beim Training waren und wie sie sich gemacht haben.

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Der TuS Bövinghausen steht an der Tabellenspitze, jetzt ist wegen Corona aber erst einmal wieder Pause. Wie ärgerlich ist das für Sie?

Für uns ist das natürlich nicht schön. Wir waren gut in Form, haben viel gearbeitet, hatten viele Übungen und Trainingseinheiten. Wir hatten auf jeden Fall einen guten Lauf.

Haben Sie Sorge, dass die Form nach der Pause nicht mehr so gut ist?

Nein, davor habe ich keine Angst. Ich glaube an die Spieler. Sie müssen sich fithalten. Es kann ja sein, dass wir noch besser zurückkommen. Den Nachteil mit der Pause haben jetzt alle Vereine.

Wird in diesem Jahr noch trainiert und gespielt? Was glauben Sie?

Nein, das glaube ich nicht. Es wird auch sehr schwierig, wenn man die Spieler am 1. Dezember wieder loslässt. Die Verletzungsgefahr ist zu groß, weil man nur eine kurze Vorbereitung hätte. Man darf nicht vergessen, dass es immer noch eine Amateurliga ist. Die Spieler sind vorher arbeiten, haben schwere Beine.

Abschließend: Sehen Sie im Kader Verbesserungsbedarf?

Wenn der Bedarf da ist, dann holen wir nur Spieler, die uns wirklich weiterbringen und uns auch direkt in der Oberliga weiterhelfen würden. Man weiß aber nicht, ob im Winter vielleicht Spieler unzufrieden sind und gehen möchten. Dann muss man sowieso reagieren.

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