Boris Becker und der Dunkle mit dem Bart: Zwillinge spielten schon in der 2. Liga

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Zwillinge, die unterschiedlicher nicht aussehen könnten. Aber eins haben sie gemeinsam: Sie spielen beide einen guten Fußball in der Bezirksliga.

Dortmund

, 05.11.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwillinge! Ein Herz und eine Seele. Aber sie lieben Verwechselspielchen und Rollentausche. Natürlich ist das nur ein Klischee, unter das viele Bruder- und Schwesterpärchen nicht fallen. Wenn beide aber wirklich alles gemeinsam machen und sich ihr Vorname nur durch einen Buchstaben unterscheidet, könnte das Freunde vor große Herausforderungen stellen.

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In Kemminghausen sorgen beim Fußball-Bezirksligisten VfL zwei solche unzertrennliche Brüder für gute Laune und noch besseren Sport. Dabei gibt es im Erwachsenenalter doch einen optischen, einen sportlichen und einen sprachlichen Unterschied.

Wirklich nur zwei, vielleicht doch drei Dinge trennen Sabin und Sadin Basic (28). Um nicht unnötig Spannung aufzubauen und Raum für entspanntes Kurzweiliges zu lassen, seien die Unterschiede vorausgeschickt. Wer außerhalb des Platzes wissen will, welcher Bruder Sadin oder Sabin ist, erhält vom Sportlichen Leiter des Klubs Tuna Kayabasi erste Hilfe: „Sadin ist unser Boris Becker, rotblond! Sabin ist dunkel, trägt einen Bart.“ Das klingt einfach.

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Dann ist da die Position. „Ich bin Innenverteidiger. Und um es klarzustellen: Ich bin Sabin. Mein Bruder ist Stürmer, er heißt Sadin!“ Sabin geht auf Nummer sicher, damit der Zuhörer wirklich den Unterschied versteht. Denn in diesem Text sollen die Fakten stimmen und nicht für Verwechslungen sorgen. Da nur Sabin sich im Gespräch äußert, folgt ein unbedeutenderes Merkmal, weil kein Wesensmerkmal. Nach drei Jahren in Deutschland spricht nur Sabin die neue Sprache. Aber der verteidigende Zwillingsbruder baut vor, um seinen geliebten Bruder nicht auszuschließen: „Sadin lernt Deutsch. Er hätte aber sowieso alles so gesagt, wie ich es sage.“

Sadin Basic ist auf alle Fälle witzig

Und so ergibt dann trotzdem einen Sinn, was Kayabasi erläuternd hinzufügt: „Wir verstehen zwar nicht immer genau, was Sadin uns mitteilen will, aber er ist auf alle Fälle sehr witzig. Mit ihm haben wir richtig Spaß.“ Anders der Bruder: „Sabin organisiert unsere Defensive, er spricht viel und klar, aber immer positiv.“

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Kurzum: Wo die Brüder auftauchen, kommt gute Stimmung auf. Also sind wir automatisch wieder bei den bedingungslosen Verbindungen. Und die beginnen vor 28 Jahren in Bosnien-Herzegowina. In der eigenen Wohnung, stellt der Fußballer klar, hätten Spielchen auf Kosten der Eltern nichts gebracht. „Sie wussten sehr wohl, wer wer ist. Und wir haben schnell gelernt, unsere Namen auseinanderzuhalten, wenn sie uns riefen.“ Später aber erlaubten sich die Basics das eine oder andere Spielchen mit Freunden, Teamkollegen und Trainern. Kayabasi beispielsweise räumt ein: „Ich muss selbst ständig überlegen, ob ich Sadin mit d oder Sabin mit b rufen will. Versprecher oder Verwechslungen passieren uns allen ab und an. Dann kommt die Antwort von einem der beiden – versehen mit einem Lachen: Meinst du jetzt wirklich mich?“

Beide begannen früh mit dem Fußball. „Wir waren von da an immer überall gemeinsam“, sagt Sabin. Kaum sind die Brüder im Privatleben weiter voneinander entfernt als auf dem Platz, wenn der eine vorne angreift und der andere weit hinten für Sicherheit sorgt.

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Sollte also mal ein neuer Verein auf die Idee kommen, einen Spieler verpflichten zu wollen, dürfte auf dem Angebotsschild stehen: „Sind nur zu zweit zu haben.“ So war es auch, als die beiden vor ungefähr zwölf Jahren zum ersten Mal nach Deutschland kamen. Die Juniorenabteilung des damaligen Zweitligisten LR Ahlen (heute RW Ahlen) fand Gefallen an den Fußballkünsten der Zwillinge, die im normalen Leben immer so gleich, nur auf dem Feld anders waren. Fast alles sprach für ein Engagement in der U17 des Klubs. „Das Probetraining lief super. Ahlen wollten uns haben. Das einzige Problem: Es fehlten ein paar Papiere.“ So zerschlug sich zunächst der jugendliche Traum der Brüder, in Deutschland dem Profitum nahe zu kommen.

Sie kickten für NK TOSK Tesanj

Also kickten Sabin und Sadin in der 1. bosnischen U19-Liga und dann gemeinsam für NK TOSK Tesanj. in der 2. bosnischen Liga. Dann zog es die Brüder wieder nach Deutschland. „Ihr Leben in Bosnien war nicht so leicht“, fasst Kayabasi die Beweggründe der VfL-Twins kurz zusammen. Erste Anlaufstation war der damalige Landesligist VfL. Von dort zog es sie zunächst eine Liga höher zum Lüner SV. dann zum TuS Rahm. Jetzt kehrten sie zum VfL zurück. „Wir fühlen uns sehr wohl im Verein. Selbst wenn wir in diesem Jahr nur die Liga halten wollen, greifen wir kommendes Jahr hoffentlich oben an. Nur müssen wir uns jetzt mit den vielen Neuen erst einmal finden.“ Trotz ihrer früherer Ambitionen und Erfahrungen aus höheren Ligen haben sich die Kemminghauser keine Phantasten, sondern bodenständige Typen geholt.

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Auf ihren Positionen und in jedem Training, und das vereint die ungefähr 1,90 Meter großen Zwillinge auch, sind sie zuverlässige Spieler mit Präsenz . „Sie verpassen kein Training, auf die Jungs ist absolut Verlass“, weiß Kayabasi den Einsatz der Brüder zu schätzen. Größe, Charakter, Interessen, Vereine und bis auf eine kleine Nuance, sprich einen Buchstaben, auch die Vornamen – die Basics sind wirklich von klein auf bis heute ein Herz und eine Seele! Wenn diese Metapher eine Berechtigung hat, dann bei diesen beiden Frohnaturen, die es in die Ferne zog.

Der VfL bietet ihnen eine neue sportliche Heimat. Dass sie mit ihrer Leidenschaft ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, wissen sie längst. Also fanden sie Arbeit. Und dann, wenn sie Freizeit haben, sitzen Sadin und Sabin wieder wie kleine unzertrennlichen Jungs nebeneinander vor dem Fernseher. Sie zocken an der Playstation. Der Weg ist nicht weit. Schließlich wohnen sie auch zusammen. War eigentlich klar.

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