Brackels David Graudejus in der Zwickmühle

Fußball oder Futsal?

Fußball oder Futsal – das ist zumindest mittel- bis langfristig die Frage für David Graudejus. "Vier, fünf Jahre lang werde ich beides parallel zueinander auf diesem Level sicherlich nicht mehr spielen können", sagt der Torhüter des Fußball-Westfalenligisten SV Brackel 06 und des Futsal-Regionalligisten Holzpfosten Schwerte.

von Udo Stark

DORTMUND

, 15.11.2016, 10:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Brackels David Graudejus in der Zwickmühle

Holzpfosten-Schlussmann David Graudejus war der große Rückhalt für seine Mannschaft. Er parierte einen Sechsmeter und kratzte einen Schuss der Gäste aus Paderborn in der Schlussphase noch von der Linie.

"Der Aufwand ist riesig. Und teilen kann ich mich ja nicht…", sagt Graudejus. Der 24-Jährige ist nach diesem Wochenende noch mehr ins Grübeln geraten, erlebte er doch innerhalb von drei Tagen die Sonnenseiten beider Sportarten.

"Bestes Saisonspiel"

Am Freitag und Samstag absolvierte er einen Torhüter-Lehrgang der Futsal-Nationalmannschaft in der hessischen Sportschule Grünberg, am Sonntag spielte er mit Brackel in Herne um Westfalenliga-Punkte – und war als bester Mann auf dem Platz Garant für das überraschende 0:0 beim Tabellenführer. Der Auftritt hatte ihm sichtlich gutgetan, und die Komplimente seines Trainers Jörg Lange und seiner Kollegen nahm er dankend an. Es war auch nach eigener Einschätzung „mein bislang bestes Saisonspiel“.

Jörg Lange ist hoch zufrieden mit der Entwicklung seiner Nummer eins. Futsal, die „zweite Liebe“, vermutet der Brackeler Coach, könnte ihm dabei durchaus geholfen haben: „Es ist ja ein relativ schneller Sport, der die Reaktionen schult. Und auch das Spiel mit dem Ball kann ein Torhüter dabei verbessern.“ Was David Graudejus genauso bestätigt: „Reflexe und Beinarbeit sind definitiv besser geworden, seitdem ich Futsal spiele.“ Und das machte er schon zu seiner Zeit in Hombruch, bevor er 2015 ans Hallenbad wechselte.

Das Zeitproblem

Noch bringt der gelernte Industriekaufmann alles unter einen Hut, Fußball und Futsal, Beruf und Privatleben. „Aber der Faktor Zeit“, sagt er, „ist das größte Problem.“ Während der Saison vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht zwischen den Pfosten steht: unter der Woche wechselweise Training in Brackel und Schwerte, am Samstag dann ein Spiel in der höchsten deutschen Futsal-Liga und sonntags ruft die Fußball-Westfalenliga. Klar: auf Dauer kann das nicht so weiter gehen.

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„Eigentlich“, verriet er, „hatte ich daran gedacht, schon im Sommer in Brackel aufzuhören. Doch dann verliefen die Gespräche so positiv, dass ich gerne eine weitere Saison drangehängt habe.“ Doch müsste er sich heute festlegen, würde er sich wohl für Futsal entscheiden: „Weil mir dieser Sport unfassbar viel Spaß macht und dort die Perspektive wesentlich besser ist, etwas mehr zu erreichen.“ Etwas mehr – das könnte die Deutsche Meisterschaft sein (derzeit führen die Holzpfosten die Tabelle der Westgruppe an), oder gar die Nationalmannschaft.

Kontakt zum Eliteteam

Grünberg war sein erster Kontakt zum Eliteteam. Mit neun weiteren Keepern arbeitete er speziell im taktischen und futsaltechnischen Bereich, dazu kamen Athletik- und Kraftübungen. „Ich glaube, ich habe nicht zu viel falsch gemacht“, hofft Graudejus, als einer der Perspektivspieler wiederkommen zu dürfen.

Und Fußball? Natürlich will er mit weiteren starken Leistungen zum Klassenverbleib des SV Brackel beitragen. Bevor es soweit ist, wird er sich jedoch erneut die Frage stellen, wie es in der nächsten Spielzeit weitergehen soll: „In der Winterpause werde ich mir darüber ernsthafte Gedanken machen. Ganz sicher werde ich auch weiterhin Fußball spielen. Offen ist nur, auf welchem Niveau.“

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