BVB-Abteilungsleiter Andreas Heiermann: "Weichen sind gestellt"

2. Handball-Bundesliga

Selten zuvor in seiner fünfjährigen Amtszeit, gibt Andreas Heiermann (47) zu, sei er so entspannt in eine neue Handball-Saison gegangen wie in diesem Sommer. „Wir haben wichtige Grundlagen gelegt, viele Dinge angestoßen“, sagt der Leiter der BVB-Handballabteilung. Ein Gespräch über die neue Ära auf der Trainerbank, mittelfristige Ziele und frisches Selbstwertgefühl in der Abteilung.

DORTMUND

26.08.2011, 17:08 Uhr / Lesedauer: 3 min
Andreas Heiermann (l., mit Vorstandsmitglied Jochen Busch) sieht die BVB-Handballabteilung vor dem Saisonstart in der neuen eingleisigen 2. Bundesliga auf einem guten Weg.

Andreas Heiermann (l., mit Vorstandsmitglied Jochen Busch) sieht die BVB-Handballabteilung vor dem Saisonstart in der neuen eingleisigen 2. Bundesliga auf einem guten Weg.

Ich weiß das. Einen Trainer kann man entlassen, wenn Trainer und Manager in Personalunion arbeiten, wird das schwieriger. Wir sind aber sicher nicht mit dem Profi-Fußball vergleichbar. Bei uns herrscht vergleichsweise geringer Druck. Wir haben keine konkrete Vorgabe für die 2. Liga. Wenn wir im Mittelfeld einlaufen, ist alles in Ordnung. Unser Ziel ist, nachhaltig etwas zu entwickeln.

Wir wollen, dass die einzelnen Teams zusammenwachsen. Unsere 2. Mannschaft hat Vogler in die Regionalliga geführt, das ist nur eine Klasse unter der 2. Bundesliga. Auch die A-Jugend wird jetzt mit eingebunden. Es finden gemeinsame Trainingseinheiten statt, alle arbeiten nach einem Konzept, der Austausch und Kontakt zwischen den Trainern ist ideal und regelmäßig. Ziel ist eine bessere Durchlässigkeit. Auf lange Sicht wollen wir die Talente selber ausbilden und der erste Anlaufpunkt für talentierte Spielerinnen aus der Region sein.

Und wer könnte ein besseres Vorbild sein? Wir sehen doch im eigenen Haus, wie gut das funktionieren kann.

Ich mag beide von ihrer Art her. Gustl war als Trainer sehr impulsiv, auf der anderen Seite mit zunehmendem Alter aber auch ein väterlich Freund, der viel Verständnis hatte. Alice ist besonnen, hört immer mehrere Seiten, bevor sie entscheidet und würde nie in Aktionismus verfallen (schmunzelt). Die Mannschaft hat jetzt vielleicht sogar etwas mehr Druck, aber die Art von Alice kommt sehr gut an.

Er ist für Alice Vogler Gold wert. Helmut ist bissig, hat enormes Fachwissen und ich habe ihn als extrem loyalen Arbeiter kennengelernt.

Ich hatte ihn mit Thomas Happe seinerzeit als Gegner. Dieses Engagement in der Sache aber habe ich schon damals an ihm geschätzt, unabhängig davon, dass wir anderer Meinung waren. Mit dem gleichen Engagement steht er jetzt hinter Alice Vogler. Und das ist genau das, was wir brauchen. Er ist ein Macher.

ch bin da absolut entspannt. Wie schon gesagt, wir haben keinen Druck. Wir haben keine größeren Investitionen getätigt. Wenn wir Druck haben, dann kommt der von innen. Weil hier Spielerinnen sind, die etwas lernen wollen, die etwas erreichen wollen. Glauben Sie, Typen wie Dagmara Kowalska oder Zuzana Porvaznikova verlieren gern? Die wollen immer gewinnen.

Es gibt doch drei Möglichkeiten, wie man einen Verein führt. Version A ist die, man holt teure Leute, die müssen´s dann rausreißen. Version B ist die, man holt junge, entwicklungsfähige Spielerinnen und man verfolgt einen langfristigen Plan. Das ist aus meiner Sicht ganz wichtig. Oder Version C: Man ist in Not, holt irgendwen und betet, dass es funktioniert.

Ja, aber daraus kann uns niemand einen Vorwurf machen. Wir konnten zum Teil ja gar nicht längerfristig planen. Für Plan A haben wir kein Geld, der gefällt mir ohnehin nicht. Ich bin begeistert von Version B und glaube, dass das der richtige Weg ist. Und ich spüre schon eine neue Begeisterung, eine Aufbruchsstimmung.

Ich glaube, dass wir durch die Ruhe und durch das seriöse Arbeiten an Akzeptanz gewonnen haben. Ich spüre auch für mich Rückendeckung. Das war nach Jahren des Gegenwindes und vieler Nackenschläge wichtig und hat mir Kraft gegeben. Wir haben die Weichen gestellt. Wenn wir diesen Weg weitergehen, wird es auch mit der Abteilung weitergehen. Da bin ich sicher.

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