Die U23 des BVB fährt gegen Alemannia Aachen Achterbahn am Tivoli

Fußball-Regionalliga

Zurückgelegen, geführt und spät den Ausgleich kassiert. Trotzdem waren die Akteure des BVB II am Samstagnachmittag glücklich über das Ergebnis. Einen besonderen Moment hatte Torhüter Unbehaun.

Dortmund

von Christoph Pauli

, 01.02.2020, 18:54 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die U23 des BVB fährt gegen Alemannia Aachen Achterbahn am Tivoli

Joseph Boyamba (r.) traf zur BVB-Führung. © Dortmunder Sportfotografie / Schulze

Später am Spielende saßen die beiden Trainer erschöpft nebeneinander, sie waren durchgeschüttelt wie am Ende einer Achterbahnfahrt. Die Partie zwischen Alemannia Aachen und Borussia Dortmunds U 23 war nie zur Ruhe gekommen. 3:3 war der Endstand, nach 12:6 Torschüssen hätte einerseits ein deutlicher Aachener Sieg herauskommen können. Aber andererseits hätte der Nachwuchs des Bundesligisten auf der Zielgeraden durchaus noch Treffer erzielen können.

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Die Aachener hatten 2:0 geführt, sie ließen Strafstoß und weitere Großchancen aus, bekamen einen regulären Treffer aberkannt – und mussten sich am Ende des Spieltags fast noch mit dem spät erzielten Ausgleichstreffer anfreunden. „Unser Aufwand ist gigantisch. Für mein Empfinden hätten wir mehr verdient gehabt“, haderte nicht nur Angreifer Florian Rüter nach Spielende. Zwei Drittel des Spiels gingen an die Aachener gegangen, in dem anderen Drittel aber nahmen die Gäste entschlossen die Geschenke der Gastgeber an.

André Wallenborn trifft für Alemannia Aachen

Aachens Trainer Fuat Kilic hatte ein bisschen neu sortiert nach der Auftaktpleite beim TuS Haltern. Kapitän Peter Hackenberg kehrte zurück, aber noch mehr sollte sich ein Systemwechsel zum 3-4-1-2 auswirken, so war der Plan. Erste Chance, erster Treffer. Den Eckball von Sebastian Schmitt legte Boesen per Kopf auf, André Wallenborn vollendete mühelos aus zehn Metern zum 1:0.

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Gespielt waren 150 Sekunden, eine Beruhigungspille für das angekratzte Selbstvertrauen. Die schnelle Führung gab Sicherheit. Die Gäste wirkten überrumpelt. Robin Garnier setzte sich auf dem rechten Flügel durch, seine Hereingabe verpasste Florian Rüter noch, aber Schmitt krönte mühelos den schönen Angriff zum 2:0 (17.). Eine Parallele zum Hinspiel.

Mike Tullberg wechselt schon nach 24 Minuten das System

Die Aachener hatten die Sache unerwartet gut im Griff, es sah nach einem souveränen Erfolg aus. Boesen und Wallenborn verpassten nach der nächsten Garnier-Flanke knapp den dritten Treffer (20.). Dortmunds Coach Mike Tullberg zog die Notbremse. Nach 24 Minuten wechselte er das System auf 5-3-2 und Kolbeinn Finnsson gegen Taylan Duman aus, um seine linke Seite endlich besser abdichten zu können. „Man sieht unsere Stärke bei Ballbesitz, man sieht aber auch unsere Probleme beim Spiel gegen den Ball“, analysierte der junge Trainer später.

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Zwei ruhende Bälle reichten aus, um mit ziemlicher Verspätung ins Spiel zu kommen. Aachens Torwart Ricco Cymer irrte nach einem Eckball durch seinen Strafraum, der Ball flipperte hin und her, und irgendwann kullerte Raschl ihn ins Netz zum 2:1 (26.). Ein einziger Treffer reichte aus für einen Wackelkontakt in Aachens Defensive. Die nächste Ecke sorgte schon für den Ausgleich, der Ball flog Alexander Heinze vor die Hüfte, Eigentor: 2:2 (28.). Innerhalb von 100 Sekunden war jegliche Sicherheit verflogen, fortan löste fast jede Flanke Alarm im Aachener Strafraum aus.

BVB-Spieler Tigges scheitert an Keeper Cymer

Keeper Cymer war angeknockt, „die Unruhe im Publikum ist auch kein Vorteil“, bilanzierte Aachens Trainer Fuat Kilic. Der Schlussmann stellte dann vor dem Wechsel noch sein Können unter Beweis, wehrte reaktionsschnell einen Schuss von Steffen Tigges ab (44.).

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Der zweite Durchgang begann mit einer Eselei von Dortmunds Marco Rente, der Sebastian Schmitt sinnfrei aus dem Strafraum schubste. Dortmunds Torhüter Luca Unbehaun aber hielt nicht nur den Elfmeter von Vincent Boesen, sondern vor allen auch noch den Nachschuss des eingewechselten Kai Bösings (52.). Das Spiel nahm wieder Fahrt auf, Rakk tauchte alleine vor Unbehaun auf, um den Ball am Tor vorbeizuschieben (54.).

BVB zeigt sich extrem effektiv

Eine Lektion in Sachen Effektivität bekamen die Aachener vom Gegner. Heinze verlor das Duell gegen Steffen Tigges, Querpass, mühelos schob Joseph Boyamba zum 2:3 ein (61.). Am Spielfeldrand feierte sein Trainer. „Es ist schon imponierend wie diese junge Mannschaft ohne auch nur einen erfahrenen Spieler das Ding gedreht hat.“ Die Dortmunder strapazierten weiter ihr Glückskonto. Beim regulären Kopfballtreffer von Schmitt entschieden die Schiedsrichter auf „Abseits“ (64.).

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Die Aachener setzten nach. „Gefühlt hat Aachen 80 Prozent der Zweikämpfe gewonnen“, beobachtete Tullberg am Spielfeldrand. Die Belohnung war ein fulminanter Treffer von Florian Rüter in den Winkel zum 3:3 nach 82 Minuten. Entschieden war der Schlagabtausch damit noch nicht. Aber Cymer rettete noch einmal gegen Tigges (85.), in der Nachspielzeit zischte ein Schuss von Taylan Duman knapp am Aachener Tor vorbei. „Das war ziemlich vogelwild heute“, urteilte Dortmunds Marco Hober, „ohne, dass ich dafür eine Erklärung habe. Den glücklichen Punkt nehmen wir natürlich gerne mit nach Hause.“

Alemannia: Cymer - Fiedler, Heinze, Hackenberg - Garnier (46. Özkan) Müller (46. Bösing/73.Benteke), Rakk (66. Batarilo), Wallenborn - Boesen - Schmitt, Rüter

Dortmund II: Unbehaun - Schwermann, Rente, Bünning - Morey (46. Hippe), Hober (85. Tunga Malanga), Raschl, Führich, Finsson (24. Duman) - Tigges, Boyamba

Schiedsrichter: Holz (Münster)

Zuschauer: 4800

Tore: 1:0 Wallenborn (3.), 2:0 Schmitt (17.) , 2:1 Raschl (26.) , 2:2 Heinze (28./Eigentor), 2:3 Boyamba (61.) 3:3 Rüter (82.)

Gelbe Karten: Schmitt (4), Boesen (3), Batarilo (4), Heinze (4)/Hober, Morey

Bes. Vorkommnis: Unbehaun hält Foulelfmeter von Boesen ab (52.)
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