BVB-U23 reist zu RWE an die Hafenstraße: Ein Duell mit viel Brisanz

Borussia Dortmund II

Wenn der BVB II am Mittwoch zum Top-Spiel nach Essen reist, wird nicht die Meisterschaft entschieden. Dennoch ist es ein Spiel mit viel Brisanz. Zwischen den Klubs knisterte es zuletzt.

Dortmund

, 16.03.2021, 16:53 Uhr / Lesedauer: 3 min
Essen hatte vor der Saison auch großes Interesse an Enrico Maaßen.

Essen hatte vor der Saison auch großes Interesse an Enrico Maaßen. © Bielefeld

Dieser Tage macht der BVB II alles wie gewohnt. Vor dem Gipfeltreffen mit RW Essen sollen alle Dinge ihren Weg gehen, so alltäglich und so normal wie möglich als stünde ein völlig normales Spiel bevor – und kein Duell allzu großer Tragweite. Ein Ablaufplan als Leitlinie, die Orientierung schafft und dabei hilft, den Fokus zu behalten. Derart könnte man dies deuten. Dabei ist gewiss allen klar, dass die Normalität mal kurz Pause hat.

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Denn wenn die Dortmunder U23 am Mittwoch (19.30 Uhr, wir berichten im Liveticker) an der Hafenstraße gastiert – unweit von „Boss“ Helmut Rahn, der seit 17 Jahren vor den Toren des Stadions Essen noch einmal zum Schuss ansetzt, aber nie schießt, weil er nun mal aus Bronze ist –, dann ist das kein Spiel, das in jeder Woche vonstatten geht. Es ist eine Regionalliga-Partie mit Brisanz – einerseits tabellarisch, andererseits personell.

BVB-U23 reist als Tabellenführer an

Punkt eins ist zügig abgehakt: Der BVB II besetzt aktuell die Spitzenposition, die zum Drittliga-Aufstieg qualifiziert. Die Mannschaft von Trainer Enrico Maaßen ist vier Zähler besser als der Gastgeber, der allerdings ein Spiel weniger absolviert hat. Beide Belegschaften punkten so hartnäckig konstant, dass alles auf ein Fernduell bis zum Ende hindeutet. So viel kann man sagen: Die Meisterschaft wird nicht am Mittwoch entschieden.

Doch – und das gehört weiterhin zu Punkt eins – der Sieger dieses Duells, das hat BVB-Mittelfeldmann Franz Pfanne ausgeführt, könne natürlich in „einen Flow“ geraten, während der Verlierer mit dem Dämpfer klarkommen muss. Das Ergebnis dieses Aufeinandertreffens wird also sowohl aufs Punkte-Konto schlagen als auch auf die Psyche. Logisch, dass die Borussia den von Pfanne genannten „Flow“ in die nächsten Wochen nehmen möchte.

BVB-U23-Trainer Maaßen sagte Rot-Weiss Essen ab

Wären wir bei Punkt zwei, dem Personal, das dem Aufeinandertreffen RWE vs. BVB noch mehr Würze beimischt als es ohnehin besitzt. Da ist zum einen Dortmunds Trainer Enrico Maaßen, um den sich Essen im Sommer so sehr bemühte. Liebend gern hätten die Rot-Weissen den Erfolgstrainer unter Vertrag genommen, er erbat sich Bedenkzeit, sagte letztlich RWE ab und dem BVB zu. Dortmund schien ihm sinniger, interessanter, lehrreicher.

Und Essen? Fiel hernach ab und auf mit Wortbeiträgen, die von den einen Beobachtern als völlig normal gewertet wurden. Und von den anderen Zusehern als Versuch, dem Konkurrenten Unruhe in den Betrieb zu reden. Der Höhepunkt dessen war: der „Akt Blocki“. „Blocki“, so nennt Coach Maaßen Co-Trainer Sebastian Block. Viel tritt er für gewöhnlich nicht in der Öffentlichkeit auf – doch Ende November war sein Name plötzlich sehr präsent.

RWE mokiert sich öffentlich

Dafür ursächlich zeichneten die RWE-Bosse. Die gaben vor, mit Block im Sommer über ein Engagement Einigkeit erzielt zu haben, zumindest mündlich – und zeigten sich verwundert, dass der hauptamtliche Lehrer stattdessen beim BVB unterschrieb, als zeitweiliger Mitarbeiter und Assistent von Maaßen. Essens Verantwortliche hätten das schlicht akzeptieren können. Stattdessen holten sie die Keule heraus, mokierten sich öffentlich.

Von außen wirkte RWE deshalb zuweilen wie der verbissene Typ am Tischkicker, der wild an den Griffen kurbelt, kräftig schießt, dabei jedoch ab und an die Spielerpuppen kreiseln lässt, was gemeinhin als regelwidrig gilt. Die Borussia kam derweil daher als die konzentrierte Konkurrentin, die auf die sich bietende Chance zum gezielten, präzisen Schuss lauert – abwartend, grundseriös, ohne viel Tamtam zu veranstalten.

RWE gegen BVB: Absage des Topspiels war der nächste Aufreger

Wo wir auf Umwegen wieder bei dieser Woche wären - und dem Top-Spiel, das mit mehrwöchiger Verspätung stattfindet. Weil die Stadt Essen zuvor den Rasen als unbespielbar einstufte, was wiederum den nächsten Aufreger provozierte. Ob all dies am Mittwoch vergessen ist? Wer weiß. Manche Episode dieses Duells eignet sich gewiss dafür, die eigene Truppe kurz vor Anpfiff emotional noch mal zu packen und zu entzünden, wie es heißt.

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Denn klar ist: In ein alltägliches, normales Duell zieht der BVB II an diesem Mittwoch sicherlich nicht. Normal ist einzig, dass „Boss“ Rahn zum Schuss ansetzt und auch diesmal nicht schießen wird, weil er aus Bronze ist. Eine Erinnerung an die sportlich gute, alte Zeit, in die sich Essen so sehr zurücksehnt.

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