BVB U23-Trainer Mike Tullberg: „Das ist keine Mentalitätsfrage, sondern eine Qualitätsfrage“

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Die Stimmung unter der Woche war bei der U23 des BVB prächtig. Doch nun geht es gegen den Tabellenführer. Bei dieser schweren Aufgabe mithelfen, könnten einige Kicker aus der U19.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 06.03.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Abschlusstraining vor dem Duell bei Tabellenführer SV Rödighausen (Samstag, 14 Uhr) endete mit einer Schussübung – und bester Laune. In zwei freilich streng konkurrierende Gruppen aufgeteilt wurden die Bälle aufs Tor gedroschen, Trainer Mike Tullberg zog sich gleichfalls ein Leibchen über.

Lachend und lautstark beschwerte sich der frühere Profi-Angreifer über die (vermeintlichen) Unzulänglichkeiten seiner Teampartner, Kapitän Joseph Boyamba formulierte nur beschwichtigend: „So gut wie du können wir nicht schießen.“

Tullberg traf letztlich in drei von vier Versuchen, allein der letzte missriet ihm. Es wurde gejohlt, geflucht, gefeixt. „Kurzes Eck, lange Gesichter“, jauchzte Steffen Tigges nach einem erfolgreichem Torschuss in Richtung seiner Mitspieler. Und schon gibbelte das BVB-Kollegium wieder kollektiv.

Nur eine Pleite in neun Auswärtsspielen

Da das Heimspiel gegen Kölns U23 ausfiel — der Rote-Erde Rasen war in noch schlechterem Zustand als ohnehin und deshalb unbespielbar —, sind seit dem 2:2 in Homberg nunmehr zwei Wochen verstrichen.

Die Freude aufs erste wirkliche Topspiel in 2020 stieg seither stetig. An der Trainingsbelastung hat Fußballlehrer Tullberg nicht viel verändert. Dortmunds U23 versucht, irgendwie im Rhythmus zu bleiben. Gewiss kein einfaches Unterfangen, muss die Borussia nach dem Rödinghausen-Spiel doch erneut zwei Wochen überbrücken, ehe mit Rot-Weiß Oberhausen der dann nächste Top-Gegner in der vierten Auswärtspartie in Serie wartet.

„In den letzten neun Auswärtsspielen“, rechnet Tullberg vor, „haben wir nur eine Niederlage kassiert.“ Das 0:2 in Verl. Selbstbewusst dürften und sollten die Seinen deshalb die Dienstreise nach Ostwestfalen antreten, wenngleich Rödinghausen zur obersten Regionalliga-Güteklasse gehöre.

„Die sind abgezockt und stehen zurecht da oben“, bemerkt Tullberg, der auf das 0:4 im Hinspiel angesprochen keinesfalls in Missmut verfällt. „Rödinghausen hatte nicht mehr Spielanteile als wir“, so der 34-Jährige. Der Dorfklub war schlicht effizienter und verteidigte ohne groben Fehler.

„Keine Mentalitätsfrage sondern eine Qualitätsfrage“

Ein Ansinnen, dass sie im BVB-Lager schon seit Monaten verfolgen - und bisher konsequent verfehlen. Immer wieder passieren individuelle Defensiv-Patzer, die wiederum immer wieder Punkte kosten.

Mike Tullberg tüftelt noch daran, wie er mehr Konstanz in das Spiel der BVB U23 bekommt.

Mike Tullberg tüftelt noch daran, wie er mehr Konstanz in das Spiel der BVB U23 bekommt. © Thomas Bielefeld

Häufig gingen die Dortmunder dadurch zuletzt in Rückstand. „Das ist keine Mentalitätsfrage, sondern eine Qualitätsfrage“, sagt Tullberg. „Wir arbeiten daran.“ Mit möglichst viel Ruhe und Geduld. So wird Torwarttalent Luca Unbehaun nach seinem folgenschweren Fehlgriff in Homberg natürlich wieder im Tor stehen dürfen. Der kürzlich 19 Jahre alt gewordene Schlussmann sei „stark genug, um nicht den Kopf in den Sand zu stecken“, so Tullberg.

Fehler passierten halt, und gerade ein Team mit solch einer Fülle an Jungspunden mache zuweilen solche Fehler. „Luca spielt erstmal bis zum Sommer. Diese Möglichkeit wird er bekommen“, bekräftigt der U23-Trainer.

Mateu Morey und Leonardo Balerdi sind Kandidaten

Ob Mateu Morey oder Leonardo Balerdi aus dem Profi-Kader ins Aufgebot rutschen, war am frühen Freitagabend hingegen noch ebenso ungewiss, wie die Beantwortung der Frage, ob einer der U19-Akteure Alaa Bakir, Reda Khadra oder Ramzi Ferjani in Rödinghausen dabei sein wird.

Unter der Woche trainierte dieses Trio im Kreise des BVB II und machte es „ordentlich“ laut Tullberg, der hofft, „dass wir künftig immer mehr Dortmunder Jungs in der U23 integrieren können und nicht nur externe Spieler dazukommen.“ Potenziell Hochbefähigte, das ist nicht erst seit kurzem deutlich geworden, will der langjährige Juniorentrainer behutsam an den Seniorenfußball heranführen. Sie würden zunächst mal einen Bankplatz zugewiesen bekommen.

Das Stammpersonal übte am Freitag mit Viererabwehrkette, Maximilian Hippe war rechts außen positioniert, Marco Rente und Lars Bünning innen sowie Kolbeinn Finnsson links draußen.

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Im siebten Ligaspiel in Folge könnten die Borussen ungeschlagen bleiben, ihre Serie also weiter ausbauen. „Wir fahren nach Rödinghausen“, sagt Tullberg, „um unser Spiel durchzusetzen.“ Forsch, ohne Angst, angriffslustig wie üblich und diesmal möglichst fehlerfrei. Das wäre das Ideal, um final dann auch mit einem Grinsen wieder heimfahren zu können.

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