Dortmunds Bob-Anschieber Christopher Weber kommt ohne Medaille von der Weltmeisterschaft in Whistler zurück. Die Enttäuschung ist aber nicht so groß wie die Erleichterung.

Dortmund

, 11.03.2019, 11:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn man hinterher nur noch glücklich ist, heil davongekommen zu sein, dann spielen Medaillen gar keine so große Rolle mehr. Für Christopher Weber, der mit großen Ambitionen und noch größerer Vorfreude zur Bob-Weltmeisterschaft nach Whistler geflogen war, verhielt es sich aber genau so: „Ich bin froh, dass wir diese geisteskranke Bahn ohne Stürze und ohne Verletzungen überlebt haben. Du fährst hier mit 155 Sachen in einer Badewanne die Bahn runter. Das ist auch nicht alltäglich.“

Medaille war das Ziel

Die Bahn von Whistler ist tatsächlich eine der schwierigsten der Welt. Trotzdem hatte sich das Bobteam von Johannes „Hansi“ Lochner mit Weber im Zweier und im Vierer jeweils eine Medaille als realistisches Ziel gesetzt: „Wir dachten nach Calgary, einer Bahn, die der Hansi vorher auch noch nicht so gut kannte und auf der wir direkt aufs Podium gefahren sind, dass wir richtig was reißen können“, sagt Weber. Hinterher muss er zugeben: „Wir haben uns enorm schwergetan.“

Christopher Weber kehrte ohne Medaille aus Whistler zurück.

Christopher Weber kehrte ohne Medaille aus Whistler zurück. © Stephan Schütze

Im Zweier landeten die beiden auf Rang acht (wir berichteten), im Vierer am Ende sogar noch einen Platz weiter hinten, Weltmeister auf beiden Strecken wurde Francesco Friedrich: „Das ist nicht unser Anspruch“, sagt Weber, der für das WM-Fazit ohne Umwege das S-Wort benutzt: „Whistler war scheiße. Das ist einfach so.“ Er selbst konnte allerdings wenig dafür: „Die Starts waren okay, die haben eigentlich gepasst.“

„Nach dem Rennen ist auch keiner dem anderen böse, der Hansi fährt ja auch nicht mit Absicht auf zwei Kufen raus.“
Christopher Weber

Doch dann fuhr die gelbe Badewanne vor allem zwischen der vierten und fünften Kurve nur noch auf zwei Kufen, einmal schlugen sogar Funken. Erst im letzten Lauf kamen Lochner, Weber & Co. ohne Probleme durch den Eiskanal: „Wenn alle Läufe so gewesen wären, hätte es wahrscheinlich sogar geklappt, ums Podium mitzukämpfen“, sagt Weber, der seinem Pilot aber keine Vorwürfe macht: „Die Stimmung im Team war vollkommen in Ordnung. Nach dem Rennen ist auch keiner dem anderen böse, der Hansi fährt ja auch nicht mit Absicht auf zwei Kufen raus. Der will genauso ungern wie wir auf der Seite runterfahren.“

Denn das hatten sie ja dieses Jahr schon. In Altenberg, Kurve 12, legte sich Lochners neuer Schlitten auf die Seite, Weber verbrannte sich Haut, musste operiert werden und fiel knapp zwei Wochen aus: „Da hab ich schon mit zu kämpfen gehabt. Das war ärgerlich, da geht was von der Form verloren“, sagt Weber, der nach dem letzten Rennen der Saison hinzufügt: „Insgesamt hatten wir uns nach der anstrengenden Vorbereitung mehr erhofft. Aber es war ein einziges Auf und Ab.“

Lange Rückreise nach Dortmund

Eines, das nun mit einer langen Rückreise endet. Von Vancouver über Toronto und Frankfurt geht es zurück nach Dortmund. „Das wird nach einer durchgemachten Nacht sicher anstrengend“, lacht Weber, „aber das müssen wir abkönnen.“

Denn natürlich haben sie den Abend nach dem letzten Rennen in Whistler noch genutzt, um ein bisschen zu feiern. Ohne Medaille zwar. Aber mit dem Wissen, dass sie die Saison gesund zuende gefahren haben. Die WM im nächsten Jahr findet übrigens in Altenberg statt. Vielleicht schließt sich da ja ein Kreis …

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