Christopher Weber hat die vergeigten Olympischen Spiele abgehakt, seine Verletzung vom Jahresbeginn auskuriert und ist nun bei der WM in Kanada. Dort wartet „ein Übermensch“.

Dortmund

, 27.02.2019, 14:14 Uhr / Lesedauer: 4 min

Neun Stunden beträgt der Zeitunterschied zwischen dem kanadischen Whistler und Dortmund. Während Christopher Weber sich also gerade zum Morgentraining fertigmacht, geht rund um das U die Sonne unter.

Weber ist wieder voll da

Sportlich ging sie für Weber am vergangenen Wochenende endlich wieder auf. Nach einem Sturz Anfang Januar in Altenberg, bei dem er sich starke Verbrennungen zuzog, wurde der Anschieber operiert.

Hier kann man sich den heftigen Sturz noch einmal anschauen:

Seine Pause dauerte bis zum Weltcup-Finale in Calgary, bei dem er zusammen mit Johannes „Hansi“ Lochner zweimal auf Rang 3 fuhr. Weber ist also wieder voll da – und bereit für die Weltmeisterschaft, die am Freitag mit dem Zweierbob beginnt.

Christopher, wo erreichen wir Sie gerade?

Wir sind schon in Whistler, am Dienstag sind wir von Calgary aus hierhergereist.

Sie waren jetzt seit Anfang Januar – dem Sturz in Altenberg – und bis zum vergangenen Wochenende nicht mehr im Bob, korrekt?

Das stimmt, trainiert habe ich aber trotzdem fast die ganze Zeit. Ich war sieben Tage im Krankenhaus in München, bin am achten Tag nach Dortmund gefahren, habe die Reise am neunten Tag auskuriert und bin dann am zehnten Tag wieder ins Training eingestiegen. Im Prinzip habe ich also eineinhalb Wochen nicht trainiert.

Behindert Sie die Verletzung aus Altenberg noch?

Sportlich überhaupt nicht mehr, ich muss aber noch regelmäßig draufschauen lassen und das Ganze eincremen. Das ist ein bisschen lästig.

Mussten Sie sich in den letzten Wochen selbst ein bisschen bremsen, weil Sie schnell wieder in den Eiskanal wollten?

Klar wäre ich lieber die ganze Saison gefahren. Aber mit so einer Verletzung musste ich halt einsehen, dass ich damit gut umgehen muss. Ich war bei Dr. Lemke in der Brandklinik im Klinikum Nord, da gab es klare Absprachen mit ihm, meinen Trainern und Hansi für den Zeitplan. Mein Ziel war, dass ich auf jeden Fall die WM fahre. Dafür musste ich spätestens einen Weltcup vor der WM wieder da sein, um zu zeigen, dass ich wieder fit bin.

Und das hat mit zwei dritten Plätzen im Zweier und Vierer geklappt.

Ja, wir hatten vorher kurz überlegt, ob ich vielleicht schon in Lake Placid eine Woche vorher wieder einsteige, aber so wie jetzt war es am cleversten.

Christian Rasp und Florian Bauer haben Sie bis dahin aber hervorragend vertreten.

Die haben beide einen Superjob gemacht mit sehr guten Startzeiten. Aber insgesamt ist es halt schon so, dass der Hansi und ich ein gutes Team bilden und wir beide froh sind, dass wir wieder zusammen oben am Block stehen.

Es ist aber ja schon eine Auszeichnung für Sie, direkt nach der Verletzung wieder ins Team zu rutschen, oder?

Es ist natürlich schön, wenn man wiederkommt und direkt das Vertrauen bekommt. Er hätte auch sagen können: „Ich weiß nicht, wie fit zu bist, du fährst erstmal nur im Vierer mit.“ Aber das war nicht so und darüber habe ich mich sehr gefreut.

Waren Sie denn zufrieden mit den Zeiten?

Mit dem Zweierergebnis können wir mehr als gut leben. Im Vierer war der erste Start ein bisschen versaut, aber der zweite war dann wieder sehr gut. Wir werden hier in Whistler auf jeden Fall versuchen, uns zu steigern.

Täuscht der durch Einträge in den Sozialen Netzwerken vermittelte Eindruck, dass Sie in Whistler nicht nur sehr viel Arbeit, sondern auch eine Menge Spaß haben?

(lacht) So ist es absolut. Ich bin ja sonst bei meinem Vater in der Firma eingespannt und da ist das schon ein Kontrastprogramm hier. Wir verstehen uns super, was ein großer Unterschied zur letzten Saison ist. Es herrscht hier ein absoluter Team-Spirit, keiner muss sein Ego irgendwie pushen und das macht einfach sehr viel Spaß. Ich sage immer: Das ist so ein bisschen wie Ferienlager für große Jungs. Wobei wir uns natürlich für die Wettkämpfe schon zügeln.

Am Freitag startet der Zweier-Wettbewerb. Was ist das Ziel?

Das ist schwer zu formulieren, weil die Leistung von Francesco Friedrich in diesem Jahr abnormal ist. Das ist ein Übermensch. Die Startzeiten, die der hinknallt gepaart mit der Fahrleistung – das ist ein ganz hartes Brett und da müssen wir mal gucken, dass wir da drankommen. Da darf er dann nicht seine absolute Bestleistung bringen und wir schon – dann kann man vom Titel sprechen. Aber wir tun gut daran, demütig zu sein, peilen das Podium an, das wäre eine Steigerung zu Olympia und auch nicht unrealistisch. Ich würde mich über jede Medaille freuen.

Was macht denn Friedrich besser als Sie?

Er hat durch seine beiden Olympiasiege eine unheimliche Leichtigkeit, er weiß, dass er es kann, er weiß, dass er momentan wahrscheinlich der Beste ist. Der Hansi dagegen hatte einen schweren Start, wir haben zum Beispiel den Schlitten getauscht. Das spielt dann alles mit rein. Aber im Großen und Ganzen ist Friedrich nicht nur der beste Pilot, sondern auch der schnellste Anschieber der Welt. Und dann hat er halt noch einen der schnellsten Anschieber hinten drauf. Er hat dadurch immer einen Startvorsprung, der ihm den einen oder anderen Fehler erlaubt. Ihn zu schlagen wird extrem schwierig.

Der Vierer-Wettbewerb ist erst eine Woche drauf, am 8. März. Kann man in Whistler auch fernab vom Training ein bisschen was unternehmen?

Schon, aber der Fokus liegt klar auf den beiden Wettbewerben. Wir werden natürlich trotzdem das Eine oder Andere unternehmen. Whistler ist so ein bisschen das kanadische St. Moritz, ein schicker Skiort. Aber Skifahren lassen wir mal lieber. Wenn sich da jemand verletzen würde, möchte ich nicht das Geschrei vom Bundestrainer hören.

Im Vierer ist Francesco Friedrich auch Ihr größter Konkurrent, oder?

Friedrich ja, aber auch Nico Walter ist extrem stark. Hier auf der Bahn in Whistler muss man einfach extrem konzentriert sein und präzise fahren, das spielt Nico in die Karten. Aber es gibt mehrere Leute, die aufs Podest fahren können.

Wie geht es nach der Weltmeisterschaft für Sie persönlich weiter?

Das steht noch nicht so richtig fest. Ich muss gucken, ob ich die Arbeit und den Sport weiterhin verbinden kann. Dafür muss ich mich dann mal mit meinem Vater, der ja auch mein Arbeitgeber ist, und dem Hansi in Ruhe hinsetzen und ein bisschen quatschen. Peking würde mich schon reizen, aber ich werde nach der WM erstmal Urlaub machen und dann über alles weitere nachdenken.

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