Darum hat sich der FC Nette aufgelöst

Aus eines Traditionsvereins

Abpfiff beim FC Nette 46/58: Der Spielbetrieb ruht, das Training ist eingestellt, kein Torjubel wird mehr erklingen. Ende August musste der Traditionsverein an der Dörwerstraße eine schwere Entscheidung treffen.

NETTE

, 15.09.2017, 02:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der FC Nette wird hier auf dem Platz an der Dörwerstraße nicht mehr trainieren, denn der Verein ist aufgelöst. Der SC Osmanlispor, der die Anlage auch nutzt, versucht durchzuhalten.

Der FC Nette wird hier auf dem Platz an der Dörwerstraße nicht mehr trainieren, denn der Verein ist aufgelöst. Der SC Osmanlispor, der die Anlage auch nutzt, versucht durchzuhalten.

Das Sterben des FC Nette, es begann bereits vor rund acht Jahren. So lange kämpfte der Vorstand um einen Kunstrasenplatz für seine Anlage an der Dörwerstraße. Die Bemühungen liefen bekanntlich ins Leere. Wohl auch deshalb, weil es im Umkreis schon einige Kunstrasenplätzen gibt.

Und während auf der einen Seite die Verantwortlichen tapfer kämpften, schrumpfte auf der anderen Seite die Zahl der Mitglieder, Mannschaften und Sponsoren. Zuletzt hielten eine Altliga- und eine Seniorenmannschaft dem Verein die Treue. Die Jugend hatte sich schon langer vorher aus dem Aschenstaub gemacht.

Viele Abmeldungen zum Ende der Saison

„Zum Ende der Saison 2016/17 gab es so viele Abmeldungen, wir hätten keine Mannschaft mehr stellen können“, sagte am Donnerstag Schatzmeister Jörg Markau gegenüber unserer Redaktion. Unter diesen Bedingungen sei der Verein wirtschaftlich nicht mehr tragbar gewesen. „Nur 50 neue Mitglieder hätten uns noch retten können.“ Utopisch.

Die Unterlagen zur Austragung aus dem Vereinsregister liegen bereits bei der Notarin, der Spielbetrieb ruht seit Ende Juli. In seinen besten Zeiten, nach der Fusion mit dem SuS Nette, kickten beim FC über 300 Mitglieder. Noch im Februar dieses Jahres sprach Jörg Markau in der Bezirksvertretung Mengede vor.

Eine lange Mängelliste 

Er listete Mängel auf, die – abgesehen vom fehlenden Kunstrasen – Fußballern, Fans und Förderern das Leben schwer machten. Vermüllung, Vandalismus, Stolperfallen, defekte Laternen, zugewachsenes Flutlicht, beginnender Drogenhandel auf dem Parkplatz: Die Mängelliste war lang, das Verständnis der Bezirksvertretung groß. Sie brachte einen entsprechenden Antrag an die Verwaltung auf den Weg.

Markaus letzter verzweifelter Versuch, mit Hilfe einer überholten, attraktiven Anlage die Mitglieder auch ohne Kunstrasen zu halten, er lief ebenfalls ins Leere. „In den Sommerferien sollte die Anlage hergerichtet werden, nichts ist passiert“, sagte Markau frustriert. Stattdessen habe er immer wieder Spiel-Absagen aus der Altliga kassiert.

Die Auflösung wurde einstimmig beschlossen

„In diesem Alter will eben keiner mehr auf Asche spielen.“ Um die verbliebenen „40 aktiven Mitglieder und ein paar Frauen“ finanziell zu schützen, zog der Vorstand die Notbremse. „Ohne Meisterschaftsbetrieb verkaufst du keine Grillwurst, kein Glas Bier am Sonntag. Doch davon leben wir Fußballvereine“, erklärt Markau. Also lud der Vorstand am 28. August zur außerordentlichen Mitgliederversammlung ein und sprach Klartext. Der war so eindringlich, dass die Versammlung seiner Empfehlung zur Auflösung einstimmig folgte.

„Ja, das tut weh“, sagte Jörg Markau. Nicht nur bei ihm, bei allen, die dem FC bis zuletzt die Stange gehalten hatten, habe dieser Schritt Wehmut ausgelöst. 35 Jahre war Markau FC-Mitglied, Spieler in der ersten und zweiten Mannschaft, bis zur letzten Sekunde in der Altliga, seit zehn Jahren im Vorstand. „Das waren extrem schöne Zeiten, der Aufstieg in die A, natürlich sind wir auch wieder abgestiegen, die Mannschaftsfahrten, das alles wird mir fehlen.“ Woanders weiterzuspielen, komme für ihn nicht in Frage. „Es ist vorbei.“

"Ich habe malocht und malocht, und nun das"

Vielleicht noch ein bisschen mehr als Jörg Markau leidet Lothar Menkhoff, gefühlte 100 Jahre im Verein, unter der Auflösung. Tatsächlich ist er über 40 Jahre Mitglied und engagiert sich trotz schwerer Krankheit bis heute als Platzwart. „Es ist traurig, dass das alles so kommen musste. Ich habe malocht und malocht, und nun das.“

Das Kündigungsschreiben des Platzwartsvertrags an die Sport- und Freizeitbetriebe ist längst raus. Bis Ende des Monats will sich Lothar Menkhoff noch um die Sportanlage an der Dörwerstraße kümmern – und dann das sprichwörtliche Licht ausmachen.

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