Der Wechsel von BVB-II-Trainer Jan Siewerts in die Premier League ist fast perfekt. Die ersten Abschiedsworte gibt es bereits von seinen Spielern – und auch der neue Trainer steht bereit.

Dortmund

, 20.01.2019, 19:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

Andauernd muss Ingo Preuß derzeit die immer selben Nachfragen beantworten. Wie es denn um Fußballlehrer Jan Siewert stehe? Wie der Ist-Zustand in dieser Sache sei? Ob sich dieser Trainer bereits zur Vertragsunterzeichnung nach England aufgemacht habe? Preuß, Dortmunds U 23-Manager, war davon am Sonntag schon leicht genervt.

„Unterschrieben ist noch nichts“

Er könne sich die Neuigkeiten ja auch nicht aus den Fingern saugen. „Unterschrieben“, berichtete er lediglich, „ist noch nichts“. Die Eckdaten allerdings, sie sind klar: 300.000 Euro wird die Ablöse für Siewert betragen – und der Wechsel in die Premier League zu Huddersfield Town, das am Sonntag noch mit 0:3 gegen Manchester City verlor - zeitnah passieren. Die Anzeichen dafür könnten dichter kaum sein.

So dicht, dass ein englischer Journalist vor laufenden Kameras einen Zuschauer, der Siewert ähnlich sah, in Huddersfield fragte, ob er Jan Siewert sei. Eine Frage die, so komisch die Szene aus England auch anmutet, nicht unberechtigt war.

Denn am Samstag in Dröschede, bei Dortmunds erster Vorbereitungspartie in 2019, stand Siewert schon nicht mehr an der Seitenlinie. Das Vormittagstraining in Brackel hatte der 36-Jährige noch angeleitet, danach fehlte er „aus Schutzgründen“, wie es hieß. David Solga, Siewerts Co-Trainer, übernahm die Chefrolle beim 3:1-Testspielsieg gegen Landesligist Borussia Dröschede. Einer Partie, die freilich zur völligen Nebensache geworden war.

Zusammen in Dröschede: BVB-II-Manager Ingo Preuß (l.) und Alen Terzic.

Zusammen in Dröschede: BVB-II-Manager Ingo Preuß (l.) und Alen Terzic. © Groeger

Massimo Ornatelli, Dortmunds Kapitän, stand nach dem Abpfiff mit dicker Winterjacke und tief ins Gesicht gezogener Mütze vor Dröschedes kleinem Vereinshaus – und formulierte in eisiger Kälte schon warme Abschiedsworte in Richtung des scheidenden Trainers. Sicher, er wisse selbst noch nicht, was in den kommenden Tagen passiere, sagte Ornatelli. „Sollte er aber auf einmal nicht mehr da sein, wäre das schon komisch.“ Im Sommer 2017 wurde Siewert Übungsleiter von Dortmunds U 23, war „bis zuletzt ein ganz fester Bestandteil von uns“, so Ornatelli, der dann zu einer mehrminütigen Ode an den nur drei Jahre älteren Chef ansetzte.

„Ich bin mittlerweile 33 Jahre alt. Menschlich habe ich bislang keinen besseren Trainer gehabt“, sagt Massimo Ornatelli.

Neben den fußballfachlichen Kenntnissen beeindruckte diesen Mittelfeldspieler zuvorderst die Art und Weise Siewerts. „Ich bin mittlerweile 33 Jahre alt“, sagte Ornatelli, „menschlich habe ich bislang keinen besseren Trainer gehabt. Er fördert und fordert, nimmt aber auch Rücksicht, hat Mitgefühl und ein gutes Herz. Die Arbeit mit einer Mannschaft ist sein Ding – und das wird dann auch irgendwann mal belohnt.“

Große Chance für Siewert

Wenngleich sie dann doch sehr überraschend kam, diese große Chance für Siewert, sogleich als Cheftrainer in der Premier League zu beginnen. Externe Beobachter zeigten sich verwundert, ebenso wie Siewert höchstselbst, Preuß und Dortmunds Spieler. Zwar hatte dieser Fußballlehrer schon im vergangenen Sommer ein gut dotiertes Angebot aus England vorliegen, damals von Zweitligist Queens Park Rangers. Deutlich reizvoller indes ist das aktuelle.

In Huddersfield wird Siewert auf den ehemaligen BVB-II-Trainer David Wagner folgen – und zunächst alle Anstrengung daran setzen, den akut abstiegsbedrohten Verein irgendwie in der ersten englischen Spielklasse zu halten. Mit nur elf Punkten ist Huddersfield Town aktuell auf dem letzten Tabellenplatz gelistet.

„Die beste Liga der Welt“

„Dieses Angebot für ihn“, bekräftigt Ornatelli dennoch, „ist einmalig. Jeder weiß, dass es die beste Liga der Welt ist.“ Marco Rente, von Siewert im Sommer zum BVB geholt, sagte: „Ich würde mich wirklich sehr für den Trainer freuen.“

Ebenso wie Torwart Eric Oelschlägel, der sich optimistisch äußerte: „Ich traue ihm auf jeden Fall zu, dass er diese Aufgabe meistern kann.“ Der hochgelobte Fußballlehrer selbst war am Sonntag nicht zu erreichen, gegenüber seinem Team soll er sich am Samstag nach dem Vormittagstraining mit den Worten „bis Montag“ verabschiedet und dann schelmisch hinzugefügt haben: „Oder nicht.“

„Ich traue ihm auf jeden Fall zu, dass er diese Aufgabe meistern kann“, sagt Eric Oelschlägel.

Auch Alen Terzic, der auf Siewert folgen soll, blieb gegenüber dieser Redaktion stumm. In Dröschede saß der 38-Jährige auf der Tribüne, zunächst im angeregten Gespräch mit Manager Preuß, danach allein frierend wie alle anderen ins Spiel und seine Notizen vertieft. Beim BVB ist er seit dem vergangenen Sommer hauptamtlich als Scout engagiert, reiste dafür zuletzt durch Portugal. Nebenbei trainiert Terzic den Oberligisten FC Brünninghausen – allerdings nicht mit halber Kraft.

Akribisch und detailliert

Derart akribisch und detailliert ist seine Arbeit, dass sich mancher FCB-Spieler verwundert fragt, woher Terzic die Zeit dafür nehme. Taktisch flexibel lässt er gern mit Fünferabwehr verteidigen und Dreierkette attackieren. Manager Preuß hält ihn für „einen ausgewiesenen Fußball-Fachmann“. Mehr wollte er zu dieser Personalie am Sonntag nicht sagen.

Der BVB-Belegschaft ist Terzic bisher weitgehend unbekannt. Oelschlägel, dritter Torwart des Elite-Teams und Stammkeeper der U 23, begegnete bislang nur dessen Bruder Edin. Als Co-Trainer assistiert er Lucien Favre. Alen Terzic indessen, sagte Oeschlägel, kenne er nicht. Noch nicht.

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