Debüt für Arif Et bei der U23 des BVB: „Er hat den Riesenrückstand ein bisschen aufgeholt“

mlzFußball in Dortmund

Arif Et hat endlich sein Debüt für die U23 des BVB gegeben. Hinter dem ehemaligen Brünninghauser liegen schwierige Monate der Umstellung. Der Einsatz gegen Köln war eine Belohnung dafür.

Dortmund

, 17.09.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Da waren sie plötzlich wieder. Diese schnellen Schritte, die nähmaschinenartig in in den Rasen tackern, dazu die flach am Körper gehaltenen Hände, die den Luftwiderstand im Sprint gering halten. Und natürlich das Lächeln nach dem Spiel. Arif Et durfte am Samstag endlich wieder das tun, was er am liebsten macht: Um Punkte Fußball spielen. Erstmals sogar auf Regionalliga-Niveau beim 3:0 der BVB-U23 in Köln.

Nur drei Vereine - und dann zum BVB

Denn Arif Et, das ist ja die Geschichte eines hoch veranlagten Spielers, der immer dort geblieben ist, wo es ihm gefallen hat, wo er gebraucht wurde, der nicht zwölfmal den Verein gewechselt hat, um den Sprung nach ganz oben zu schaffen. Nein, Arif Et hat bei drei Vereinen gespielt und Tore am Fließband erzielt, bevor er zum BVB gewechselt ist: In der Jugend beim ASSV Letmathe, dann bei Borussia Dröschede und zum Schluss beim FC Brünninghausen.

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Im Sommer dann der Wechsel zur U23 von Borussia Dortmund - mit 26 Jahren: „Wir haben gesagt: Das machen wir jetzt mal“, erzählt Ingo Preuß, Manager der U23 über die ungewöhnliche Verpflichtung. Natürlich hatte BVB-Scout Alen Terzic den Anstoß gegeben, Ets Trainer bei all seinen Stationen, ehe er ein halbes Jahr vor Et aus Brünninghausen zur schwarzgelben U23 abberufen wurde. „Arif haut sich rein, gibt in jedem Training alles“, sagt Preuß, „natürlich hat er sich mehr erhofft. Aber enttäuscht ist hier niemand.“

„Ich hatte andere Ziele“

Tatsächlich hat Et gehofft, dass er - wie bei all seinen Stationen zuvor - Stammspieler wird, regelmäßig trifft, gebraucht wird: „Klar hatte ich am Anfang andere Ziele“, sagt Et jetzt, „ich hatte ja auch ein gewisses Standing in meinen vorherigen Teams. Aber da kannte ich auch die Mannschaft noch nicht so gut.“

Denn die Konkurrenz ist nun natürlich eine andere und vor allem: jüngere. Das Durchschnittsalter der U23-Startelf am Samstag lag unter 21 Jahren. Seine Mitspieler sind mit wenigen Ausnahmen Spieler, die schon seit ihrer Jugend in Nachwuchsleistungszentren trainieren.

Ein Unterschied im Training

Da ist es schwer, als 26-Jähriger ehemaliger Westfalen- und Oberligaspieler dazwischenzukommen: „Wir haben überragende Qualität in der Offensive“, sagt Et. Und außerdem habe er „in der Vorbereitung gemerkt, dass es ein Unterschied zu dem ist, was ich vorher kannte.“

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Der Schritt zu täglichem, teilweise mehrfachen Trainings ist groß: „Er hat den Riesen-Unterschied gemerkt zwischen täglich arbeiten und abends zum Training gehen und Profifußball - was die Anzahl der Trainingseinheiten angeht“, erklärt Preuß und Trainer Mike Tullberg ergänzt: „Arif ist seine ganze Laufbahn lang Amateurfußballer gewesen.“

Inwieweit reicht die Qualität?

Fast drei Monate ist der Trainingsauftakt in Dortmund nun her. Drei Monate, in denen Et lernte, adaptierte, sich umstellte und immerhin in den Testspielen randurfte. Als die Saison aber Ende Juli begann, fand er sich regelmäßig auf ungewohntem Terrain wieder: „Natürlich habe ich in meinem Leben nie so oft auf der Bank platznehmen müssen wie aktuell und natürlich fragt man sich, inwieweit die Qualität reicht“, gibt Et zu.

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Doch er wäre nicht dort, wo er ist, wenn er die Situation nicht längst in positive Energie umgewandelt hätte: „Ich hatte viel aufzuholen und habe immer versucht, Gas zu geben, habe mich auch mental umgestellt und weiß jetzt, dass ich viel mehr und gezielter investieren muss, ich muss mehr mit dem Körper arbeiten, nicht nur auf den Muskelaufbau gehen“, sagt Et, „damit ich das Können, das ich habe, auch auf diesem Niveau einsetzen kann.“

Riesenrückstand aufgeholt

Am Samstag durfte er das nun erstmals tun, nach 75 Minuten kommt er für Joseph Boyamba in die Partie: „Arif hat auch deshalb gespielt, weil er den Riesenrückstand, den er hatte, jetzt ein bisschen aufgeholt hat“, sagt Tullberg und schiebt ein Lob hinterher: „Es war eine Belohnung, es hat mich für ihn gefreut. Er bekommt hier genau wie alle anderen nichts geschenkt, hat sich den Einsatz verdient und es gut gemacht.“

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18 Minuten dauert sein Debüt. Am 3:0 von Tobias Raschl ist er zumindest indirekt beteiligt: „Daran muss ich jetzt anknüpfen, noch mehr Gas geben, die Leistung bestätigen und dann hoffentlich beim nächsten Mal ein bisschen länger spielen“, sagt Et.

Step by step

Step by step, arbeiten, geduldig sein, warten, das ist jetzt seine Taktik. Auch das eine Umstellung. „Arif ist ein Kämpfer und versucht mit aller Macht, sich reinzubeißen“, sagt Tullberg. Die Geschichte von Arif Et ist noch nicht auserzählt.

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