Wer hat die bessere Nummer 20? Das ungleiche Duell zwischen Türkspor und TuS Bövinghausen

mlzFußball

Der eine spielte nie tiefer als in der Westfalenliga, der andere kämpfte sich von unten nach oben. Es war ein Duell der Gegensätze - mit einem zumindest an diesem Tag klaren Punktsieger.

Dortmund

, 13.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ihre Position ist die Gleiche, ihre Rückennummer ebenfalls, doch der Karriereweg ein komplett unterschiedlicher - Maurice Haar beim TuS Bövinghausen und Durmus Aydin bei Türkspor Dortmund. Der eine spielte bisher nie tiefer als in der Westfalenliga, der andere kämpfte sich aus der Kreisliga B bis in die Bezirksliga, wo noch lange nicht Schluss sein soll. Das Besondere daran: Er ist mit 32 Jahren der ältere der beiden, der den beschwerlicheren Weg hinter sich hat.

Maurice Haar kam als Innenverteidiger und spielt nun auf einer anderen Position

Maurice Haar - Spitzname „Möhre“ - ist definitiv der größte unter den zahlreichen Häuptlingen beim TuS Bövinghausen. Mit seinen 1,92 Metern sieht er oft etwas ungelenk aus, leicht gebückt stolziert er über den Platz und macht Meter für Meter - doch was sein feines Füßchen mit dem Ball veranstaltet, ist aller Ehren wert.

Wer hat die bessere Nummer 20? Das ungleiche Duell zwischen Türkspor und TuS Bövinghausen

Maurice Haar spielte schon gegen den BVB - nun ist er beim TuS Bövinghausen. © imago/Thomas Bielefeld

Ruhig und clever ordnete Haar in der ersten halben Stunde das Spiel des Landesligisten gegen den Bezirksligisten Türkspor Dortmund, immer wieder setzte er die offensive Viererreihe mit flachen Pässen in Szene. Und das - etwas überraschend - aus dem defensiven Mittelfeld heraus, an der Seite von Andre Witt. Dabei war Haar eigentlich als Innenverteidiger zum TuS gekommen.

„Maurice wird uns richtig weiterbringen“, sagte Bövinghausens Ajan Dzaferoski damals über Haar, der trotz seiner erst 24 Jahre nie tiefer spielte als in der Westfalenliga. Nach seiner Jugendzeit bei der SG Wattenscheid lief er sieben Mal für den Bochumer Traditionsverein in der Regionalliga West auf. Es folgte der Wechsel nach Herne, beim Oberligisten trug er sogar zwei Mal die Kapitänsbinde, ehe es ihn in der Winterpause an die Provinzialstraße verschlug.

Jetzt lesen

Dort sieht ihn Trainer Dimitrios Kalpakidis eine Position weiter vorne als zuletzt: „Er hat ein gutes Auge, einen guten linken Fuß und eine gute Passschärfe“, doch in der zentralen Abwehrreihe sind Sven Thormann und Benjamin Teichmöller aktuell gesetzt, außen verteidigen Aleksandar Gjorgijevski und Denis Ramadan. Bleibt also nur die Position im zentralen Mittelfeld, wo Haar unter anderem mit Dino Dzaferoski und Andre Witt konkurriert. Haar macht für Kalpakidis „natürlich viel her, gerade mit seiner Körpergröße mit und gegen den Ball. Da glaube ich schon, dass man was mit ihm machen kann.“

Durmus Aydin ist das Mentalitätsmonster bei Türkspor Dortmund

Haars Gegenüber ist das, was Andreas „Lumpi“ Lambertz für Fortuna Düsseldorf war, was Yussuf Poulsen für RB Leipzig ist. Seit der Kreisliga B läuft er für Türkspor Dortmund auf, hält den Laden defensiv zusammen, sorgt dafür, dass die Edeltechniker um Ömer Akman, Mateus Ajala Cardoniz und Jorge Jose Machado ihre Kreativität entfalten können.

Wer hat die bessere Nummer 20? Das ungleiche Duell zwischen Türkspor und TuS Bövinghausen

Durmus Aydin (links) geht bei Türkspor Dortmund voran. © Laryea

„Er macht die Drecksarbeit für die Vorderleute“, lobt Türkspors Trainer Reza Hassani den langjährigen Kapitän seiner Mannschaft. Aydin „geht als Kapitän voran, gewinnt unglaublich viele Zweikämpfe, stopft die Löcher, hat ein gutes Kopfballspielen und kann auch noch gut Fußballspielen“, so Hassani. Zwei Mal hat Türkspor bisher ohne den Sechser gespielt, beides Mal gingen die Partien verloren.

Jetzt lesen

Im Testspiel am ungemütlichen Dienstagabend offenbarte eine Szene den Wert und den Charakter Aydins wie keine zweite. Nach einem Kopfballduell unmittelbar vor der Pause brummte sein Schädel, Aydin hatte Schmerzen, musste kurz raus. Doch ein wenig Wasser ins Gesicht - es muss sich wie eine Eisdusche bei Minusgraden angefühlt haben - und schon brannte Türkspors Anführer wieder.

Jetzt lesen

Er wollte sofort zurück in die Partie, brüllte vollgepumpt mit Adrenalin „Schiri“ über den Platz und wurde wütend, als es zehn Sekunden dauerte, bis der Unparteiische reagierte. Zehn Sekunden, die sich für ihn wie eine Ewigkeit angefühlt haben müssen: Kein Zweifel, er war bereit, sich wie eine Wolf vor sein Rudel zu stellen.

Die Einheit entscheidet das Testspiel zugunsten von Türkspor

Und er tat es - 30 Minuten lang zeigten der TuS Bövinghausen und Maurice Haar ihre nicht wegzudiskutierende Qualität, doch dann übernahmen Durmus Aydin und der Bezirksligist das Kommando.

Jetzt lesen

Türkspors Spieler jagten Bövinghausen über den Platz, bewiesen ihre Mentalität, kämpften um jeden Ball und hatten dem Favoriten vor allem eins voraus: Sie präsentierten sich als Einheit und waren für einander da, allen voran Aydin. Zumindest dieses Duell ging also an die Nummer 20 - im roten Trikot.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Fußball-Westfalenliga
Nach einmal Training ein Hoffnungsträger - Offensivsspieler wird in Wickede dringend benötigt
Münsterland Zeitung Hallenfußball-Stadtmeisterschaft der Frauen
Mit Video und Bildern: Purer Jubel bei der DJK Eintracht Dorstfeld - Alle Spiele, alle Stimmen
Meistgelesen