Denis Gurdzhi, Daniel Sapozhnikov und Louis Weissert haben den Dreh raus. Das Dortmunder Eisläufer-Trio zählt aktuell zu den erfolgreichsten Nachwuchstalenten in Deutschland.

Dortmund

, 13.02.2019, 16:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Deutschen Junioren-Meisterschaften 2019 im Eiskunstlauf im heimischen Eislaufzentrum an der Strobelallee waren für die Dortmunder Jungs Denis, Daniel und Louis etwas ganz Besonderes. Denn sie schafften es alle drei auf das Siegerpodest. Um so erfolgreich zu sein, müssen die Nachwuchstalente aber ziemlich hart schuften. Wir haben das Trio beim Training besucht.

Denis und Louis laufen für den TSC Eintracht

Vor allem für Denis Gurdzhi war die DM etwas Besonderes: Der 15-Jährige erreichte im Kurzprogramm, in der Kür und natürlich dann auch in Gesamtpunktzahl persönliche Bestwerte. Insgesamt schaffte er meisterliche 161,42 Punkte bei seinem Auftritt und verwies Daniel (153,55) und Louis (150,65) auf die Plätze zwei und drei. Denis und der 16-jährige Louis laufen für den TSC Eintracht, der 18-jährige Daniel für den ERC Westfalen.

Um Deutscher Meister wie Denis zu werden, muss man einiges können. Sprünge, Drehungen und Rückwärtsläufe gehören zum täglichen Training. Klar ist, dass da nicht viel Zeit für Kinobesuche oder Konsolenspiele bleibt. „Samstags geht das, aber innerhalb der Woche wird es schwer, einfach mal ins Kino zu gehen“, meint Louis. „Wir haben uns da ja dran gewöhnt, und es wäre, glaub ich, langweilig, wenn wir nur zuhause sitzen würden“, ergänzt Denis.

Eine Familie aus Eiskunstläufern

Dass aus ihm ein Eiskunstläufer geworden ist, das ist kein Wunder. „Meine ganze Familie macht Eiskunstlauf“, erklärt Denis. Seine Schwester hat sogar bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Paarlauf teilgenommen als Teil des Bundeskaders.

Auch bei Daniel spielte die Familie eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für den Eiskunstlauf. „Meine Mutter hatte mich damals hierhin geschickt, und dann bin ich dabei geblieben.“ Auf etwas andere Art entdeckte Louis seine Liebe zum Eiskunstlauf, der bei den Deutschen Meisterschaften auf dem dritten Platz landete. Durch eine Au Pair aus Russland kam er nämlich auf die Idee, denn sie zeigte ihm den Eiskunstlauf.

Zwei Stunden pro Tag an sechs Tagen in der Woche

An sechs Tagen in der Woche stehen Denis Gurdzhi, Daniel Sapozhnikov und Louis Weissert für mindestens zwei Stunden pro Tag auf der Eisfläche des Eissportzentrums in der Strobelallee. Louis besucht aktuell eine Realschule mit Sport-Schwerpunkt, Denis geht auf das Goethe-Gymnasium. Daniel ist auf einem Berufskolleg. Da freuen sich die Mitschüler natürlich bei deren Erfolgen und verfolgen sogar einige der Wettkämpfe. Deshalb sind die Reaktionen darauf, dass die Schüler erfolgreich auf dem Eis laufen anstatt auf dem Bolzplatz zu kicken, positiv.

Auch Trainerin Martina Dieck schätzt deren Talent: „Die Drei haben ein großes Potenzial. Das sind auf alle Fälle Talente, die bei den Meisterschaften sehr gut angekommen sind.“ Da sich Denis, Daniel und Louis etwa sechs Mal in der Woche sehen, sind sie mittlerweile Freunde geworden. Dass sie trotzdem bei Meisterschaften gegeneinander laufen müssen, spielt für sie keine Rolle. „Wir sehen uns auf jeden Fall mehr als Freunde. Das ist für uns ganz normal. Das ist ja ein Einzelsport und kein Teamsport“, sagt Denis.

Gleichzeitig, aber mit anderen Trainern

Die Figuren für die Kür entwickeln Trainer und Choreograph für jeden Eisläufer individuell. Denn anders als beim Fußball trainieren die Eiskunstläufer zwar gleichzeitig auf der Fläche, aber mit eigenen Trainern.

Selbst wenn die Küren der Eiskunstläufer immer so leichtfüßig und elegant aussehen, ist der Sport nicht nur anstrengend, sondern kann auch gefährlich sein. Denis hat sich in seiner Karriere schon mehrere Male die Bänder gerissen. Daniel und Louis sind bislang ohne schlimmere Verletzungen davongekommen.

Schneller als bei anderen Sportarten

Trotz der Verletzungen ist der Eiskunstlauf für Denis der coolste Sport. „Mir gefällt das Springen und über das Eis zu gleiten.“ Für Louis zählt besonders, dass man als Eiskunstläufer schneller ist als bei anderen Sportarten: „Dass man einen Schritt macht und zehn Mal weiter ist als wenn man gehen würde“. Dass es Eislauf-Shows mit Promis mittlerweile im TV gibt, finden alle super. „Das ist schon cool, damit die Leute sehen wie das ist, Eiskunstlauf zu machen“, meint Louis.

„Ich glaube, das motiviert auch manche zum Eiskunstlauf“. Die Dortmunder ermutigen außerdem auch andere Jungs zu der Sportart. „Wenn einem das Spaß macht, kann man das als Junge auf jeden Fall machen“, meint Daniel.

Paarlauf-Olympiasieger zu Gast in Dortmund

Eine Überraschung gab es Mitte Januar nicht nur für die drei Dortmunder im Eissportzentrum Westfalen. Auch die jüngeren Nachwuchstalente freuten sich, als plötzlich die Paarlauf-Olympiasieger Aljona Savchenko und Bruno Massot bei ihnen auf der Eisfläche vorbeischauten. Sie trainierten dort für ihren Auftritt bei Holiday On Ice nebenan in der Westfalenhalle.

Daher war es für die Nachwuchstalente ein ganz besonderes Highlight, und die großen Stars mussten viele Autogramme schreiben. Den Gold-Auftritt 2018 in Pyeongchang haben Denis, Daniel und Louis auch verfolgt. „Das war auf jeden Fall ziemlich emotional“, meint Daniel.

Jugend-Olympiade in Sarajevo

Nach dem Bronze-Rang bei der DM geht es für Louis nun im Februar zur Jugend-Olympiade EYOF nach Sarajevo, die man sich auch hier im Livestream anschauen kann. Trotzdem sieht er seine Karrierechancen realistisch und hat einen Plan B parat. Er möchte beruflich später gerne etwas Technisches machen, wie beispielsweise Ingenieur. Daniel und Denis nehmen im Februar an den Bavarian Open teil, die ebenfalls international besetzt sind.

Die Drei haben zum Schluss ein paar Tipps, mit denen jeder eine gute Figur auf dem Eis abgeben kann. „Vielleicht erstmal richtig geradeaus laufen lernen“, sagt Denis. Viele Leute bekämen es nämlich gar so gut hin, richtig vorwärts zu laufen, ergänzt Louis. Für Fortgeschrittene hat Daniel noch Tipps. „Danach dann mal versuchen, rückwärts zu laufen. Und ich glaube, wenn man rückwärts läuft, hochspringt und eine Drehung macht, ist das schon ziemlich gut. Und man darf keine Angst davor haben, hinzufallen.“

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