Dortmunder Fußballer lebt in Rom: „Der ein oder andere dürfte sich mitfreuen, wenn der BVB gewinnt“

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Der Dortmunder Amateurfußballer Christian Löwenberg lebt mittlerweile in Rom. Im Interview spricht er über die Rivalität in der Stadt, das Duell zwischen Lazio und dem BVB und den Dortmunder Amateurfußball.

Dortmund

, 20.10.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Am Dienstagabend startet der BVB auswärts gegen Lazio Rom in die Champions-League-Saison. Für den gebürtigen Evinger Christian Löwenberg (35), der mittlerweile in der italienischen Hauptstadt lebt, ist es ein Heimspiel. Der Dortmunder Amateurfußballer tut es vielen Bewohnern seiner neuen Heimat gleich und demonstriert, für welchen Verein sein Herz schlägt. Zwischen den vielen rot-gelben AS Rom-Flaggen und wenigeren hellblau-weißen Lazio-Fenster-Verzierungen wird dann auch eine schwarz-gelbe Fahne wehen.

„Löwe“, der es in der italienischen Hauptstadt mit den Wölfen der AS Roma hält, ist als Dortmunder ein großer BVB-Fan. Im Interview spricht er über das Champions-League Spiel des BVB, den Dortmunder Amateurfußball und erzählt wie das Coronavirus Rom verändert hat. Das Schicksal seines Herzens-Vereins bewegt ihn noch immer.

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Christian Löwenberg, der BVB kommt in die Stadt. Wie fühlt sich das für Sie an?

Das ist für mich schon etwas ganz Besonderes. Ich bin gerade am Mannschaftshotel der Borussen vorbeigefahren, wo schon die Busse parkten. Die Aufregung steigt.

Wie verfolgen Sie das Spiel?

Leider zu Hause. Immerhin habe ich ein Sky-Abo, sodass ich das Spiel sehen kann. Schade, ich wäre gerne hingegangen, aber leider dürfen wohl nur 1000 ausgewählte Personen ins Stadion, wenn überhaupt. Ich habe einen Freunde bei der größten Römischen Tageszeitung, aber da lässt sich nichts machen.

Sie sind, da keine Dortmunder Fans anreisen, alleine auf weiter Flur. Tut das weh?

Absolut. Ich hätte mich sehr gefreut, bekannte und unbekannte Gesichter aus Dortmund hier zu sehen und mit ihnen zu feiern. Aber Corona hat Italien ja auch besonders im Griff.

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Wie erleben Sie Rom in der aktuellen Situation?

Ich lebe seit Anfang Juli dauerhaft hier, war vorher oft kurz oder lang zu Besuch. Meine Freundin ist Ur-Römerin. Da wir zusammenleben möchten, bin ich hierhergezogen. Und ich muss sagen, dass es völlig anders als sonst ist.

Das heißt?

Leer! Wir haben praktisch keine Touristen. Erst im August gingen die Römer auch wieder vermehrt nach draußen. Das legt sich jetzt schon wieder wegen der steigenden Zahlen und größeren Einschränkungen. Die Leute sind eher verhalten. Jetzt haben wir auch wieder eine Sperrstunde. Viele Leute halten sich dran. Nur die Jugendlichen feiern ohne Rücksicht auf Verluste in bestimmten Vierteln der Stadt.
So richtig ausgelassen ist das alles nicht. Ich bekomme in vielen Restaurants ohne Reservierung einen Platz mitten in der Stadt. Das habe ich so nicht erlebt. Die Hotels sind nur zu 20 Prozent ausgelastet. Gerade die Inhaber kleinerer Geschäfte leiden. Das färbt natürlich auf die Stimmung ab.

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Was hat Sie denn neben Amore, der Liebe, noch nach Rom verschlagen?

Ich habe ja schon lange eine Italien-Affinität, Italienisch im Abi am Heisenberg-Gymnasium belegt, die Sprache danach studiert und war auch für mehrere Monate schon hier. Jetzt arbeite ich für eine Weinfirma. Ich bin Ansprechpartner für Lieferanten und Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

„In vino veritas!“ Im Wein liegt die Wahrheit, heißt es auf Latein. „Entscheidend is‘ auf’m Platz“, sagt der Dortmunder. Da dürfte es Ihnen nicht schwerfallen, den Spielverlauf für das BVB-Spiel vorauszusagen. Also bitte.


Vor einigen Wochen hätte ich noch gedacht, das wird ein Duell auf Augenhöhe zwischen Lazio und Dortmund. Jetzt sage ich, der BVB ist Favorit, selbst wenn mir im Spiel bei Hoffenheim noch nicht alles gefallen hat. Lazio hatte eine starke Vorsaison. Nach Corona ist aber der Wurm drin.



Sie haben 0:3 gegen Sampdoria Genua verloren, das ist bitter. Zuvor gab es ein 1:4 gegen Atalanta Bergamo, die ähnlich wie Dortmund offensiv und taktisch versiert spielen. Das tat nicht so weh wie jetzt das 0:3. Ich denke, Lazio ist in der Abwehr anfällig, nur im Sturm nicht zu unterschätzen.

Und bei Lazio spielt Ciro Immobile, der in Dortmund nicht glücklich wurde. In Italien trifft er ziemlich regelmäßig. Welchen Stellenwert hat er hier?

Hier in Rom ist es ja so, dass die Leute in der Stadt für die Roma und drumherum eher für Lazio sind. Dennoch reden sie hier alle über Immobile hier in den höchsten Tönen. Seine Torquote spricht für ihn. In Dortmund war er nicht wiederzuerkennen. Meine Freundin Livia ist übrigens auch AS-Fan. Ich mag die Roma auch.

Also wird Ihnen, wenn Freundin und Nachbarn eher für AS Rom sind, keiner verübeln, wenn Sie BVB-Tore laut bejubeln?

Ich denke nicht. Lazio ist hier eben nicht so verwurzelt. Die Roma hat zahlreiche echte Identifikationsfiguren aus dieser Stadt, wie zum Beispiel Francesco Totti. Die hat Lazio nicht. Daher dürfte sich der eine oder andere sogar mit mir freuen, wenn der BVB gewinnt.

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Mehrere Identifikationsfiguren der Borussia stammen aus Eving, dem Vorort, in dem auch Sie aufgewachsen sind. Um den TuS Eving-Lindenhorst steht es ja nicht so rosig. Er versinkt in der B-Liga.

Schrecklich! Ich verbinde so viel mit dem Verein, erkenne ihn aber kaum noch wieder. Leider sind die prägenden Menschen Dieter Baranowski und Wendelin Sominke verstorben. Ich habe noch gerade ihre Gräber besucht. Sie haben viel für den TuS getan.

Sie verbinden mit dem TuS aber auch die schönen Zeiten. Was bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Neben den beiden gewonnenen Hallenmeisterschaften vor einer großartigen Kulisse besonders der Aufstieg am Grünen Tisch in die Westfalenliga. Wir drohten, der ewige Zweite zu werden. Irgendjemand war immer vor uns. Dann kam eines Tages unser damaliger Vorstand Michael Linke mit Sekt in die Kabine und sagte uns, wir hätten es geschafft.

Was bekommen Sie vom Dortmunder Amateurfußball in Rom mit? Wie schätzen Sie ihn ein?

Das hat sich schon verändert, weil es nicht mehr die besondere hohe Liga gibt. Die Dortmunder Vereine verteilen sich auf die Spielklassen. Mich interessiert wegen der hohen Dichte an Klubs aus unserer Stadt am ehesten die Bezirksliga und da der VfL Kemminghausen, für den ich zuletzt in der 2. Mannschaft öfter mal am Ball war. Die haben gerade einen Umbruch, der gelingen dürfte.

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Und die anderen Vereine?

Ich mag den ASC 09 Dortmund, der viel aus eigener Kraft geleistet hat. Ich denke, wenn ich mir Vereine wie TuS Bövinghausen oder Türkspor ansehe, dass die kommerzielle Komponente deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Ich verurteile das nicht. Aber das war früher schon anders.


Spielen Sie noch selbst?

Ja, wegen Corona müssen wir jetzt allerdings erstmal wieder pausieren. Aber das ist ansonsten sehr spannend. Wir haben hier in Rom eine Amateur- und Freizeitliga, die sehr professionell aufgemacht ist. Ich spiele für Albaroma. Das Niveau ist sehr ordentlich, wir haben einen Youtube-Kanal. Wir leben hier anders. Trainingseinheiten können bis 23 Uhr gehen. Danach gehen wir oft noch gemeinsam essen – so lange das noch erlaubt ist.

Zum Schluss noch die Standard-Abschlussfrage. Lazio gegen den BVB – Wie geht es aus?

Dortmund gewinnt.

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