Dortmunder Fußballer schickt dem Verband Auf- und Abstiegsregelung

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Ein Thema beherrscht momentan die Gedanken aller Amateurfußballer: Wie wird bei einem Saisonabbruch der Auf- und Abstieg geregelt? Dazu hat sich nun ein Kreisliga-Vorsitzender Gedanken gemacht.

Dortmund

, 01.04.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Steigt Türkspor Dortmund, aktueller Tabellenführer der Bezirksliga 8, auf? Muss Westfalia Wickede, momentan auf einem Abstiegsrang in der Westfalenliga, in die Landesliga runter? Und was passiert mit dem TuS Bövinghausen, der zum jetzigen Zeitpunkt auf Rang zwei der Landesliga steht und damit möglicherweise den Aufstieg in die Westfalenliga verpasst?

Dies alles sind Fragen, worauf der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen noch keine Antworten gegeben hat. Daher hat Mike Kollenda, erster Vorsitzender von den Dortmunder Löwen - Brackel 61 (früher Sportfreunde Brackel 61, Anm. d. Red.), nun ein Konzept erarbeitet und sich mit seinem Vorschlag an den Verband gewandt. Dieser Plan liegt den Ruhr Nachrichten vor.

Kollenda schickt seiner Idee, die in Absprache mit den Trainern der Löwen entstanden ist, voraus, dass sämtliche Szenarien – Annullierung der Saison, Wertung nach der Hinrunde, ein reguläres Saisonende mit vielen Spielen in kurzer Zeit oder eine Wildcard-Regelung wie beim Basketball – „irgendwie doch immer unfair und falsch wären.“

Mike Kollenda: „Eine zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist aus gesellschaftlicher Sicht unverantwortlich“

Der 27-Jährige hat in Gesprächen wahrgenommen, „dass der Großteil sich wünscht, die Möglichkeit zu bekommen eine sportliche Entscheidung herbeizuführen.“ Dabei kann die reguläre Zahl an Spielen jedoch nicht gewährleistet werden. Auch weil eine zeitnahe Wiederaufnahme des Spielbetriebs „aus gesellschaftlicher Sicht ebenfalls unverantwortlich ist“, wie Kollenda schreibt.

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Daher entwickelt er ein gänzliches neues Modell: ein Play-Off-System für die Ermittlung der Aufsteiger und Absteiger. Dies stellt für ihn „einen Kompromiss aus all den diskutierten Lösungsansätzen, dem Wunsch nach einer sportlichen Entscheidungsfindung und eine Variante, die die Zeit-Komponente berücksichtigt, dar“. Zudem sei die Anzahl von maximal drei Spielen überschaubar.

Voraussetzung hierfür ist, dass die Vereine eine realistische Einschätzung ihrer Tabellensituation vornehmen. Nur weil etwas rein rechnerisch noch möglich ist, sollen die Klubs trotzdem einschätzen können, was sportlich machbar gewesen wäre. „Irgendwo und irgendwie muss eine Grenze gesetzt werden“, meint Kallenda. Grundlage für die Überlegungen ist die Hinrundentabelle.

Mike Kollenda leitet seit wenigen Monaten die Geschicke der Dortmunder Löwen - Brackel 61.

Mike Kollenda leitet seit wenigen Monaten die Geschicke der Dortmunder Löwen - Brackel 61. © Dortmund Löwen - Brackel 61

Das Modell im Einzelnen:

Aufstiegsregelung

Die ersten acht Plätze nehmen dann an einer Play-Off-Runde teil. Zu Beginn trifft der Tabellenerste auf den Tabellenachten. „Der bisher erarbeitete Tabellenplatz ermöglicht so quasi einen kleinen Vorteil gegenüber den Konkurrenten, weil gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner gespielt wird“, erklärt der Vereinschef der Löwen.

Der Tabellenzweite tritt entsprechend gegen den Tabellensiebten an und so weiter. Der Verlierer aus der ersten Runde scheidet aus dem Aufstiegsrennen aus und bleibt in der jeweiligen Liga. Der Sieger trifft im „Halbfinale“ auf einen weiteren Gewinner eines weiteren Spiels. Am Ende entsteht ein Finale zwischen den Teams, die zweimal gewonnen haben.

Anschließend wird zwischen den beiden Verlierern der Halbfinals noch ein Spiel um Platz drei ausgetragen. Das hat Relevanz, wenn möglicherweise drei Teams aufsteigen.

Eine Sonderregel: Verzichtet ein Team auf die Teilnahme an den Aufstiegs-Play-Offs – siehe den Punkt „weitere Voraussetzungen“ weiter unten – rückt der jeweils Schlechterplatzierte einen Platz nach oben. Verzichtet beispielsweise der Tabellensiebte, nimmt der Achte den Platz vom Siebten ein und der Tabellenerste hat ein „Freilos“ und ist eine Runde weiter, weil von unten nicht aufgefüllt wird.

Abstiegsregelung

Hier kommt ein ähnliches Modell zum Tragen: Bei einer 18er-Staffel – wie beispielsweise in der Oberliga – treten die Teams vom elften bis zum 18. Platz gegeneinander an. Der Elfte trifft auf den 18., der Zwölfte spielt gegen den 17. – und so weiter. Der Sieger aus der ersten Runde hat den Klassenerhalt erreicht.

Je nachdem, wie viele Absteiger es gibt, wird weiter gespielt. Der Verlierer aus Runde eins tritt zunächst im Halbfinale und anschließend zu den Platzierungsspielen an. Somit wird jeder Platz einzeln ausgespielt. Damit wird genau ermittelt, wer am Ende welchen Rang belegt.

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In einer 17er-Staffel – wie beispielsweise der Westfalenliga 2, wo sich Westfalia Wickede auf einem Abstiegsrang befindet oder der Landesliga 3 – treten der Zehnte bis zum 17. gegeneinander an. Das System bleibt gleich. Bei einer 16er-Staffel wie der Bezirksliga 8 oder den beiden A-Ligen spielen der Neunte bis zum 16. den Klassenerhalt aus.

Bei den Ligen, die weniger als 16 Mannschaften haben, greifen nach Kollendas Modell Sonderreglungen: Bei einer Staffel mit 15 Teams steigt der Tabellenletzte erst eine Runde später an. Sprich: Die Clubs vom Neunten bis zum 14. spielen erstmal drei Gewinner bzw. Verlierer aus und dann greift der 15. ein.

Ähnlich ist es bei einer 14er-Staffel, wo der 13. und der 14. erst eine Runde später mitspielen. Bei einer 13er-Staffel betrifft dies den Elften, Zwölften und 13. der Tabelle.

Weitere Voraussetzungen:

Mike Kollenda fügt seinen Ausführungen noch weitere Anmerkungen an:

  • Mannschaften, die kein Interesse daran haben, an Aufstiegs-Play-Offs teilzunehmen, könnten sich mit einer zehn-tägigen Frist beim Staffelleiter abmelden. Der Reihe nach würden von der Tabellenspitze dadurch Mannschaften automatisch eine Runde weiter kommen.
  • Die Teilnahme an den Abstiegs-Play-Offs ist verpflichtend. Hier gilt, dass Mannschaften je nach Staffelgröße automatisch eine Runde weiter starten müssen.
  • Staffeln mit zwölf oder weniger Mannschaften führen keine Abstiegs-Play-Offs durch, sondern ein Final Four. Vier Teams starten, jeder spielt gegen jeden oder es werden Platzierungsspiele durchgeführt.
  • Die Spiele können entweder auf einem neutralen Platz absolviert werden oder die tabellenhöhere Mannschaft hat das Heimrecht, dass sie sich ähnlich zu der Setzliste aufgrund der Leistungen in der Hinrunde erarbeitet hat. Die Eintrittsgelder sollten jedoch ähnlich wie bei Pokalspielen nach Abzug der Schiedsrichterkosten – aber ohne Verbandsabgaben – unter beiden Vereinen geteilt werden.
  • Sollten dann noch staffelübergreifend Relegationsspiele notwendig sein, müssten diese natürlich berücksichtigt werden.

Kollenda weiß, dass auch diese Lösung nicht ideal ist. Er bringt jedoch einen spannenden Aspekt mit ein: „Wie der Fußball so ist, werden Geschichten geschrieben: Ein Tabellenachter kann über die Play-Offs noch den Aufstieg schaffen. Oder: Tabellenneunte verpassen aufgrund weniger Punkte Rückstand die Aufstiegs-Play-Offs und müssen eventuell sogar um den Abstieg spielen.“

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Der Vereinschef hebt einen positiven Aspekt seiner Überlegungen hervor: „Unterm Strich bleibt aber, dass Platzierungen ausgespielt werden, die einen geregelten Ablauf der kommenden Saison ermöglichen.“ Er meint zudem, dass mit diesem System „die Staffeln nicht zahlenmäßig aufgebläht werden, wie es im Basketball über Wildcards der Fall wäre.“ Am Ende hätten es alle in der eigenen Hand sich auf einem sportlichen Weg durchzusetzen und in dieser historischen Ausnahmesituation an einer Entscheidung selbst mitzuwirken.

Bisher hat Kollenda noch keine Rückmeldung vom Verband erhalten. Es bleibt abzuwarten, wie der FLVW auf die Pläne des Vorsitzenden der Löwen reagiert.

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