Dortmunder Fußballklubs wenden sich mit Brief an den FLVW und fordern Saison-Stopp

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Zwei Dortmunder Fußballklubs haben sich mit einem Brief an den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen gewandt – mit einer mehr als deutlichen Forderung.

Dortmund

, 28.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Zahlen steigen weiter an, ein Ende der Pandemie ist noch lange nicht in Sicht. Am Mittwoch, 28. Oktober, setzt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Bund-Länder-Runde mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer zusammen und verhandelt über neue Maßnahmen, die den schnellen Anstieg der Corona-Infektionen verlangsamen sollen. Die Bundesregierung plant wohl einen „Lockdown Light“ – mit möglichen Einschränkungen im Kontaktsport. Zwei Dortmunder Fußballklubs kommen dem aber nun zuvor und haben ihre Bedenken in einem Brief verfasst – mit einer klaren Forderung an den Verband.

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Die Rede ist dabei von den beiden Bezirksligisten Mengede 08/20 und RW Germania, die beide in der Staffel 9 kicken. Einige Spieler und Funktionäre beider Vereine mussten zuletzt in Quarantäne, manche hatten sich sogar mit dem Virus angesteckt. In der Meisterschaft pausierten die ersten Mannschaften beider Vereine zuletzt. Jetzt haben sie an den Verband und an den Kreis geschrieben.

Der Brief im Wortlaut:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

trotz alarmierender Corona-Infektionszahlen in NRW wird der Spielbetrieb im Kreis 11 und im gesamten FLVW nicht unterbrochen. Als Vorstände der Vereine Mengede 08/20 und RW Germania möchten wir Sie bitten, in Zeiten der exorbitant expandierenden Corona-Infektionen, ihrer Verantwortung gegenüber unseren Sportlern und unseren ehrenamtlichen Mitstreitern gerecht zu werden.

Wir fühlen uns als Verantwortliche unserer Vereine verpflichtet, für das Wohl und die Gesundheit unserer Mitglieder das Bestmögliche zu tun. Nachdem in beiden Vereinen nach positiven Corona-Fällen jeweils die erste Mannschaft für 14 Tage in Quarantäne (Mengede 25 Pers., Germania 11 Pers.) geschickt wurde, sind Forderungen nach einer Saisonunterbrechung im Umfeld von Funktionären und Spielern aller Teams an uns herangetragen worden.


In beiden Vereinen sind Familienangehörige, Arbeitskollegen sowie auch beruflich Selbstständige, Azubis und Arbeitnehmer in systemrelevanten Berufen davon massiv betroffen. Im Umfeld (Familie + Beruf) der positiv Getesteten kam es zu weiteren Ansteckungen und damit verbundenen neuen Quarantänezeiten. Abgesehen von wirtschaftlichen Ausfällen sind auch einige, wenn auch wenige, schwere Krankheitsverläufe dabei. Wann dort eine vollständige Genesung wiederhergestellt ist, ist zur Zeit nicht absehbar.
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Viele Spieler halten die Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebes und die damit verbundene erneute Ansteckungs- oder Quarantänegefahr durch den Amateur-Fußballsport für nicht verantwortbar. Letztendlich ist Fußball die schönste Nebensache der Welt, aber für erneute Ausfälle in Familie und Beruf haben weder die Familien noch die Arbeitgeber Verständnis.

Überall sollen unnötige Kontakte vermieden werden. Politik und Gesundheitsspezialisten mahnen täglich. Beim Fußball ist dies aber fast nicht möglich. Wir alle haben uns viele Jahrzehnte für den Fußballsport engagiert, der ist jetzt aber für uns schon seit geraumer Zeit zum Hygiene-Abstand-Masken-Mahner- Organisationssport und in Zeiten mit Zuschauerbegrenzungen zur Finanzjonglage geworden.
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Wir sind der Meinung, eine Unterbrechung der Saison, bis die Infektionswelle wieder beherrschbar ist, ist auch zeitlich möglich. Die lange Winterpause könnte für Spiele genutzt werden. Wenn es schlecht läuft, hätte auch eine gespielte halbe Saison unserer Meinung nach immer noch Aussagekraft. Was wir gar nicht gebrauchen können, ist ein erneuter wirtschaftlicher Lockdown. Um das zu verhindern, brauchen wir die Menschen gesund in ihren Familien und in ihren Berufen.

Im Sinne aller sportbegeisterten, verantwortungsbewussten Bürger bitten wir um einen erstmal zeitlich begrenzten Saison-Stopp. Gerne können wir auf Nachfrage, Näheres zu unseren Erfahrungen mit Corona in unseren Vereinen berichten.“

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