Dortmunder Klubs wollen ihre Spielerinnen und Spieler schützen

Handball - Offener Brief

Die Entscheidung des Handballverbandes Westfalen, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, trifft auf Kritik in der Vereinen. Jetzt wenden sich acht Dortmunder Klubs mit einem Offenen Brief an den Verband.

Dortmund

, 27.10.2020, 19:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dortmunder Handball-Klubs sehen die Sicherheit ihrer Spielerinnen und Spieler nicht mehr gesichert.

Dortmunder Handball-Klubs sehen die Sicherheit ihrer Spielerinnen und Spieler nicht mehr gesichert. © Folty

Als Reaktion auf die Entscheidung des Handballverbandes Westfalen richten sich acht Dortmunder Handballvereine, die mit Damen- und/oder Herrenteams in der Verbands- und Landesliga aktiv sind, mit einem Offenen Brief an das Präsidium des Verbandes. Unterzeichner sind die Vorstände von (in alphabetischer Reihenfolge): ASC 09 Dortmund, ATV Dorstfeld, DJK Oespel-Kley, DJK Westfalia Hörde, OSC Dortmund, TuS Borussia Höchsten, TuS Westfalia Hombruch, TV Brechten.

Der Brief im Wortlaut:

Liebes Präsidium des HV Westfalen,

uns alle treibt in diesen Tagen und Wochen der fast schon verzweifelte Kampf um das Überleben unseres Handballsports an. Schon deshalb sind wir sicher, dass ihr die Entscheidung, den Spielbetrieb fortzusetzen, nicht leichtfertig, sondern nach sorgfältiger Abwägung getroffen habt.

Wir als Dortmunder Vereine, die mit zum Teil mehreren Mannschaften auf HV-Ebene aktiv sind, kommen in einem zentralen Punkt dennoch zu einer anderen Einschätzung. Ihr begründet eure Entscheidung damit, dass sich an der Situation „gar nicht viel geändert“ habe. Das ist aus unserer Sicht falsch. In NRW weisen mittlerweile nahezu alle Städte und Kreise eine Inzidenz > 50 und sehr viele sogar > 100 auf. NRW ist ein einziges großes Risikogebiet – und wir schicken unsere Mannschaften innerhalb dieses Risikogebietes von A nach B, obwohl wir wissen, dass Reisen die Ausbreitung des Virus‘ begünstigt und Kontaktsport mindestens ein hohes Risiko birgt. Dass bisher nur sehr wenige Fälle auf den Handball zurückzuführen sind, mag den effektiven Hygienekonzepten der Vereine geschuldet sein. Es ist aber auch im hohen Maße Glück.

Schutz oberste Priorität

Die Probleme, die wir sehen, betreffen nicht allein die Gesundheit unserer Spielerinnen und Spieler, deren Schutz oberste Priorität genießen muss! Weitere Probleme sind:

Das hohe Risiko aller anderen am Spielbetrieb beteiligten Personen wie Schiedsrichter, Kampfgerichte und ehrenamtliche Helfer bei der Organisation in den Hallen. Viele dieser Personen gehören aufgrund ihres Alters der Risikogruppe an.

Das sinkende Verständnis vieler Arbeitgeber für die sportlichen Aktivitäten unserer Spieler*innen. In den meisten Betrieben sind Dienstreisen auf das unbedingt erforderliche Maß reduziert. Meetings finden digital, statt in Präsenz statt. Kontakte werden minimiert. Und am Wochenende spielen dieselben Mitarbeiter, die unter der Woche selbst private Kontakte vermeiden sollen, dann Handball. Das passt nicht zusammen.

Maximal 10er-Gruppen

Im öffentlichen Raum dürfen sich maximal 10er-Gruppen aus zwei Haushalten treffen. Darüber hinaus ist festgelegt: „Jede in die Grundregeln des Infektionsschutzes einsichtsfähige Person ist verpflichtet, sich im öffentlichen Raum so zu verhalten, dass sie sich und andere keinen vermeidbaren Infektionsgefahren aussetzt.“

Im Handball-Spielbetrieb setzen wir viele Menschen wissentlich einem erhöhten Risiko aus. Auch wenn die Ausnahmeregelungen für den Kontaktsport dies bislang zulassen, halten wir es für fahrlässig und vertreten die Ansicht: Nicht alles, was erlaubt ist, muss man auch tun.

Wir fordern das Präsidium des HVW dringend auf, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken, die Saison zu unterbrechen, bis sich die Corona-Lage signifikant entspannt hat und sich darauf zu konzentrieren, bis Mai/Juni 2021 eine (ver)wertbare Halbserie abzuwickeln. Für einen Re-Start der Saison halten wir die Inzidenz von 50 für den entscheidenden Maßstab.

Darüber hinaus wünschen wir uns vom HVW, dass er sich an den entscheidenden Stellen dafür einsetzt, dass die Vereine auf Basis ihrer bewährten Hygienekonzepte den Trainingsbetrieb aufrecht erhalten dürfen. Denn der ist für unser Überleben tatsächlich relevant.

Die Unterzeichner:

ASC 09 Dortmund

ATV Dorstfeld

DJK Oespel-Kley

DJK Westfalia Hörde

OSC Dortmund

TuS Borussia Höchsten

TuS Westfalia Hombruch

TV Brechten

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