Dortmunder Sven Ricke spielte in den USA Fußball

Der amerikanische Traum

Sven Ricke (24) war nie Tellerwäscher, und - Stand jetzt - wird er auch nicht zum Millionär. Seinen amerikanischen Traum lebte der Dortmunder Fußballer dennoch. Er hätte ihn eventuell am Ende tatsächlich zum reichen Mann gemacht. Im Januar aber scheiterte er knapp in der Qualifikation (Draft) für einen Platz in der US-amerikanischen Profiliga MLS.

DORTMUND

, 30.01.2016, 18:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sven Ricke im Trikot von Fresno Fuego. In die Profiliga hat er es aber nicht geschafft.

Sven Ricke im Trikot von Fresno Fuego. In die Profiliga hat er es aber nicht geschafft.

Ein paar Tage nach dem Draft sitzt Sven Ricke im Vereinsheim des ASC 09 Dortmund. Er ist mit sich selbst im Reinen. An diesem Abend fällt die Entscheidung, dass er für Aplerbeck ein Halbjahr lang spielen wird. Im Sommer geht er dann für drei Monate nach Kanada, will auch da Fußball spielen und hofft, dort Profi werden zu können. „Aber ich sehe meine Zukunft langfristig in Deutschland, habe mein Wirtschaftsinformatik-Studium abgeschlossen, will hier arbeiten und leben, dennoch aber in einer sehr guten Liga Fußball spielen.“

Zeit genossen

Ricke lacht im Vereinsheim des ASC über die Späße seines Teamkollegens Kevin Brümmer, der sich für das Interview als Übersetzer anbietet. „Sven kann ja kein Deutsch mehr“, scherzt Brümmer.

Ricke ist zwar wieder in Deutschland, aber die Eindrücke, die er in Aplerbeck schildert, zeigen, dass er die Zeit auf der anderen Seite des Atlantiks genossen hat. „Ich war immer fußballverrückt. Ich wollte schon immer jeden Tag Fußball spielen.“ Von seinem damaligen Mengeder Teamkollegen Marius Breer erfuhr er von der Chance, seinen Traum in den USA auszuleben.

An der Francis Marion University in South Carolina war dies möglich. Hier bekam er einen Studienplatz. „Wir haben jeden Tag trainiert und gelernt. Das war heftig.“ Die wichtigsten Zeiten waren aber die im Sommer, wenn die besten College-Kicker in der Premier Development League antraten – einer Amateurliga.

Kein Team

Ricke kickte im ersten Sommer für den AC Conneticut, im zweiten für Fresno Fuego in Kalifornien. „Viel läuft da über Videoauswertungen.“ So kam es dazu, dass er in Staaten weit entfernt von seinem Studienort Florence (South Carolina) aktiv war. Ricke spielte sich in der Amateurliga in den Vordergrund. Er schaffte es in die Ausscheidungsrunde für die MLS-Teams. Doch dort entschied sich kein Team für ihn.

Ricke ist zwar erst 24, „für die Profi-Vereine aber eben nicht. Die anderen Spieler sind, da sie früher angefangen haben zu studieren, einige Jahre jünger. Sie haben in diesem Jahr einen 23-Jährigen genommen, das war aber schon eher eine Ausnahme.“

Nicht richtig fit

Zudem räumt Ricke ein, dass er vor dem Draft nicht richtig fit war. Das tägliche Brot aber war der College-Fußball. „Wir hatten zuletzt eine gute Saison gespielt. Ich hatte die meisten Assists.“ Sein Team brachte es ins Halbfinale der Liga. Der amerikanische Fußball sei mit dem deutschen kaum zu vergleichen. „Hier bei uns ist alles ballorientierter.

Amerikaner spielen eher Kick and Rush.“ Gerade an den High Schools sei das Niveau überschaubar. Daher gründen die Amerikaner immer mehr Akademien, in denen die Fußballer besser ausgebildet werden sollen. Dennoch war es wegen der Trainingshäufigkeit und den zwei Ligaspielen pro Woche eine Zeit, die den Dortmunder erheblich körperlich weitergebracht hat.

Wertvolle Erfahrungen

Die Erfahrungen möchte er nicht missen. „Auf dem Platz bin ich disziplinierter, im Alltagsleben viel selbstständiger geworden. Ich hatte zuvor bei meinen Eltern gelebt, in den USA musste ich mich selbst versorgen, einkaufen, kochen, waschen.“ Das mit dem Studium und dem Fußball unter einen Hut zu bringen, war eine Herausforderung. Sollte Ricke den Sprung in den Profibereich nicht mehr schaffen, darf er immerhin von sich behaupten, einer der Dortmunder Amateur-Fußballer mit der abenteuerreichsten Karriere zu sein. 

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