Dortmunder zählt zu den jüngsten Profis in den USA

Baseball: Major-League

Nadir Ljatifi lebt seinen amerikanischen Traum. Als 16-Jähriger erhielt der Baseballer, der bei den Dortmund Wanderers begann, einen Vertrag beim US-amerikanischen Team Cincinnati Reds. Er ist der jüngste europäische Profi eines Major-League-Baseballteams. Im März startet er seine große Herausforderung.

DORTMUND

, 15.02.2015, 12:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
Oliver Görich (r.), sein ehemaliger Trainer bei den Dortmund Wanderers, ist von den Qualitäten Nadir Ljatifis überzeugt.

Oliver Görich (r.), sein ehemaliger Trainer bei den Dortmund Wanderers, ist von den Qualitäten Nadir Ljatifis überzeugt.

Die Saisoneröffnung der Dortmund Wanderers aus dem Jahr 2013:

Von Dortmund nach Phoenix (Arizona) sind es Luftlinie knapp 8900 Kilometer. Könnte man die Bedeutung des Baseballs in den USA und Deutschland in Kilometer umrechnen, käme mindestens eine ebenso große Zahl heraus. Die beste Liga und hohe Gagen dort, Amateursport und Schattendasein hier.

Vielleicht spielt er nie

Ende des Monats wechselt Nadir Ljatifi von der einen Welt in die andere. In den USA beginnt er seine Baseball-Profikarriere. Da ist er der besten Liga der Welt immerhin schon ein gewaltiges Stück näher. Den Millionengagen eher noch nicht.

Unterschrieben hat Ljatifi seinen Vertrag über fünf Jahre bei den Cincinnati Reds. Lange gezögert hat er nicht. Auch, wenn der Schritt für einen 16-Jährigen ein großer ist. Auch, wenn den Eltern die Trennung nicht leicht fällt. Sicher ist: Für Cincinnati, seinen neuen Verein, wird er vorerst nicht spielen. Vielleicht nie, man weiß es nicht.

Schritt für Schritt nach oben

Er wird sich von ganz unten hocharbeiten müssen. Ljatifi spielt im Sommer in Phoenix (Arizona) in der Rookie-League. Die großen Major-League-Teams wie Cincinnati haben mehrere hundert Spieler unter Vertrag, die verteilen sie auf verschiedene Ausbildungsteams.

Von Arizona aus kann es dann für Ljatifi Saison für Saison in den Minor Leagues einen Schritt höher gehen - bis zur Major League. "In drei Jahren will ich in der Triple-A-League spielen"“, hat sich Ljatifi zum Ziel gesetzt. Es ist die höchste der kleineren Ligen.

Erster Trainer traut ihm viel zu

Wie lang der Weg sein kann, zeigt das Beispiel von Donald Lutz. Er ist der erste deutsche Baseballer, der es durch die Minor Leagues geschafft hat und in der MLB, der Major League-Baseball, zum Einsatz kam. Auch für Cincinnati. Sechs Jahre hat das gedauert. Natürlich ist Lutz ein Vorbild für Ljatifi, "wir haben Kontakt und schreiben uns", erzählt der Nachwuchsmann, "ich hoffe, dass wir uns im Sommer mal treffen können."

Ob Ljatifi einen ähnlichen Weg nehmen kann? "Das lässt sich nicht vorhersagen", sagt Oliver Görich, Ljatifis erster Trainer bei den Dortmund Wanderers, "das hängt von so vielen Faktoren ab." Was der ehemalige Trainer so nicht sagt, aber deutlich herauszuhören ist: Er traut es Ljatifi zu.

"Feuer und Flamme vom ersten Tag an"

Er hat von Beginn an gesehen, dass da einer besonders viel Talent für Baseball hat. "Nadir war Feuer und Flamme, vom ersten Tag an", erinnert sich Görich an den ehrgeizigen Siebenjährigen, der, als er mit seinem Vater eher zufällig ein Baseball-Training im Hoeschpark sah, fortan jeden Tag auf der Anlage war und nach dem eigentlichen Training noch Extra-Runden drehte. Ljatifi, zumeist der Jüngste in seinen Teams, wurde schnell zu den Besten.

Mit gerade einmal 15 Jahren feierte er seine Bundesliga-Premiere. Er wechselte von Dortmund nach Paderborn und lebte im dortigen Sportinternat, machte seinen Hauptschulabschluss. Von Dortmund nach Paderborn zu gehen, war der erste, kleine Schritt. Knapp 100 Kilometer, Luftlinie. Nun folgt der Zweite, der sehr viel Größere. 8900 Kilometer eben.

Erster Vorgeschmack

Einen ersten Vorgeschmack auf das Leben in den Staaten hat Ljatifi schon im September bekommen. Beim Trainingslager in Goodyear, Arizona. Dort spielte er in der Instructional League. Dorthin senden die MLB-Klubs normalerweise Akteure, die bereits ein Jahr in der Minor League gespielt haben oder verletzt waren.

Wieder war Ljatifi der Jüngste, zudem stand er unter besonderer Beobachtung: Die Nominierung eines 16-jährigen europäischen Amateurs gab es noch nie. Ljatifi macht nicht den Eindruck, als ob ihn das besonders beeindrucken würde. "Es ist ein gesunder Konkurrenzkampf", sagt Ljatifi.

Der Tag wird vom Baseball bestimmt

Sein Leben wird ein komplett anderes werden. Er bekommt ein Gehalt, mit dem ein Junge seines Alters gut leben kann. Der Tag wird von Baseball bestimmt. Das bedeutet: 7 Uhr aufstehen, von 8 bis 11 Training, Pause, Essen, am Nachmittag individuelles Training. Wenn kein Training ist, stehen Spiele an.

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