Borussia Dortmunds U23 zu zahnlos: BVB verliert mit 1:2 gegen SV Lippstadt

Fußball-Regionalliga

Die BVB U23 unterliegt zum vierten Mal in dieser Saison - und bleibt offensiv zu zaghaft. Gegen den SV Lippstadt gibt der BVB eine Führung aus der Hand. Zwei Profis standen in der BVB-Startelf.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 12.10.2019, 15:58 Uhr / Lesedauer: 4 min
Borussia Dortmunds U23 zu zahnlos: BVB verliert mit 1:2 gegen SV Lippstadt

Die Köpfe gehen runter bei der BVB U23 nach der 1:2-Niederlage gegen den SV Lippstadt. © Thomas Bielefeld

Schon in der Vorsaison machte Dortmunds U23 schmerzhafte Erfahrungen mit dem SV Lippstadt. Erst noch unter der Leitung von Trainer Jan Siewert (0:2), dann mit Interimscoach Alen Terzic an der Seitenlinie (0:1). Auch in der aktuellen Runde 2019/2020 verlor der BVB zumindest das Hinrunden-Spiel gegen die zuvor auf Platz 17 rangierenden Lippstädter, das 1:2 (1:1) war die vierte Pleite im zehnten Regionalliga-Vergleich.

Personal: Im Vergleich zum 2:0 gegen Rot-Weiß Oberhausen vor zwölf Tagen nahm Fußball-Lehrer Mike Tullberg drei Veränderungen vor. Weil Leonardo Balerdi (Argentinien) und Kolbeinn Finnsson (Island) im internationalen Einsatz sind, rotierten Maximilian Hippe und Lars Bünning herein, letzterer stand nach überstandenen Knieverletzung das erste Mal seit knapp zwei Monaten im Aufgebot – und für 58 Minuten sogleich wieder auf dem Platz. Außerdem war Profi-Leihgabe Tobias Raschl zum fünften Mal von Beginn an dabei, er ersetzte Marco Hober. Mateu Morey, im Sommer vom FC Barcelona gekommen, besetzte diesmal die linke Defensivseite, gegen RWO bei seinem Debüt hatte er noch rechts hinten verteidigt und dezent angegriffen. In den ihm diesmal vergönnten 65 Minuten blieb der lange verletzungsbedingt lahmgelegte Spanier erneut durchschnittlich.

Tore:

1:0 Boyamba (14.): Einen Pass von Marius Kröner, aus der letzten Abwehrlinie flach in Richtung Spielmitte entsandt, konnte Raschl mit ein paar flinken Schritten abfangen, er ging dann noch ein wenig in Richtung Tor und legte den Ball klug durch die offene Gasse auf Joseph Boyamba. Der blieb Sieger im Duell der Kapitäne gegen Keeper Christopher Balkenhoff – und traf flach ins Tor.

Borussia Dortmunds U23 zu zahnlos: BVB verliert mit 1:2 gegen SV Lippstadt

Da sah die Welt noch in Ordnung aus für die BVB U23: Ein kleines Tänzchen nach dem Führungstreffer durch Joseph Boyamba (l.). © Thomas Bielefeld

1:1 Kröner (23.): Die erste ernsthafte Bedrohung fürs BVB-Tor führte gleich zum Gegentor. Marius Kröner, hauptamtlich in der Innenverteidigung angestellt und mit dem groben Fehler vor dem 0:1, wagte sich weit in die Dortmunder Hälfte und konnte auch von Steffen Tigges nicht entscheidend behindert werde. Er spielte dann noch einen Doppelpass und war plötzlich frei vor Torhüter Eric Oelschlägel in Position. Mehrere Abwehrspieler des BVB standen zwar in der Nähe, konnten allerdings nicht mehr eingreifen – der Ausgleich.

1:2 Hoffmeier (61.): Das zweite Lippstädter Tor resultierte aus einer scharf getretenen Flanke, die am zweiten Pfosten Kevin Hoffmeier erreichte. Der Mittelfeldspieler des SVL verwandelte mit links und seinem ersten Ballkontakt ins rechte untere Eck. Erneut traf Oelschlägel im Dortmunder Tor keine Schuld.

Die Analyse: „Tief stehen und zu verteidigen“, das sagte Mike Tullberg im Vorfeld der Partie, „ist nicht unsere Paradedisziplin, wir haben lieber den Ball, machen das Spiel.“ Und exakt das war Dortmunds U23 auch gegen die im Abstiegskampf steckenden Lippstädter überlassen. Defensiv formierte sich der zuletzt fünffach sieglose SVL mit fünf Defensivleuten, drei Mittelfeldspieler positionierten sich davor, was ein insgesamt schwer zu durchspielendes Abwehrdickicht ergeben sollte. Nach Ballgewinn hatte sich der Gast das zügige Konterspiel ins Pflichtenheftchen geschrieben.

Als Gegenmittel ist da immer die Ballsicherheit eine gute Idee, gegen Oberhausen hatte die weitgehend gefehlt. Raschl, dort noch wegen des eingeplanten Youth-League-Einsatzes bei Slavia Prag (0:1) über die gesamte Dauer auf der Bank, mischte dem Dortmunder Spiel vor allem zu Beginn jene erforderliche Komponente bei. Mit Ball am Fuß bewegte sich der 19-Jährige äußert sicher, beruhigte damit, zeichnete aber auch immer wieder für gute Angriffsideen verantwortlich oder eroberte Bälle, nicht kraft außerordentlichen Körpereinsatzes, sondern dank klugen Stellungsspiels. So geschehen vor dem Führungstreffer.

Zu langsam geschaltet und mit der falschen Deckung beschäftigt

Dass der BVB, der in Person von Chris Führich in der siebten Minute die erste von zwei Möglichkeiten in Hälfte eins vergeben hatte, den Ausgleich kassierte, lag an zu passiver, abwartender Abwehrhaltung. All die in Dortmunder Dienstkleidung gehüllten Spieler, die beherzt hätten eingreifen können, sahen davon ab, entweder weil sie zu langsam schalteten oder mit der Raum- oder Manndeckung beschäftigt waren.

Und auch danach mischten sich ab und an kleinere Ungenauigkeiten in den Vortrag von Dortmunds U23: Nach unpräzisem Anspiel von Morey konterten die Lippstädter, Lucas Arenz‘ Schuss aus delikater zentral gelegener Position wurde indes geblockt (42.). Oliver Schindler kam ebenfalls noch vor der Pause zum Abschluss, Marco Rente rettete aber per Grätsche (44.).

Viel Mühe beim BVB, aber ohne der Rolle gerecht zu werden

Wieder zielgerichteter in ihren Angriffsbemühungen schien die Borussia aus der Pause zu kommen. Magnus Kaastrup, mit 18 Jahren der jüngste im jungen Dortmunder Kollegium, verzog aus circa zehn Metern (7.); drei Minuten später köpfte Tigges eine Boyamba-Flanke neben das Tor. Es waren Annäherungen, den insgesamt dritten Treffer des Tages erzielte allerdings Lippstadt – und verpasste dem BVB damit einen gehörigen Dämpfer. Plötzlich lag die Mannschaft von Tullberg sogar zurück.

Sie mühte sich zwar, um die Partie zumindest nicht punktlos beschließen zu müssen, wurde ihrer Favoritenrolle jedoch nicht mehr gerecht. Sie blieb offensiv zu zahnlos und bis zum Schluss ohne weitere Großchance. Lippstadts Kevin Hoffmeier verpasste es circa zehn Minuten vor dem Ende, nach einem Konter für die Entscheidung zu sorgen. Deshalb blieb es beim enttäuschenden 1:2 aus Dortmunder Sicht. Den „guten Lauf“, von dem Tullberg zuvor gesprochen hatte, konnte der BVB nicht fortsetzen.

Spieler des Spiels: Tobias Raschl. Sein Beginn war stark, häufig eroberte er den Ball, blieb sicher mit der Kugel und zielorientiert beim Führungstreffer, als er Boyamba assistierte. Insgesamt allerdings wurde seine Leistung mit steigender Spielzeit schwächer – und war damit am Ende ebenso durchschnittlich wie die seiner Kollegen.

Die Stimmen zum Spiel:

Mike Tullberg (Borussia Dortmund U23): „In den ersten zwanzig Minuten haben wir so begonnen, wie wir uns das gewünscht haben. Wir haben Lippstadt ins Spiel eingeladen, durch sehr einfache Fehler. Die letzten zwanzig Minuten haben mich geärgert. Das war das Schlechteste, was wir gespielt haben, seitdem ich im Sommer hierhin gekommen bin. Am Ende habe ich das Gefühl gehabt, dass der ein oder andere den Sieg gar nicht mehr wollte. Da hat mir die Körpersprache nicht gefallen. Ein verdienter Sieg - leider.“

Felix Bechtold (SV Lippstadt): „Dortmund hat sehr druckvoll begonnen. Wie meine Mannschaft aufgetreten ist, hat sich nicht unterkriegen lassen, hat Vollgas-Fußball gespielt. Wie wir verteidigt haben, da bin ich mega stolz auf die Jungs. Wir haben Fußball gespielt, der Fight war da, wir haben verdientermaßen das 2:1 gemacht. Uns tun die drei Punkte gut.“

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