Ein Brief an Bövinghausens neuen Trainer Dimitrios Kalpakidis: Bitte, mach es nicht!

mlzFußball-Landesliga

Unser Autor Thomas Schulzke kennt Dimitrios Kalpakidis schon so lange, wie dieser im Seniorenbereich Fußball spielt. Heute schreibt er einen Brief an den neuen Trainer des TuS Bövinghausen.

Dortmund

, 14.11.2019, 13:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Lieber Dimi,

ja, ich verlasse hier mal kurz meine geforderte journalistische Distanz und nenne dich bei deinem Spitznamen. Alles andere wäre an dieser Stelle geheuchelt, weil wir uns schon ziemlich lange kennen. Dir einen Brief zu schreiben und mit „Lieber Herr Kalpakidis“ zu beginnen, käme deinem Versprechen gleich, als Trainer nie wieder Stürmer Karim Bouzerda zu verpflichten. Es wäre beides Quatsch.

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Ich muss dir sagen, dass ich mich darüber freue, dass der TuS Bövinghausen dich geholt hat. Einen echten Dortmunder Jungen. Einen, der dem Landesliga-Aufsteiger ein neues Gesicht geben und dem Verein zu einem neuen Profil verhelfen kann.

Der ambitionierte Klub hat ja viele prominente Spieler in seinem Kader. Aber viele, die den Dortmunder Fußballern vor deren Bövinghausen-Zeit gar nicht bekannt waren. Sie kamen aus Ahlen, Herne oder sogar aus Brasilien.

„Du bist mit dem TuS Eving in die Westfalenliga aufgestiegen, auch mit dem BSV Schüren. Und das fast nur mit Dortmunder Jungs.“

So ist der TuS Bövinghausen bis heute eine einsame Insel im Dortmunder Amateurfußball. Der Klub wird eher kritisch beäugt. So richtig gönnt eigentlich niemand dem TuS den Aufstieg in die Westfalenliga. Und eine Abstimmung, wem die Dortmunder Fußballszene es denn mehr wünschen würde, deinem Ex-Klub Kirchhörde oder Bövinghausen, sie würde wohl verheerend enden für den TuS.

Jetzt hast du aber die Chance, die Post-Legat-Zeit beim TuS Bövinghausen neu zu gestalten. Du, ein beliebtes Dortmunder Gesicht, das jeder in der Stadt, der sich auch nur ein bisschen für Fußball interessiert, kennt. Eines, das bisher immer den Erfolg in die Klubs (gemeint sind Fußballvereine, keine nächtlichen Party-Orte) gebracht hat. Du bist mit dem TuS Eving in die Westfalenliga aufgestiegen, auch mit dem BSV Schüren. Und das fast nur mit Dortmunder Jungs.

Ich traue es dir auch jetzt zu 100 Prozent zu, den Westfalenliga-Aufstieg zu feiern, noch in dieser Saison. Ich mache mir trotzdem ein paar Sorgen. Ich glaube, dass du es mit dem Fußballspielen nicht sein lassen kannst. Schon in Schüren hast du dein Versprechen gegenüber dem Präsidenten gebrochen, nicht mehr selbst auflaufen zu wollen. Jetzt betont dein neuer Chef Ajan Dzaferoski wieder, dass du nur als Trainer kommst. Nicht als Spieler.

Deine Antwort: „Für die Halle gibt es aber eine Sonderklausel.“ Selbst wenn es so sein sollte: Bitte zieh dir das Trikot des TuS Bövinghausen als Spieler niemals an, auch wenn du heute noch mit 40 Jahren temporär für die Landesliga geeignet bist, für die Halle bestimmt auch. Aber das ist nicht mehr dein Job. Du sollst einen ambitionierten Verein nach ganz oben führen. Als Trainer. Das ist eine einmalige Chance. Viele Vereine gibt es in Dortmund nicht mehr, die dir das bieten können.

„Und verzichte auf einen eigenen Einsatz in der Halle, du kannst nur verlieren.“

Bövinghausen hat erst vor dieser Saison deutlich gemacht, dass die Oberliga mittelfristig das Ziel sei. Bau dir ein Team auf, das dir das ermöglichen kann. Vielleicht mit mehr Dortmundern, als heute beim TuS spielen. Und verzichte auf einen eigenen Einsatz in der Halle, du kannst nur verlieren.

Der TuS Bövinghausen ist Titelverteidiger, hat als Bezirksligist die Halle zuletzt überragend gerockt. Was glaubst du, wie die Leute sich das Maul zerreißen werden, wenn der Klub mit dir als Spieler in der Zwischenrunde ausscheidet? Was glaubst du, was deine neuen Spieler von dir halten, wenn du ihnen einen begehrten Hallenplatz nimmst und sie nur zuschauen dürfen? Was glaubst du, wie toll es deine Jungs finden würden, wenn du im Finale den entscheidenden Neunmeter über die Latte pflasterst?

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Die drei Fragen kannst du dir ganz alleine beantworten. Gönne es deinen Jungs, im Mittelpunkt zu stehen. Du hast schon viel zu viel erreicht, um das nötig zu haben. Und auf dich warten in der nahen Zukunft große Aufgaben. Als Trainer! Deshalb habe ich einen Wunsch. Denk an meinen Brief, wenn du in Versuchung gerätst, dich selbst in der Halle oder auf dem Feld aufstellen zu wollen. Vielleicht hörst du dann ein leises: „Bitte, mach es nicht!“

Beste Grüße

Thomas

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