Die Neuzugänge des TuS Bövinghausen? Beeindruckend! Die von Türkspor Dortmund? Stark! Doch das Kaliber, das sich B-Ligist VfL Hörde angeschlossen hat, kann kein Dortmunder Klub vorweisen.

Dortmund

, 06.07.2019, 05:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der prominenteste Neuzugang im Dortmunder Amateurfußball zieht sich am Stadionkiosk erstmal einen Durstlöscher. Das Training im Hörder Goystadion hat noch nicht begonnen, nach und nach trudeln die Spieler des hier beheimateten B-Ligisten VfL Hörde auf der Anlage ein. Der Mann mit dem Trinkpäckchen trägt ein Trikot der italienischen Nationalmannschaft, klatscht mit ein paar Neuankömmlingen ab und lässt sich von seinem Trainer Lukas „Lako“ Lakoma die orangenen Leibchen in die Hand drücken.

Für Julian Koch ist das eine neue und trotzdem bekannte Welt. Der ehemalige Fußballprofi war es in den vergangenen Jahren gewohnt, mit Leistungsdiagnostik und Laktattests in die neue Saison zu starten, stand in den zehn Jahren seit 2009 bei Borussia Dortmund, dem MSV Duisburg, Mainz 05, Fortuna Düsseldorf, dem FC St. Pauli und bis zum Sommer bei Ferencvaros Budapest in Ungarn unter Vertrag.

Alles beginnt in Hörde

Doch alles begann für ihn hier in Hörde: „Viel hat sich nicht verändert“, sagt Koch mit einem breiten Lächeln, „der Klubraum und die Kabinen sind noch gleich, nur der Platz ist neu. Ich bin ja noch auf Asche groß geworden.“

Neben ihm sitzt Gerd Martinschledde, die gute Seele des Klubs, „er hat den Verein mitgegründet“, scherzt Lakoma. Martinschledde kontert: „Und das war 1912 - da könnt ihr mal sehen, wie gut ich mich gehalten habe.“

Ex-Bundesliga-Profi beim VfL Hörde: Der stärkste Dortmunder Neuzugang spielt in der B-Liga

Julian Koch könnte das Hörder Mittelfeld dirigieren. © Nils Foltynowicz

Die Stimmung ist gut an diesem Donnerstag, so viele Spieler wie heute waren in den vergangenen Jahren selten beim Auftakttraining: „Spieler zu holen, damit haben wir schon lange aufgehört“, sagt Martinschledde. Immer seien dann am Ende doch andere Teams aufgestiegen und die Spieler seien wieder gewechselt.

Die, die jetzt da sind, waren entweder schon im vergangenen Jahr da, sind Freunde von denen, die schon im vergangenen Jahr da waren - oder eben solche, die einer wie Koch anzieht: „Gerd und Lako haben mir schon gesagt, dass durch meinen Namen vielleicht der eine oder andere bessere Spieler in die Kreisliga B kommt. Vielleicht gibt das einen kleinen Anstoß.“

Entscheidung fällt innerhalb eines Tages

Diesen Anstoß benötigt er selbst auch, als er im Sommer nach einer Knieverletzung wieder fit ist und der Vertrag in Budapest ausläuft. Koch ist trotz wenig packender Angebote aber „noch nicht wirklich bereit, aufzuhören.“ Erst ein Anruf seines Schulfreunds David Siebers ändert seine Pläne. Der aktuelle Coach der U17 des VfL Bochum sucht einen Co-Trainer: „Und da habe ich innerhalb von einem Tag entschieden, dass ich aufhöre“, sagt Koch.

Natürlich sei es auch eine gesundheitliche Entscheidung gewesen: „Ich hatte trotz meiner Verletzungen Super-Jahre, aber vielleicht hätte es für den Profifußball auch nicht mehr gereicht“, sagt Koch, „und Daniel wusste, dass ich im Anschluss an meine Karriere Trainer werden will.“

Ex-Bundesliga-Profi beim VfL Hörde: Der stärkste Dortmunder Neuzugang spielt in der B-Liga

Julian Koch und sein neues Team vom VfL Hörde. © Nils Foltynowicz

Koch hatte in seinen zehn Karriere-Jahren die Trainer Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Friedhelm Funkel, Milan Sasic, Kosta Runjaic, Ewald Lienen und Thomas Doll: „Ich hatte wirklich Glück, ich hatte einige der Top-Trainer der heutigen Generation und das hat mich mit Sicherheit auch zu der Entscheidung geführt, selbst Trainer werden zu wollen.“

Familie zieht zurück in die Heimat

Mit dem Job in Bochum ist klar, dass er mit der Familie zurück in seine Heimat zieht und - wenn es der Trainingsplan seiner U17 zulässt - auch noch selbst ein bisschen kicken geht. „Komplett aufhören kann ich nicht“, sagt Koch, „also hab ich mir gesagt: Back to the Roots zum VfL Hörde. Die Jungs waren auch erst überrascht und haben, glaube ich, gedacht, dass es nur ein Spaß ist. Aber ich habe einfach Bock, ein bisschen zu kicken.“

„Komplett aufhören kann ich nicht, also hab ich mir gesagt: Back to the Roots zum VfL Hörde.“
Julian Koch

Und so dirigiert Julian Koch, der mit dem BVB unter Jürgen Klopp zwar lediglich zweimal eingewechselt wurde, aber zur Meistermannschaft von 2012 gehörte, am Donnerstagabend die eine Hälfte des B-Liga-Teams des VfL Hörde auf der Sechs: „Wir haben einen Sechser gesucht, er ist einer. Besser hätte es uns nicht treffen können“, sagt Lakoma. Dass für Koch der Job beim VfL Bochum Priorität habe, ist für ihn kein Problem: „Wir ändern jetzt auch nicht unsere Ziele. Wir wollen in zwei Jahren zurück in die A-Liga, aber wir planen so, als hätten wir Julian nicht. Zumal er auch nicht alleine aufsteigen kann“, sagt Lakoma.

Ob er am Ende wirklich spielen werde, hänge komplett von seinem Einsatz für den VfL Bochum ab, doch da die U17-Bundesliga normalerweise Samstagmorgen spielt, steht den B-Liga-Einsätzen des ehemaligen U21-Nationalspielers eigentlich nichts mehr im Weg: „Mal gucken, ob das passt“, lächelt Koch. Eine Stammplatzgarantie spricht Lakoma seinem prominenten Neuzugang jedenfalls nicht aus: „Ich kenne keinen Trainer, der so etwas macht. Aber ich glaube, dass wir uns bei so einem Klassespieler wie ihm keine Gedanken darüber machen müssen, ob er spielt“, sagt der Coach mit einem Augenzwinkern.

Koch hat keine Angst vor einer harten Gangart

Angst vor einer harten Gangart seiner Gegenspieler hat Koch dann auch nicht: „Ich glaube nicht, dass die Jungs böswillig drauflos hacken. Die wollen alle Fußball spielen und das eine oder andere Foul gibt es ja auch in der Bundesliga“, sagt Koch. Generell ist ihm die Aufmerksamkeit um seine Person fast ein bisschen unangenehm: „Ich will hier einfach mit Freunden ein bisschen pöhlen. Den Rest machen Gerd und Lako.“

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