Ex-BVB-Profi und Fußballschul-Legende Raducanu zur neuen PSG-Academy: „Ich habe keine Angst“

Fußballschulen in Dortmund

Die neue PSG-Academy auf dem Sportplatz in Bövinghausen hat in Dortmund für Aufsehen gesorgt. Doch was sagen eigentlich die Dortmunder Platzhirsche auf dem Gebiet der Fußballschulen dazu?

Dortmund

, 18.07.2019, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ex-BVB-Profi und Fußballschul-Legende Raducanu zur neuen PSG-Academy: „Ich habe keine Angst“

Marcel Raducanu (r.) bei einem seiner Fußballcamps. © Archiv

Marcel Raducanu ist eine Legende auf seinem Gebiet. Nicht nur weil er in den 80ern ein herausragender Fußballer beim BVB war, sondern auch, weil er nach seiner Karriere eine Idee hatte, die danach hundertfach kopiert worden ist und mit der auch heute, 25 Jahre danach, noch sein Geld verdient.

„Wo waren die vor 25 Jahren?“

1994 macht Raducanu seine Fußballschule in Dortmund auf, betreibt sie bis heute in der Soccerworld unweit des Signal-Iduna-Parks und dass jetzt Paris St. Germain auf dem Platz des TuS Bövinghausen regelmäßig für viel Geld Fußballtraining anbietet, ringt ihm nur ein müdes Lächeln ab: „Wo waren die vor 25 Jahren? Sorry, aber das ist alles Geldmacherei.“

Natürlich will er selbst auch etwas verdienen, bei ihm in der Fußballschule kostet ein viertägiges Trainingscamp 129 Euro. Wer einmal die Woche „in kleinen Gruppen von sechs bis acht Kindern“ trainieren will, ist ab 69 Euro dabei, zweimal wöchentlich kosten 99 Euro, auch Einzeltraining bietet seine Fußballschule an: „Ich glaube nicht, dass sie bei dieser PSG-Academy in so kleinen Gruppen arbeiten können“, sagt Raducanu.

Zahlreiche Schulen kamen, Raducanu blieb

Seit der Eröffnung im Jahr 1994 seien zahlreiche Fußballschulen aus dem Boden gesprossen. Erst kamen die Ex-Profis wie Michael Rummgenigge, Frank Mill, Klaus Fischer, später die großen Profi-Klub wie der BVB, Schalke, Bochum, „und ich habe trotzdem meine 70 bis 75 Kinder hier. Ich habe auch keine Angst, dass sie weglaufen, weil sie wissen, was sie bei mir haben.“

Am Ende entscheide die Qualität des Trainings über den Erfolg: „Denn das ist das Wichtigste. Nicht das Trikot, was man bekommt, nicht die Bälle, mit denen man spielt“, sagt Raducanu. Dass die großen Profi-Klubs ernsthaft auf Talentefang gehen, glaubt er ohnehin nicht: „Das ist nur der Name“, sagt Raducanu. In seiner Heimat in Rumänien sei Juventus Turin plötzlich mit Trainingscamps aufgetaucht, „ein Riesenbus, tolle Bälle“, sagt Raducanu, „aber die haben mit dem Profiklub am Ende so gut wie nichts zu tun. Da geht es nur ums Geld.“

„Die Fußballschule wird überleben“

Raducanu ist sich sicher, dass er auch diese Welle der Expansion überleben wird: „Mir ist es egal, was die machen, weil ich weiß, was ich mache. Die Fußballschule wird überleben.“

Auch die erfolgreichsten Dortmunder Junioren-Fußball-Vereine schauen dem Treiben in Bövinghausen gelassen entgegen. Beim Hombrucher SV und dem TSC Eintracht Dortmund kostet der Mitgliedsbeitrag im Monat um die 15 Euro: „Vereine wie wir bieten schon viel an“, sagt Erich Speckmann, Jugendleiter beim Hombrucher SV „aber in den Ferien sollten die Kids vielleicht mal was anderes machen als Fußball spielen.“

Auch sein Jugendleiter-Kollege beim TSC Eintracht, Stefan Goms, bleibt entspannt: „Ich glaube nicht, dass das irgendwelche Auswirkungen auf uns haben wird.“ Der BVB hatte sich schon am Dienstag in Person von Lars Ricken geäußert.

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