Fast 200 Tore für den SV Brackel: Jetzt wagt junger Routinier den Neustart

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Der Fußball begleitet Niklas Schemann schon seit Kindheitstagen. Dabei blieb Schemann seinem Verein SV Brackel 06 bis zuletzt als Spieler und Trainer treu. Nun wechselt der 18-Jährige den Klub.

Dortmund, Brackel

, 09.05.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Lexikon der Jugendsprache steht der Begriff, der Niklas Schemann besonders macht, nicht. Er passt besser ins Moderne Antiquariat. Denn „Vereinstreue“ ist eine Tugend, die viele Fußballer vor Jahren noch lebten, heute für noch nur wenige junge Menschen modern und aktuell ist.

Seit 15 Jahren hält Niklas Schemann dem SV Brackel 06 nicht nur die Treue, er ist für seinen „Herzensklub“ auch aktiv. In der U19 lehrt er als Kapitän und Innenverteidiger den Gegnern das Fürchten, als Trainer der C1-Junioren jüngeren Fußballern Taktik, Technik und Tricks. Dabei ist der Nachwuchs einer im Dortmunder Osten bekannten Fußballerfamilie erst 18 Jahre jung.

Vater Ralf Schemann ist beim SV Brackel ein Begriff

Vater Ralf, der mit seinem Sohn Niklas in Torschussweite vom Sportplatz am Hallenbad wohnt, ist nördlich des Hellwegs beim SV Brackel ein Begriff, Onkel Peter südlich der alten Handelsstraße beim TuS Neuasseln. Niklas wird schon bald auf beiden Seiten des Hellwegs ein Begriff sein, doch dazu später.

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Um den in der schnelllebigen Fußballzeit zum jungen Phänomen gewordenen Niklas Schemann zu begreifen, lohnt ein Blick ins Fotoalbum. „Ich weiß nicht mehr genau, wie mein erstes Training als Dreijähriger war, aber ich kenne natürlich die Bilder.“ Als die Erinnerung einsetzt, war der Ball aber immer präsent: „Wo immer er war, war auch ich. Seitdem verbringe ich jede freie Minute mit Fußball.“

Und das BVB-Trikot durfte früher nie fehlen. Wenn immer der Ball da war, also auch Niklas, war auch das schwarz-gelbe Trikot zu sehen. „Ohne ging nicht“, sagt er heute.

Erste Erfolge für Niklas Schemann

Ohne Erfolge ging auch nicht. Der kleine Niklas, der nie den eigentlichen Sinn des Sports, den Spaß, aus den Augen verlor, war auch gleich erfolgreich. Selbst wenn die Erinnerungen nicht zu detailliert sind, weiß er, dass er im ersten Spiel gleich traf: „Ich war nicht nur auf meine ersten Fußballschuhe verdammt stolz, so glücklich. Ein besonderer Moment, ein Riesenerlebnis für mich als kleinen Jungen.“

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Und wer kann schon von sich mit 18 Jahren behaupten, den begehrtesten Titel der Stadt als Spieler und Trainer gewonnen zu haben? 2007 feierte der Sechsjährige den Hallen-Stadtmeisterpokal mit den G1-Junioren, genau zehn Jahre später den Titel als Trainer.

Während er munter weiterkickte und – ganz vereinsdienlich – alle möglichen Positionen bekleidete, begann er als gerade 15-Jähriger als Trainer, zunächst bei den Jüngsten, machte die C-Lizenz. Heute coacht er die U15.

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Unter dem schwarz-gelben Fantrikot schlug früh das rot-weiße Brackeler Herz, das er in seiner Doppelrolle auslebte. Gewöhnlicherweise sind folgende Sätze die eines älteren Routiniers.

Niklas Schemann ist eben ein jüngerer Routinier, der sagt: „Wenn ich aus dem Urlaub komme und den Platz sehe, weiß ich sofort, das ist mein Zuhause.“ Auch die Zahlen sprechen für einen jungen alten Hasen: In mehr als 650 Partien erzielte er fast 200 Treffer.

Eltern sorgten sich

Manchmal machten sich selbst die fußballverrückten Eltern Sorgen, dass Niklas zu Lasten der schulischen Leistungen übertreibt. Aber der Junge bekam letztendlich alles unter einen Hut, zumal nicht nur der Sportplatz in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, sondern auch die Geschwister-Scholl-Gesamtschule: „Da ich da schnell hinlaufen konnte, hatte ich mehr Zeit für beides.“

Die Eltern waren am Ende sehr beruhigt, als Niklas das Abiturzeugnis in den Händen hielt.

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Und auch der Klub, der dem schlauen Jugendlichen das neben der Familie zweite Heim mit Herz bietet, weiß, was er an seinem Multifunktions-Youngster hat. „Der Verein ist sehr stolz auf sein Mitglied, bedankt sich für den unermüdlichen Einsatz und wünscht Niklas für die Zukunft auch weiterhin ganz viel Erfolg“, schreibt der SV Brackel 06 gewollt öffentlichkeitswirksam auf seiner Homepage.

Wechsel zum TuS Neuasseln

Niklas Schemann möchte mit Herzblut weiter Trainer bei den Nullsechsern bleiben, seine Spielerlaufbahn setzt er allerdings weiter südlich fort. Obwohl er Angebote von verschiedenen Vereinen hatte, ist die neue sportliche Heimat wer wohl? Aus Schemann-Sicht fast logisch: der TuS Neuasseln.

Hier trifft der Auszubildende auf seinen Onkel Peter, der an der Holzwickeder Straße bekannt wie ein bunter Hund ist. Und er kickt mit seinem Cousin Sascha in einem Team. „Das reizt mich.“

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Niklas bleibt also in der Familie. Alles andere würde in diese Geschichte auch nicht passen. Geht der bodenständige junge Mann seinen Weg so weiter, könnte aus dieser Story gut ein modernes Märchen werden – oder vielleicht auch mal ein Evergreen.

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