Das Tor seiner Karriere: FC Wellinghofen II-Kicker gelingt ein Schuss wie ein Kunstwerk

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Die Flugkurve krumm, die Entfernung weit, der Jubel riesig. Selbst in der Kreisliga C verstecken sich Künstler am Ball. Auch in Wellinghofen, wo ein Traumtor nun zur Auswahl der Woche steht.

von Patrick Radtke

Dortmund

, 28.02.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollte der offensive Mittelfeldspieler das Spiel seines älteren Sohnes beim Basketball beobachten, auf der Tribüne mitfiebern. Doch dann klingelte das Telefon. Kurze Zeit später war er Kunstschütze.

Seine Mannschaft hatte Not am Mann, nur elf Spieler standen ohne ihn in der C-Liga-Partie gegen ETUS/DJK Schwerte II auf dem Spielberichtsbogen. Und da die Basketball-Partie kurzfristig doch noch abgesagt wurde, schwang er sich ins Auto und düste zum EWG-Sportpark. Circa zwei Stunden später wusste er, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist. Immerhin erzielte er laut seiner eigenen Aussage in dem Spiel das beste Tor seiner Karriere.

Der zweite Versuch sitzt

„Sie haben mir am Telefon gesagt, dass sie welche brauchen. Da meinte ich, ich komme unter einer Bedingung: wenn ich Stürmer spielen darf“, erzählt Waldemar Albert über den Tag im November. Durfte er nicht, er kam aber trotzdem und nahm zunächst auf der Bank Platz.

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Das Spiel läuft nicht gut. Schwerte geht durch zwei Treffer von Branko Vodsevic mit 2:0 in Führung, Alberg kommt in die Partie und sorgt für den Umschwung. In der 52. Minute legt er sich den Ball zurecht, Torentfernung: gute 30 Meter. Der Ball fliegt unangenehm Richtung Schwerter Kasten, der Torhüter kann ihn gerade noch gegen den Innenpfosten lenken. Da hat nicht viel gefehlt.

Eine Viertelstunde später - mittlerweile hatte Wellinghofen auf 1:2 verkürzt - versucht es Alberg erneut, diesmal ist die Entfernung sogar noch weiter. Doch Alberg lässt sich davon nicht beeinflussen, drischt das Leder mit dem linken Fuß Richtung Tor. Die Flugkurve ist etwas krumm, der Ball dreht sich erst nach rechts, dann wieder nach links und schlägt unhaltbar im Winkel ein.

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„Es war einfach ein Versuch wert“, sagt Alberg im Nachhinein über seinen Treffer, der auch den Endstand bedeutete, ganz nüchtern. Ein Mitspieler hätte ihn vor dem Schuss sogar noch gefragt, ob er sich sicher sei, es direkt zu versuchen. „Da sagte ich, ich probiere es mal“, so Alberg. Ein Experiment ins Glück.

FC Wellinghofen II-Coach: „Er senst die immer gut rein“

Der Treffer des 33-Jährigen sei dabei kein Zufall gewesen, sagt Trainer Andre Kollmeier. „Der hat schon einen wirklich strammen Schuss. Gerade die weiten Freistöße soll er immer schießen. Da ist er zielgenau, sie gehen nicht immer rein, kommen aber immer gefährlich auf das Tor. Es war schon ein gewisser Wille dahinter“, sagt Kollmeier.

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Auch sein Co-Trainer Robin Pur ist von den Standardqualitäten Albergs überzeugt. „Er kann mit links und mit rechts gut schießen, die Freistöße kommen brandgefährlich. In der Wintervorbereitung haben wir ein Hallenturnier in Hagen gespielt. Da war er Torhüter und hat einen aus dem Kasten selbst gemacht. Er senst die immer gut rein.“

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Den Freistoßtreffer gegen Schwerte habe Robin Pur in den „letzten Tagen bestimmt 80 Mal gesehen.“ Nun steht der Kunstschuss zur Wahl zum Tor der Woche bei Soccerwatch. Gewinnt er diese, kommt er in die Auswahl zum Tor des Monats und würde dabei unter anderem gegen den Freistoß von Patrick Johann vom VfR Sölde II antreten. Für Alberg selbst ist klar, wer da die Nase vorn hätte: „Meiner war weiter.“

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