Fünf Spiele an einem Tag: So meistert der ASC den Handball-Saisonstart

Handball

Die Amateur-Handballsaison startet am Wochenende. Welche Herausforderungen warten auf die Vereine? Wir haben mit Frank Fligge, Abteilungsleiter des ASC 09 Dortmund, darüber gesprochen.

01.10.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das Zuschauerbild wird sich bei den Spielen des ASC 09 Dortmund ändern.

Das Zuschauerbild wird sich bei den Spielen des ASC 09 Dortmund ändern. © Ludewig

Der ASC 09 Dortmund startet mit 17 Handball-Mannschaften in die neue Spielzeit, die am Wochenende beginnt. Wir haben exemplarisch für den Handball in Dortmund mit Frank Fligge (ASC 09 Dortmund, Abteilungsleiter Handball, Foto) darüber gesprochen, welche Hürden und Aufgaben in der Corona-Pandemie auf die Vereine zukommen und warten.

Es geht los, wie groß ist die Vorfreude?

Ich freue mich für die Mannschaften, dass sie wieder auf die Platte dürfen. Ich selbst freue mich nicht. Meine These lautet, dass es den meisten Vorständen so geht.

Warum?

Die Anforderungen und Unsicherheiten in der Corona-Pandemie sind einfach extrem groß. Wir haben jetzt am Sonntag um 11, 13, 15, 17 und 19 Uhr jeweils ein Spiel in unserer Halle. Weil wir von einer Nettozeit von 90 Minuten pro Spiel ausgehen, heißt das für die Mannschaften, dass sie umgezogen zu den Spielen kommen müssen.

Gibt es keine Kabinen?

Doch. Unsere Kapazitäten geben her, dass die Mannschaften nur nach den Partien in die Kabine dürfen.

Wie soll das ablaufen?

Die Mannschaften müssen umgezogen zu uns kommen und in einem Raum, den wir ihnen zur Verfügung stellen, warten, dass das vorherige Spiel zu Ende ist. Erst wenn die zuletzt spielenden Mannschaften unter der Dusche stehen, dürfen die neuen Mannschaften auf die Platte, um sich warmzumachen.

Warum dürfen die Teams sich nicht vorher in die Halle auf die Tribünen setzen?

Das hat etwas mit der Zuschauerkapazität zu tun. Wir haben da die letzten Wochen echt gebastelt. Wir haben jetzt vier Tribünenbereiche geschaffen, in denen die Zuschauer sitzen dürfen, die restlichen Bereiche sind abgesperrt. Normalerweise passen etwa 350 Zuschauer in unsere Halle. Wir lassen aber nur 97 zu. Vier Besucher dürfen immer nebeneinandersitzen, die sechs Plätze daneben bleiben frei.

Gibt es weitere Vorkehrungen, die Sie getroffen haben?

Auf jedem Sitzplatz ist ein QR-Code. Über den müssen die Zuschauer ihre persönlichen Kontaktdaten hinterlassen. Und es gibt eine Maskenpflicht während der Spiele. Wir halten das für angemessen. Während einer Fahrt mit dem ICE nach Berlin tragen auch alle für dreieinhalb Stunden problemlos eine Maske. Da ist es nicht zu viel verlangt, während der 90 Minuten beim Handball auch eine zu tragen.

Frank Fligge spricht über den Saisonstart.

© Ludewig

Und wenn jemand sich weigert, in der Halle eine Maske zu tragen?

Wir werden niemanden in die Halle lassen, der keine Maske trägt. Nimmt jemand während der Partie die Maske ab, werden wir ihn darauf hinweisen, sie wieder aufzusetzen. Folgt er unserer Anweisung nicht, werden wir von unserem Hausrecht gebrauch machen. Als letzte Instanz rufen wir die Polizei. Es geht hier um die Gesundheit aller Spieler und Zuschauer. Deshalb sind wir auf die Vernunft und Einsicht aller Besucher angewiesen.

Was passiert nach dem Ende eines Spiels?

Dann müssen alle aus der Halle. Die Spieler gehen in die frisch desinfizierten Kabinen und die Zuschauer benutzen den extra ausgewiesenen Ausgang. Wenn sie wollen, können sie dann einmal um die Halle gehen und vorne wieder reinkommen. Wir werden aber auch die Temperatur bei allen Besuchern messen. Wenn das Fieberthermometer mehr als 37,8 Grad Celsius anzeigt, darf der Zuschauer nicht rein.

97 Zuschauer klingen erstmal wenig. Kommen Sie damit aus?

Nein, schon am Sonntag beim Landesliga-Derby gegen Oespel-Kley hätten wir mehr Zuschauer gehabt. 20 Karten haben wir unserem Gast zur Verfügung gestellt. Dann konnten unsere Spieler Karten für ihre Frauen, Freundinnen und Familien reservieren. So sind jetzt schon 60 der 97 Karten weg. Es kann passieren, dass wir Zuschauer am Sonntag wieder nach Hause schicken müssen, weil die Halle voll ist. Und wenn am 25. Oktober zum ersten Mal unsere Drittliga-Frauen spielen, kommen weitere Probleme auf uns zu.

Welche?

Hier ist es vorgeschrieben, dass die Gäste 90 Minuten vor dem Spiel in ihre Kabine dürfen und 60 Minuten vor dem Anwurf in die Halle zum Warmmachen. Da ist eine Taktung an Spielen wie an diesem Wochenende nicht möglich.

Was bedeutet das alles finanziell für den Klub?

Es wird Einbußen geben. Das steht jetzt schon fest. Wie hoch die sind, können wir so in drei Monaten genauer sagen.

Wird es denn einen Verkauf geben?

In der Halle nicht. Wir müssen ja alle drei Tribünen ausziehen. Und in dem kleinen Vorraum geht es auch nicht, hier könnten wir den geforderten Mindestabstand nicht mehr gewährleisten. Wir werden aber vor der Halle einen Pavillon aufbauen. Hier gibt es Getränke aus Flaschen. Wenn das Wetter mitspielt, werden wir auch den Grill anschmeißen.

Gibt es irgendwelche Töpfe, die die finanziellen Verluste auffangen?

Die gibt es nur bei unseren Drittliga-Handballerinnen. Da greift der Corona-Rettungsschirm des Landes. Hier müssen wir offenlegen, was wir in der vergangenen Saison bei den Spielen der Frauen eingenommen haben. Die Differenz bekommen wir dann erstattet.

Mit wie vielen Leuten sind Sie dann am Wochenende im Einsatz?

25 Leute benötigen wir schon für die komplette Organisation am Sonntag, das sind so sieben, acht mehr als an normalen Spieltagen.

Dann schauen wir zum Schluss noch auf das Sportliche beim ASC 09. Ihre erste Damenmannschaft spielt in der Dritten Liga, Ihre Herren in der Landesliga. Wie sehen die Ziele aus?

Das erste Ziel ist es, Corona-frei durch die Saison zu kommen. Mit unseren Drittliga-Frauen wollen wir uns in dieser Liga festsetzen. Wir sind nicht aufgestiegen, um nur ein Jahr zu bleiben. Bei den Herren haben wir eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. Hier wünsche ich mir einfach eine sorgenfrei Saison.

Welches ist das unrealistischste Ziel?

Ganz klar. Dass wir Corona-frei durch die Spielzeit kommen.

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