Tauscht die Erste des VfR Kirchlinde mit der Zweiten die Liga? Neuer Trainer soll es verhindern

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Sie hatten eigentlich Richtung Bezirksliga geschielt, doch ein paar Monate nach der Aufstiegsfeier kämpft der VfR Kirchlinde gegen den A-Liga-Abstieg. Und könnte von der Zweiten überholt werden.

Dortmund

, 04.12.2019, 16:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marc Schneider ging nicht im Guten. Der Aufstiegstrainer des VfR Kirchlinde möchte sich zu den Details nicht äußern, ist aber seit Ende September wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand nicht mehr Coach beim A-Ligisten. Stattdessen trainiert er nun seit drei Wochen den direkten Rivalen im Abstiegskampf - Hellweg Lütgendortmund.

Boden der Realität

Sie sind ein bisschen auf dem Boden der Realität angekommen beim VfR Kirchlinde. 2017 war Schneider mit Alexander Tschiderer und Maciej Jaworek zum Klub gekommen, und hatte im zweiten Jahr den Aufstieg geschafft. „Wenn wir verletzungsfrei bleiben, gibt es eine reelle Chance unter den Top-6 zu landen“, hatte Schneider damals gesagt und nach vier Spieltagen und sieben Punkten sah es eigentlich so aus, als könnte sich die Vorhersage bewahrheiten.

Doch es folgten drei Niederlagen in Serie, die es in sich hatten. 0:4 in Rahm, 3:7 gegen Sölderholz und 0:9 gegen Huckarde - und das Ende für Schneider: „Meinen Vorgängern wurde daraufhin gesagt, dass sie das nicht mehr weitermachen sollen“, sagt Markus Ottenberg ein wenig kryptisch. Der 36-Jährige ist seitdem wieder verantwortlich, hatte das Traineramt schon vor Schneider inne, zog sich nach einem Jahr aber in die Dritte zurück „weil ich beruflich viel auf Montage und selten da war“, sagt Ottenberg.

Die Punkte fehlen

Jetzt soll er das Team zusammen mit Sandro Checcaglini zumindest bis zur Winterpause in ruhigere Gewässer führen, was bislang aber punktetechnisch noch überhaupt nicht funktioniert. „Es stimmt, es sind nicht viele Punkte bei rumgekommen, aber es war nicht so schlecht. Gegen Aplerbeck haben wir erst in der 92. das 1:2 bekommen, gegen Barop, die danach alles gewonnen haben, 2:2 gespielt.“

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Danach allerdings gab es nur noch einen Punkt aus fünf Spielen: „Das Problem ist, dass wir personell momentan einfach nicht so gut besetzt sind.“ Der 18er Kader wurde durch Verletzungen, berufliche Engpässe und Sperren zum Teil arg dezimiert: „Wir hoffen, dass es in der Rückrunde besser wird“, sagt Ottenberg.

„Damit habe ich ja nie gerechnet“

Den Ex- und Wieder-Coach hat die Anfrage, ob er das Team übernehmen wolle, im September „vom Stuhl gerissen. Damit habe ich ja nie gerechnet“, sagt Ottenberg, der auch eine gewisse Überraschung in der Mannschaft festgestellt hatte: „Aber das Team hat dann eine Reaktion gezeigt, die Einstellung war wieder etwas positiver. Vielleicht hat es vorher einfach nicht mehr gepasst.“

Die plötzliche Trennung hat im Team natürlich trotzdem Spuren hinterlassen. Drei Spieler gingen mit Schneider nach Lütgendortmund und dass weitere folgen könnten, hatte Ottenberg auch befürchtet: „Viele Spieler, die bei uns spielen, wurden von Marc und Ösi geholt. Aber wir haben mit allen Spielern, bei denen das in Frage kommen könnte, gesprochen und von allen die Zusage erhalten, hier weiterspielen zu wollen.“

Nicht direkt wieder absteigen

Denn einen Abstieg wollen sie in Kirchlinde, wo sie seit Sommer nach zehn Jahren endlich wieder A-Liga-Luft atmen, unbedingt vermeiden. Andererseits reicht ein Blick in die Kreisliga B1, um die Vermutung anzustellen, dass im nächsten Jahr mindestens ein Kirchlinder Team A-Liga spielen wird.

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Denn die Zweite des VfR ist Tabellenführer, weist drei Punkte Vorsprung auf die Reserve von Mengede 08/20 auf und Trainer Hasan Gündüz sagt: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so gut klappt. Aber wir wir wollten schon oben mitspielen.“

Die Erste wird sich noch retten glaubt Hakan Gündüz

Dass die Erste absteigt, glaubt Gündüz nicht: „Die werden sich schon noch retten.“ Eine Kooperation zwischen den beiden Teams gibt es nicht wirklich, was vor allem daran liegt, dass das Gündüz-Team vor drei Jahren komplett vom TSC Huckarde nach Kirchlinde gewechselt war und ein eingeschworener Haufen ist: „Wir spielen schon länger zusammen“, sagt Gündüz.

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Und Ottenberg fügt hinzu: „Wir versuchen, mit den Leuten, die wir haben, auszukommen. Wir wollen eigentlich schon versuchen, uns gegenseitig zu unterstützen, aber es ist natürlich schwierig, weil die Zweite um den Aufstieg spielt. Die wollen wir natürlich nicht schwächen.“

Hilft Top-Torjäger Baris Gülen bei der Ersten aus?

Doch was, wenn es am Ende für beide noch um alles geht, Kirchlinde I dringend Punkte für den Klassenerhalt benötigt und Kirchlinde II mit zwei Siegen den Aufstieg klarmachen könnte? Muss Top-Torjäger Baris Gülen (32 Saisontore) dann zum Retter der Ersten werden? Gibt es dann eine Stallorder wie in der Formel 1?

„Das wäre das Horrorszenario“, sagt Ottenberg lachend, „am liebsten wäre mir, dass wir gerettet sind und die 2. noch die Chance auf den Aufstieg hat. Aber was passiert, wenn es anders ist, kann ich jetzt nicht beantworten.“ Gündüz sagt: „Ich denke mal schon, dass wir helfen würden, wenn es hart auf hart kommt. Aber wie gesagt: Die retten sich vorher.“

Direktes Duell im April

Besonders spannend wird es im April nächsten Jahres, wenn Schneider mit Hellweg Lütgendortmund nach Kirchlinde kommt. Momentan stecken beide tief im Keller der A-Liga.

Hellweg ist mit acht Punkten Letzter, Kirchlinde momentan Drittletzter mit zwölf Punkten: „Für mich persönlich hat es keine besondere Bedeutung“, sagt Ottenberg, „ich bin mit Marc und Ösi gut ausgekommen. Aber ich denke schon, dass die beiden mit der Situation nicht zufrieden sind. Und da es für beide - Stand jetzt - auch sportlich um sehr viel geht, wird es sicher ein besonderes Spiel. Ich hoffe aber, dass es kein Hassduell wird.“

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