Giannina Bonnemann: Auf dem Wasser zuhause

Dortmunds Sportlerwahl 2015

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht steht Giannina Bonnemann im Trainingsraum ihres Fitnessstudios. Die Dortmunderin spricht über die Anfang Dezember so erfolgreich beendete Wasserski-Weltmeisterschaft in Mexiko, bei der die 21-Jährige ein dickes Ausrufezeichen in der Weltspitze setzen konnte.

DORTMUND

von Von Christopher Stolz

, 13.01.2016, 07:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das Jahr 2015 war das erfolgreichste meiner bisherigen Karriere. Ich kann selbst noch gar nicht glauben, was ich alles erlebt habe“, sprudelt die Freude nur so aus ihr heraus. Im Trickski, ihrer Lieblingsdisziplin, war sie im Finale der weltbesten Wasserskifahrerinnen nur Vierte geworden. In der Kombination aus Slalom, Springen und Trickski sollte es dann die ersehnte erste WM-Medaille in der offenen Klasse werden: Bronze. „Ich bin im Sommer schon Weltmeisterin in der U21 geworden. Aber diese erste Medaille in der Elite-Klasse ist wirklich das i-Tüpfelchen“, erzählt Giannina.

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Dortmunds Sportler des Jahres: Die Nominierten

Bereits zum elften Mal werden „Dortmunds Sportler des Jahres" gesucht. Die Ruhr Nachrichten und Radio 91.2 haben drei Frauen, drei Männer und drei Mannschaften herausgesucht, die in diesem Jahr herausragende Erfolge gefeiert haben. Das sind die Nominierten.
19.12.2015
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Christina Hammer (Boxen/25): Sie hat ihren Weltmeistertitel nach Version der WBO im Mittelgewicht verteidigt, damit hält sie seit 2010 den WM-Titel! In Jena gewann die unangefochtene Nummer eins der unabhängigen Computer-Weltrangliste gegen Herausforderin Kali Reis aus den USA. Die Punktrichter werteten 3:0 (98:91, 98:91, 98:91).© Foto: Schütze
Patricia de Graat (Leichtathletik/16): Die junge Mittel- und Langstreckenläuferin hat schnelle Antworten, wenn man sie nach den Höhepunkten der Saison fragt: Lausanne und Jena. IAAF Diamond League Meeting im Nationaltrikot vor über 15.000 Zuschauern und der Titel als Deutsche Jugendmeisterin, den sie über 1500 Meter nach einem taktischen Rennen in 4:36,23 Minuten gewann. Darüber hinaus führt sie die deutsche Rangliste mit den in Mannheim gelaufenen 4:26,86 Minuten an. Die 16-Jährige der LG Olympia Dortmund sagt: "Es hätte in der Saison nicht besser laufen können, und ich bin zudem verletzungsfrei geblieben."© Foto: dpa
Giannina Bonnemann (Wasserski/21): Sie wurde bei den Wasserski-Weltmeisterschaften U21 im spanischen Sesena Weltmeisterin in der Kombinationswertung aus Slalom, Trick und Springen, die Kirchhörderin, die derzeit in Florida studiert, holte den Titel mit 2814 Punkten. In der Einzelwertung Trick wurde sie zudem noch Vizeweltmeisterin. Ihre jüngere Schwester Chiara (20) gewann Bronze. Bei der U21-EM gab's für Giannina ebenfalls Gold.© Foto: privat
Christian Bornemann (Speedsurfen/50): 20 Jahre hat er auf diesen Moment hingesurft, am 31. Oktober in Namibia war es soweit: Der Zahnarzt knackte den Deutschen Rekord im Speedsurfen. Über eine Distanz von 400 Metern durchbrach er die magische Schallmauer von 50 Knoten, das sind fast 100 km/h. "Das hat mich schon ziemlich glücklich gemacht", sagte der Baroper, der schon 2012 und 2014 nationale Rekorde aufgestellt hatte und vor zwei Jahren WM-Dritter war.© Foto: Greg Beadle
Janni Luca Serra (Fußball/17): Eigentlich war er angetreten, Tore auf dem Fußballfeld zu verhindern, jetzt aber ist sein Job, Tore zu schießen. Und das macht der 1,93-Hüne richtig gut. Der U17-Fußballer von Borussia Dortmund hatte mit seinem BVB ein tolles Jahr: Im Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen den VfB Stuttgart (4:0) schoss der 17-Jährige zwei Tore. Serra war es auch, der die U 17-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Bulgarien im Halbfinale gegen Russland mit dem goldenen Tor ins Finale schoss. Auch für die U17-WM war er nominiert, da ihm aber das Abitur wichtiger war, sagte er ab.© Foto: Ludewig
David Lebuser (Wheelchair-Skaten/29): Er ist durchaus als Pionier seines Sports zu bezeichnen: Der Extremsportler im Rollstuhl ist der erste professionelle „Chair skater“, nebenbei hält er auch WCMX Workshops für andere Rollstuhlfahrer in Deutschland. Vor acht Jahren stürzte Lebuser in einen Treppenschacht, zog sich eine Querschnittslähmung zu. In der Reha erwachte die Lust, mit dem Rollstuhl sportlich umzugehen. Seit 2012 nimmt der Dortmunder jedes Jahr an der Weltmeisterschaft teil, 2014 wurde er Weltmeister, in diesem Jahr fuhr er sich mit akrobatischen Manövern in Textax auf Rang drei.© Foto: Spindelndreier
Borussia Dortmund (Frauenhandball): Die Handballerinnen von Borussia Dortmund blicken auf ein starkes zurück – und das trotz einer katastrophalen und beispiellosen Verletzungsserie. Doch die ehrgeizigen Frauen um Trainerin Ildiko Barna trotzten jeder neuen personellen Hiobsbotschaft und feierten in der Ferne, in Allensbach am Bodensee, am 25. April mit einem 28:26-Erfolg den erhofften Sprung ins Bundesliga-Oberhaus – es war der zweite Erstliga-Aufstieg nach 1993.© Foto: Ludewig
SG Dortmund (Schwimmen): Die Schwimmer der SG Dortmund gewannen sowohl auf der langen 50- als auch auf der kurzen 25-Meter-Bahn mit ihrer Mixed-Staffel den Deutschen Meistertitel. Bei der DM in Berlin stellten die Schützlinge von Cheftrainer Prof. Volker Höltke dann auch noch einen neuen Deutschen Rekord auf. Bei der Kurzbahn-DM in Wuppertal mussten Kerstin Lange, Julia Leidgebel, Max Mral und Erik Steinhagen drei lange Läufe warten, bis ihr Sieg u.a. über Weltmeister Marco Koch und sein Team feststand.© Foto: privat
Borussia Dortmund (U17-Fußball): Kurz vor 13 Uhr am 14. Juni 2015 stemmte BVB-Kapitän Felix Passlack vor 7196 Zuschauern, darunter 500 mitgereiste BVB-Fans, in Großaspach die Meisterschale in die Höhe. Die Stimmung nach dem 4:0-Erfolg gegen Stuttgart hätte kaum besser sein können. Es war bei der zwölften Endspielteilnahme der sechste BVB-Triumph. „Ich bin so stolz, Kapitän dieser Mannschaft zu sein, es ist der Wahnsinn, was wir diese Saison gezeigt haben“, sagte Felix Passlack, der ein Tor schoss und zwei vorbereitete. © Foto: Worbser
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Aller Anfang dieser sich rasant entwickelnden Wasserski-Laufbahn schreibt das Jahr 1998. Mit vier Jahren steht die junge Dortmunderin, die ihren Lebensmittelpunkt dank eines Stipendiums nach Amerika verlegen durfte, zum ersten Mal auf den heute so geliebten Brettern. Es folgen der erste Wettkampf mit sieben Jahren und die erste Europameisterschaft nur wiederum drei Jahre später. Hier wurde der Grundstein gelegt. Die Motivation kannte keine Grenzen mehr.

„Ich bin bei meinem ersten internationalen Wettkampf sofort ins Finale gekommen. Dabei sollte ich dort nur erste Erfahrungen bei einer EM sammeln“, weiß Giannina, als wenn es gestern gewesen wäre: „Und wenn man dort einmal war, will man aus diesem Kreise nicht mehr so schnell weg.“

In diesem Kreise bewegten sich auch ihre beiden Schwestern Chiara und Carlotta, mit denen sie noch heute auf Wettkämpfe fährt. Ein Grund, weshalb das Interesse am Wasserskisport nie nachgelassen hat. „Für mich ist es auch ein Familiensport. Ich mag es besonders, dass wir zu den Turnieren immer gemeinsam gefahren sind – meine Schwestern, mein Bruder und meine Eltern. Wir sind viel gereist, hatten wenig Urlaub. Aber das hat mir nie etwas ausgemacht“, erzählt Giannina mit einem Funkeln in den Augen. Durch die Art und Weise, wie sie über ihren Sport spricht, ist ihre Faszination für den Sport zu spüren. Eine Faszination, die sich nach und nach ins Ausland verlagert hat.

Seit August 2013 studiert Giannina in Lafayette, nur zwei Stunden von der Großstadt New Orleans entfernt. Dort hat sie die Möglichkeit, Studium und Sport zu verbinden. Denn geeignete Seen gibt es – anders als in Deutschland – dort in Hülle und Fülle. In diesem Jahr ist sie dort für ihre Universität bei der landesweiten Hochschulmeisterschaft im Wasserski angetreten – und holte den Titel. Ein weiterer in diesem so ereignisreichen Jahr für die junge Frau, die fast alle deutschen Rekorde in ihrer Sportart hält.

Neue Bestleistung

Erst in diesem Jahr hat sie bei den WM ihre persönliche Bestleistung im Trickski aufgestellt. Doch was genau ist die Faszination Wasserski? „Für mich ist es die Mischung aus Schnelligkeit, Beweglichkeit und Ausdauer. Wer noch nie auf dem Wasser gefahren ist, kann es mit Ski fahren vergleichen“, sagt Giannina. Und genau deshalb legt sie, bevor es im neuen Jahr wieder zurück auf die US-amerikanischen Seen geht, eine kurze Trainingssession in Österreich ein. Urlaub nennt sie es. Doch wer die ehrgeizige 21-Jährige kennenlernt, weiß: Zur Entspannung stellt sie sich nicht auf die Bretter.

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