Goethe will Eliteschule des Sports werden - Wunsch nach mehr Zuspruch von Stadt und Politik

Interview

Seit zehn Jahren ist das Goethe-Gymnasium NRW-Sportschule. Die Erfolge sind da, doch es sei noch mehr möglich, sagt Schulleiter Christof Nattkemper. Jetzt will das Goethe Eliteschule werden.

Dortmund

, 10.09.2019, 15:39 Uhr / Lesedauer: 4 min
Goethe will Eliteschule des Sports werden - Wunsch nach mehr Zuspruch von Stadt und Politik

© Dieter Menne Dortmund

In diesem Jahr kam sogar ein Europameister dazu. Elias Schreml, 18 Jahre alter Langstreckler der LG Olympia Dortmund, gewann im Juli bei der U20-EM im schwedischen Boras über die 3000 Meter Gold. Schremls Erfolg ist kein Einzelfall am Goethe-Gymnasium im Stadtteil Hörde.

Dortmunds bester Schwimmer Luca Nik Armbruster, 17, holte gleich drei Medaillen bei der Nachwuchs-EM in Kazan. Und dann gibt es ja auch noch die Handballerinnen, die mit den A-Juniorinnen des BVB Deutscher Meister wurden.

Die Entwicklung der NRW-Sportschule überwältige ihn, sagt Christof Nattkemper. Wir haben mit dem Schulleiter des Goethe über die Erfolge, die Perspektiven und Schwierigkeiten gesprochen.

Herr Nattkemper, die Erfolge in diesem Jahr waren groß. Gibt es einen Moment, der Sie besonders berührt hat?

Das sind allesamt herausragende Ergebnisse, die mich stolz machen. Aber mich überrascht nach wie vor jeder einzelne Erfolg, den wir erreichen, aufs Neue, da sich solche Höchstleistungen nicht einfach planen lassen.

Könnten Sie alle Erfolge aus dem Stegreif aufzählen?

Nein, dafür sind es einfach zu viele. (lacht).

Wie sehen Sie die Entwicklung der vergangenen Jahre?

Sie überwältigt mich. Ich bin hier vor zehn Jahren Schulleiter geworden, vier Wochen später wurden wir NRW-Sportschule. Wenn man die ersten zwei Jahre mit der Situation heute vergleicht, haben wir einen enormen Sprung gemacht – sowohl was die Anzahl an leistungssportorientierten Schülern angeht als auch die Titel. Man muss dabei allerdings auch vorsichtig sein.

Inwiefern?

Man darf sich nicht nur über Platzierungen definieren. Das ganze System muss wachsen. Die Meilensteine der Vergangenheit waren ohne Zweifel die Eröffnung der zweiten Sporthalle und das Internat. Ohne diese beiden Komponenten wäre unsere Entwicklung so nicht möglich gewesen. Damit einher ging dann auch die Personalentwicklung. Denn ich brauche in den Sportarten Lehrkräfte oder Trainer, die all das auch voranbringen können.

Wie schwierig ist es, entsprechendes Personal zu finden?

Extrem. Wir suchen ja Kandidaten mit einer abgeschlossenen Lehrerausbildung und gleichzeitig mindestens einer B-Lizenz in der jeweiligen Kernsportart. Dafür gibt es eigentlich keinen Markt. Schwierig gestaltet sich zudem auch die Situation im Bereich der Infrastruktur.

Was bereitet Ihnen dabei die größten Sorgen?

Die Sporthalle Hörde I ist geschlossen. Derzeit kursiert das Gerücht, dass im Jahr 2022 eine neue Halle stehen wird. Das sind allerdings Zeiträume, die bei der aktuellen Auslastung nicht ausreichend sind. Zumal die Rahmenbedingungen für Ersatz auch alles andere als befriedigend sind. Die Stadt weiß um diese Problematik, aber die Kapazitäten sind eben eng.

Klingt frustrierend …

Was auch deutlich wird: Es gibt aktuell keinen wirklichen Plan für eine Weiterentwicklung der NRW-Sportschule, für die Entwicklung hier am Standort. Aber die Hoffnung, dass es besser wird, besteht.

Was stimmt Sie denn zuversichtlich?

Der Masterplan Sport. Ich hege durchaus die Hoffnung, dass man sich seitens Stadt vor diesem Hintergrund zur Sportschule bekennt und Ideen zu einer Verbesserung entwickelt. Wir bräuchten innerhalb des Systems räumliche Reserven.

Sie sehen also Handlungsbedarf seitens der Stadt?

Mir ist wichtig, dass es mir nie darum geht, jemanden schlecht zu machen oder zu sagen: Dieses oder jenes sind unhaltbare Zustände. Mir geht es darum, den Zustand für möglichst viele Menschen zu verbessern.

Droht mit dem Status quo Stillstand?

Was den Ausbau der Sportschule betrifft, haben wir derzeit allein aus Kapazitätsgründen der Sportstätten einen leicht rückläufigen Trend. Wir könnten viel mehr machen, auch mit dem jetzigen Personal, mit den jetzigen Schülerinnen und Schülern, wenn wir mehr Raumkapazitäten hätten.

Sie haben gesagt, es gebe keinen wirklichen Plan. Wen konkret meinen Sie damit?

Die Stadt hat vor mehr als zehn Jahren die Bewerbung für eine NRW-Sportschule abgegeben. Im Anschluss hat es allerdings nie eine konzeptionelle Entwicklung dieses durchaus großen, zur Verfügung stehenden Areals in Hörde gegeben. Vielmehr hat man es versäumt, sich nach dem Bau der Sporthalle Hörde II des Gesamtkomplexes anzunehmen. Das ist nun punktuell mit dem Umbau des Sportplatzes als Trainings- und Wettkampfstätte für die Leichtathleten geschehen. Aber es gibt noch weitaus mehr Bedarf. Kraftraum, Mensa, Seminarräume.

Wie ist der aktuelle Stand bei der Gestaltung der Leichtathletikstätte?

Es gab Schwierigkeiten mit dem Untergrund, sodass dort wohl sogar ein Absacken des Platzes drohte. Mittlerweile wurde nachgebessert. Mein Stand ist nun, dass die Anlage Ende des Jahres fertiggestellt sein soll und wir sie im Frühjahr nutzen zu können.

Es heißt auch, das Goethe Gymnasium möchte Eliteschule des Sports werden …

Das ist richtig. Als NRW-Sportschule erhält man im Wesentlichen die personellen Vergünstigungen, ist aber bei der Finanzmittel-Ausstattung sehr stark darauf angewiesen, was der städtische Haushalt hergibt. Da werden wir nicht anders bedient als andere Schulen in der Stadt auch.

Reicht das aus?

An einzelnen Stellen ist es leider nicht hinreichend. Wir brauchen, gerade was Gerätschaften oder Messinstrumente betrifft, eben mehr, weil wir auch ganz andere Erwartungshaltungen haben. Da braucht es Spielraum, um das ein oder andere in größerer Stückzahl zu bevorraten. Wir wollen den Sportlern aus den verschiedenen Teildisziplinen eben gerecht werden.

Und deshalb wollen Sie Eliteschule des Sports werden?

Ja, denn dort, und das ist ein wesentlicher Aspekt, werden größtenteils entsprechende finanzielle Mittel verteilt.

Welche Hürden muss das Goethe überwinden?

Es gibt nach meiner Kenntnis aktuell bundesweit bereits 43 Eliteschulen des Sports und eine Häufung von fünf Eliteschulen in NRW. Gleichzeitig bemühen sich aber auch mehrere Schulen, auch NRW-Sportschulen um den Titel der Eliteschulen. Damit aber die Gesamtzahl nicht zu groß wird, soll der Kriterienkatalog überarbeitet werden, was offenbar auch schon ein Jahr läuft.

Gab es diesbezüglich bereits Gespräche mit der Stadt?

Mit der Stadt nicht, was aber auch damit zu tun hat, dass wir bei den Zuständigkeiten immer zwischen zwei Dezernaten hängen. Als Schule sind wir mit dem Schuldezernat in Gesprächen, also Frau (Daniela) Schneckenburger, und was die sportlichen Belange betrifft, mit Frau (Birgit) Zoerner. Aber grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass man dem Ansinnen der Schule folgen würde. Die Ernennung des Goethe zur Eliteschule des Sports würde Dortmund gut zu Gesicht stehen, denn man nennt sich doch allzu gerne eine Sportstadt.

Um Eliteschule zu werden, bedarf es des Votums des Landes. Unterstützung seitens der Stadt würde da sicherlich nicht schaden, oder?

Das definitiv nicht. Ich würde mir bezüglich der NRW-Sportschule ohnehin mehr Zuspruch und eine klarere Unterstützung von der Lokalpolitik hier aus Hörde sowie der Verwaltung wünschen. Das ist für mein Dafürhalten noch zu wenig ausgeprägt. Zumal es doch ein Prestige-Projekt für die Stadt ist. Ein regelmäßiger Austausch mit Vertretern der Stadt wäre wünschenswert. Auch was die Sportstätten betrifft. Aber auf jeden Fall mehr begleitendes Know-how.

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