Gut in Schwung: Clemens erstmals bei WM dabei

Behindertengolf

Michael Clemens muss sich zurzeit wie ein Weltenbummler fühlen. Erst Schweden, dann das niedersächsische Duderstadt, bald Italien und Spanien.

DORTMUND

von Von Andrea Wellerdiek

, 22.08.2011, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gut in Schwung: Der Dortmunder Michael Clemens, der an seinem linken Arm eine Prothese trägt, hat nach seiner ersten Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Behindertengolf ein ganz großes Ziel vor Augen: die Paralympischen Spiele 2020.

Gut in Schwung: Der Dortmunder Michael Clemens, der an seinem linken Arm eine Prothese trägt, hat nach seiner ersten Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Behindertengolf ein ganz großes Ziel vor Augen: die Paralympischen Spiele 2020.

Die Grüns und Abschläge lagen zwar stets auf gleicher Höhe, dazwischen mussten die Spieler allerdings Senken durchqueren, die „immer 40 Meter hoch und wieder runter gingen. Das war für die Grundfitness sehr anspruchsvoll“, erzählt Clemens, der im Golfclub Unna-Fröndenberg trainiert. Für ihn war es weniger ein Problem, jedoch für die Rollstuhlfahrer, die oft mit den Rädern im Schlamm stecken blieben. Clemens bringt hingegen ein anderes körperliches Handicap mit: Er spielt nach einem Bundeswehr-Unfall mit einer Prothese am linken Arm.

Bei den Meisterschaften erzielte er in der Bruttowertung eine beachtliche 89 (1. Tag) und eine 88 (2. Tag). „Das war schon ganz ordentlich, das ist mir in der Gesamtwertung auch zugute gekommen“, sagt Clemens, der ein Handicap von 7,8 hat. Mit so einem guten Ergebnis hat der 50-Jährige nicht gerechnet, schließlich stand er zwei Tage zuvor noch in Schweden auf dem Platz. Dabei feierte Clemens mit der deutschen Nationalmannschaft Premiere. Zum ersten Mal wurde die Team-Weltmeisterschaft der Golfer mit Behinderung in Malmö ausgerichtet. Clemens belegte mit seinen drei Teamkollegen den zehnten Platz – knapp hinter Österreich. „Ein Schlag dahinter. Das wurmt uns am meisten“, gibt Clemens zu. Nachdem Teamkapitän Reinhard Friske verletzt ausfiel, war offenbar aber nicht mehr drin.

„Uns fehlte von Anfang an das beste Handicap“, sagt Clemens. So blieb das Trio knapp in den Top Ten. Auch der gute Vierer-Bestball von Michael Clemens und Peter Haustein, der gleichzeitig das fünftbeste Ergebnis des Turniers bedeutete, reichte nicht zu einer höheren Platzierung. „Es war aber eine Erfahrung wert“, sagt Clemens, der nun in der Nationalmannschaft gesetzt ist. Dass Deutschland im Behindertengolf noch Handlungsbedarf hat, hat Clemens durch die WM nun auch erfahren. Während das deutsche Team vier Golfer abstellte, reisten andere Nationen mit einem großen Aufgebot zu den internationalen Titelkämpfen. „Da sind vom Mentalcoach bis zum Physiotherapeuten alle dabei“, weiß Clemens. Auch das gesamte Erscheinungsbild ist ein anderes: „Von Putter bis zur Krawatte ist alles gleich ausgestattet.“

Mit der ersten Teilnahme an der Weltmeisterschaft ist auch das deutsche Behindertengolf auf einem guten Weg, findet Clemens. Auch er selbst will zu einer professionelleren Entwicklung – nicht nur durch seine sportlichen Erfolge – beitragen. In seinem Golfclub in Unna ist er seit kurzem im Management tätig. In gut vier Jahren will er seine Vorgängerin als Clubmanager ablösen. „Es ist schön, auf dem Hobbygelände zu arbeiten“, erzählt Clemens. Am Schreibtisch kommt ihm allerdings manchmal das Sportliche zu kurz. „Ich trainiere weniger. Dabei muss ich an meinem kurzen Spiel arbeiten“, sagt Clemens.

„Denn je niedriger das Handicap, desto schwieriger wird es, es zu behalten.“ Und schließlich will er bei der nächsten Weltmeisterschaft wieder dabei sein – und nicht nur das, für 2020 peilt er gemeinsam mit dem deutschen Golfverband ein ganz großes Ziel an: die Teilnahme an den Paralympischen Spielen. Dann würde es wieder rund um die Welt gehen. 

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