Handball meets Fußball: "Highlight für alle"

DORTMUND Am Wochenende greifen zwei Borussen-Formationen nach den Sternen. Die B-Junioren-Fußballer stehen im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft bei 1899 Hoffenheim. Die Handball-B-Mädchen haben das Final Four in Bad Wildungen vor der Brust. Im Vorfeld tauschten sich die Trainer Peter Wazinski und Klaus Krüger über die Erfolgsstory und Chancen ihrer Teams aus.

von Von Thomas Rellmann und Peter Ludewig

, 19.06.2008, 17:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

In welchem Umfang nehmen Sie von der anderen Sportart und speziell den jüngsten Erfolgen der Gleichaltrigen Notiz? Krüger: Natürlich sind wir da informiert, schauen über den Tellerrand. Viele Fußballer treffen wir auch bei Orthomed. Die baggern immer meine Tochter an ...Wazinski: Ich sitze auf der Geschäftsstelle Handball-Sportkoordinator Jochen Busch auf einer Etage Zimmer an Zimmer gegenüber und bekomme folglich vieles mit. Darüber hinaus bin ich natürlich interessierter Zeitungsleser.

Wie hoch ist die Affinität zur anderen Sportart? Wazinski: Die Erstliga-Frauen habe ich mir schon häufiger angesehen. Auf einem hohen Niveau finde ich das sehr spannend. In meinen Augen macht diesen Sport gerade das Live-Erlebnis aus. Da ist ein großes Fanpotenzial. Bei der WM 2007 habe ich in der Westfalenhalle einige Spiele live gesehen.Krüger: Naja, und ich gehöre sogar zu den Dauerkarteninhabern beim BVB. Leider kann ich die nur selten nutzen. Jugendspiele habe ich allerdings noch nicht angeschaut.

Handballer spielen im Training gerne Fußball, das ist bekannt. Wie sieht es umgekehrt aus und wo liegen die Lerneffekte? Wazinski: Zum Aufwärmen spielen wir oft eine Kombination aus Hand-, Fuß- und Kopfball. Dadurch werden die Jungs in ihren Bewegungsabläufen koordinativ geschult. Das ist auch durchaus zwei, drei Mal pro Woche der Fall.Krüger: Mit den Mädels spielen wir eher Basketball, das ist noch näher am Handball. Allerdings nur nach Siegen, als Belohnung sozusagen. Grundsätzlich ist es aber richtig: Männer-Mannschaften spielen viel Fußball. Und zwar nicht nur aus Vergnügen, sondern weil man dort einiges mitnehmen kann, wie etwa kurze Sprints, Körpereinsatz, peripheres Sehen, Antizipationsvermögen.

Was können Sie von der anderen Seite lernen? Wazinski: Ich habe das Gefühl, dass das Automatisieren von Spielzügen und vorgegebenen Laufwegen im Handball schon wesentlich länger ausgeprägt ist. Daran arbeiten wir mittlerweile intensiver.Krüger: Im Bereich Koordination und Stabilisation, Stichwort schnelle Beine, gibt es eine ganze Menge Anregungen. Janett Eißings Mann Christoph ist dafür bei uns verantwortlich – und der arbeitet in diesem Bereich auch bei den Profis des VfL Bochum.

Wie beurteilen Sie die Resonanz des Erfolgs in der öffentlichen Wahrnehmung, etwa in puncto Publikum? Krüger: Das Zuschauerinteresse ist grundsätzlich zu gering. In der normalen Spielrunde spielen wir praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wenn es dann um etwas geht, werden es etwas mehr Leute.Wazinski: Das ist bei uns, obwohl Bundesliga, vergleichbar. Da sind dann oft nur 30, 40 Menschen am Rand. Danach nimmt die Wertschätzung und auch das Medieninteresse zu. In Hoffenheim werden zum Endspiel mehr als 5000 Zuschauer erwartet, das ist natürlich ein Highlight für alle.

Im Erfolg, sagt man, werden die größten Fehler begangen. Welche Chancen, welche Gefahren birgt die aktuelle Situation? Wazinski: Die Jungs müssen selbst gut strukturiert sein, das Umfeld muss stimmen. Dann kann es auch weiter nach oben gehen.Krüger: Unsere Mädchen haben größtenteils im letzten Jahr schon das Final Four erlebt. Keiner hebt jetzt deswegen ab. Alle haben noch härter trainiert, um nochmal dabei zu sein.

Wer kann den Sprung nach ganz oben schaffen? Wazinski: Es gibt ja zwei Wege, einmal den geradeaus durch alle Mannschaften bis in die 1. Liga. Und den Umweg über andere Vereine, wie ihn etwa Florian Kringe mit Köln gegangen ist. Den ersten traue ich Mario Götze und Marc Hornschuh zu, den zweiten Lasse Sobiech und Daniel Ginczek. Aber es gibt auch immer wieder Überraschungen.Krüger: Ein, zwei Mädchen haben die Voraussetzungen, um es in die 1. Liga zu schaffen. Das geht aber nicht auf direktem Weg. Dafür ist die Kluft im Verein zwischen 1. und 2. Mannschaft zu groß. Ein Doppelspielrecht wäre sicherlich eine Möglichkeit. Aber hier kann es auch ungeahnte Entwicklungen geben.

Wie stehen die Chancen am Wochenende? Wazinski: 50:50. Mit den verletzten Mario Götze und Christian Silaj wären die Chancen natürlich größer gewesen.Krüger: Diesmal gibt‘s keine Übermannschaft wie zuletzt zwei Mal Erfurt. Unser Halbfinalgegner Magdeburg wird als Favorit gehandelt. Ich hoffe, dass uns die Erfahrung des letzten Jahres weiterhilft. Wir fühlen uns wohl in unserer Rolle.Wazinski: Ihr müsst da also zwei Mal volle Spielzeit gehen?Krüger: Genau. Aber das ist kein Problem, körperlich sind wir top-fit. Aber gäbe es Hin- und Rückspiel, könnte man einen schlechten Tag auch noch mal wett machen.

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