Hermanns suchen neues Glück

Eiskunstlauf

Auf dem Eis tanzen sie Geschichten von Liebe und Leid, von Freude und Schmerz – und alles sieht so leicht und mühelos aus. Doch Carolina und Daniel Hermann, das für den ERC Westfalen übers glatte Parkett gleitende Geschwister-Paar, kennen viele ihrer Kür-Themen aus dem wahren Leben.

DORTMUND

von Von Petra Nachtigäller

, 29.10.2011, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Rückschau: Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2010 im kanadischen Vancouver, ihrer Lieblingsstadt, hatten die beiden mehr als unglücklich verpasst. Auf der Suche nach neuer Inspiration verließen sie das Dortmunder Leistungszentrum, in dem sie jahrelang gemeinsam Erfolge gefeiert hatten, und zogen ins französische Lyon. Die neue Trainingsgruppe war interessant, das Leben abseits der Eishalle jedoch nicht einfach. Es folgten Gesundheits- und Motivationsprobleme, die zu Beginn der Saison 2010/2011 in die kurzzeitige Trennung der Geschwister, die bis dahin ihr Leben stets gemeinsam verbracht hatten, führten. Wenige Wochen später setzten sie jedoch das Training in Berlin unter der Leitung von René Lohse fort. „Leider stellten sich im Mai meine Knieprobleme wieder ein und ich musste im November 2010 operiert werden“, berichtet Carolina aus ihrer Krankenakte.

Da wollte Bruder Daniel nicht nachstehen, im Dezember zog sich der Eistänzer Leistenbrüche zu, und im März dieses Jahres meldeten sich seine Weisheitszähne schmerzhaft, zwei mussten entfernt werden, den anderen beiden droht noch das gleiche. Die EHEC-Epidemie kam den Vegetariern auch nicht gerade gelegen, und als dann noch bei Carolina die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis gestellt wurde, schien das Seuchenjahr seine Fortsetzung zu nehmen. Die Schilddrüsenerkrankung könne aber gut mit Tabletten behandelt werden, „es hat zum Glück keine Auswirkungen auf die sportliche Belastbarkeit“, wie die Psychologie-Studentin zu ihrer Erleichterung von Ärzten erfuhr.

Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) ließ das gebeutelte Geschwisterpaar aber nicht im Stich, ohne Auflagen wurden die Plätze in der Sportfördergruppe der Bundeswehr verlängert, der sogenannte S-Kader-Status ist zudem bei der Trainingsarbeit in Berlin hilfreich. Den geplanten Saisonstart bei der traditionsreichen Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf mussten die Hermanns zwar absagen –  Bundestrainer Martin Skotnicky mahnte noch mehr Routine und Sicherheit in den Wettkampfprogrammen an –, doch vom 6. bis 8. November in Dortmund, bei der „NRW Trophy of Ice Dancing“, da wollen die Hermanns zeigen, dass sie wieder da sind, dass sie nichts verlernt haben. Besonders freuen sich die gebürtigen Sprockhöveler auf das Wiedersehen mit ihren Dortmunder Freunden. Schließlich haben Carolina und Daniel gut ein Drittel ihres noch jungen Lebens in der Westfalenmetropole verbracht, haben ihr Abitur am Hörder Goethe-Gymnasium „gebaut“. Da gibt es viel zu erzählen ... 

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